Angst vor der Stromtrasse

Wirtschaft
Windischeschenbach
01.08.2015
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Was den einen sinnvoll erscheint, ist für die anderen eine Katastrophe und umgekehrt. Die drei Varianten einer möglichen Stromtrasse um Windischeschenbach herum, die der Netzbetreiber Tennet vor einigen Wochen präsentierte, stoßen nicht auf Gegenliebe.

Die Wirtsleute Christine und Hans Götz machen sich große Sorgen. Seit ein paar Jahren betreiben sie die Hütte im Sauerbachtal . Eine mögliche Stromtrasse (Variante H 2b und H 3b) würde etwa einen Kilometer südlich der Gaststätte das Sauerbachtal durchqueren.

Für die Gastronomen schlichtweg unmöglich: "Wir haben hier eine einzigartige Flora und Fauna. Soll diese jetzt zerstört werden?", ärgert sich die Wirtin. "Hier wächst Arnika, es gibt eine Orchideenwiese. Außerdem ist das Sauerbachtal das Naherholungsgebiet der Weidener." An die 900 Unterschriften hat das Ehepaar in den vergangenen vier Wochen zusammengetragen. Auch auf ihrer Facebook-Seite macht es auf die mögliche Trassenführung aufmerksam. Christine Götz denkt sogar über eine Demo oder einen Infostand in der Weidener Fußgängerzone nach. Den Wirtsleuten geht es dabei nicht in erster Linie um ihr Lokal. "Lieber gebe ich die Hütte auf, als das diese Stromtrasse kommt. Das ist ein Verbrechen", schimpft die Frau.

Nördlich von Windischeschenbach sieht sich Hans Senft mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Die Variante H 1 würde den Campingplatz, die Ausflugsgaststätte und die Hofmetzgerei Schweinmühle unmittelbar an seiner nordwestlichen Grenze tangieren. "Ja, es könnte uns treffen", sagt Senft, der für die CSU im Windischeschenbacher Stadtrat sitzt. "Wir brauchen den Strom zwar, aber glücklich sind wir nicht darüber." 20 Prozent aller Gäste, die jährlich in Windischeschenbach übernachten, würden auf seinem Campingplatz oder in den Ferienwohnungen Quartier beziehen.

Doch nicht nur die Stromtrasse bereitet Senft Kopfzerbrechen. Auch die Lage seines Anwesens an der Bahnstrecke Hof-Regensburg gibt ihm zu denken. Da diese Strecke künftig Teil eines nationalen Güter-Korridors werden soll, befürchtet der Betreiber des Campingplatzes eine immense Zunahme des Bahnlärms. "60 bis 80 Züge wären das täglich. Falls die Stromtrasse auch noch kommt, sind wir doppelt betroffen."

Widerstand regt sich auch bei den Anwohnern in Neuhaus . "Müssen wir immer alles abkriegen?", fragt Stadträtin Annette Dietl (Freie Wähler). Ihre Familie wohnt Luftlinie 200 Meter zur Bahnstrecke und 400 Meter zur Autobahn. "Und jetzt kommt auch noch diese Stromtrasse." Die Varianten H 2 und H 3 führen entlang der A 93 an Neuhaus vorbei. Die Oberfranken hätten sich ihrer Meinung nach erfolgreich und massiv gewehrt. Dietl befürchtet nach neuesten Meldungen, dass die Tennet-Trasse nun auch noch für das Gleichstromnetz benutzt werde.

Laut Bürgermeister Karlheinz Budnik ist dies nicht vorgesehen: "Tennet führt das Verfahren so weiter, als ob die Trasse ohne Gleichstrom gebaut wird." Falls es doch anders komme, ginge die ganze Prozedur wieder von vorne los. Die bisherige Trassensuche sei eine private Veranstaltung der Firma Tennet gewesen. Erst im Herbst, der genaue Termin stehe noch nicht fest, beginne das Raumordnungsverfahren. "Das heißt, alle Planunterlagen werden vier Wochen lang im Rathaus ausgelegt", erklärt Budnik. In dieser Zeit kann jeder schriftlich seine Bedenken und Einwände formulieren.
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