Bürger dürfen Stromtrasse für den Ostbayernring suchen

Viel Informationsmaterial hatten die Tennet-Leute mit nach Windischeschenbach gebracht, darunter auch einen Isolator aus Silikon, wie er bei der neuen Leitung verwendet wird. Bild: ms
Wirtschaft
Windischeschenbach
30.09.2014
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Fünf Stunden lang nahm sich das Großaufgebot des Netzbetreibers Tennet am Montag Zeit, um die Bürger über die neue Stromleitung für den Ostbayernring zu informieren. Windischeschenbach ist einer von drei Orten, die Probleme machen.

Der Ostbayernring ist die zentrale Stromleitung für Nord- und Ostbayern. Sie ist 185 Kilometer lang und versorgt schon heute weite Teile Oberfrankens und der Oberpfalz über die Umspannwerke Redwitz im Landkreis Lichtenfels, Mechlenreuth bei Münchberg, Etzenricht und Schwandorf mit Strom.

Wegen der Abschaltung aller bayerischen Atomkraftwerke bis 2022 und des Ausbaus der erneuerbaren Energien wird die Versorgungs- und Transitfunktion der Leitung in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Schon jetzt stößt der Ostbayernring durch die zunehmende Einspeisung regenerativer Energien regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen. Tennet muss daher den Ostbayernring für die Herausforderungen der Energiewende fit machen. Diese Ertüchtigung geschieht durch den Bau einer neuen Leitung. Das 220-KV-System wird durch ein leistungsstärkeres 380-KV-System ersetzt. Es soll zweieinhalb Mal so viel Strom transportieren wie bisher.

Viele Fragen

Die Notwendigkeit der neuen Stromleitung ist nach Angaben von Ina-Isabelle Haffke bei der Bevölkerung nicht umstritten. Allerdings gebe es drei Knackpunkte: Marktleugast, Windischeschenbach und Schwandorf. Hier sei die Bebauung in den vergangenen Jahren ganz nah an die Leitung herangerückt, erklärte die Referentin für Bürgerbeteiligung. In Windischeschenbach sei dies im Norden der Stadt, beim Umspannwerk, der Fall.

Bei einem Informationsmarkt in der Mehrzweckhalle hatten am Montag die Bürger der Bohrlochstadt Gelegenheit, sich über das rund 280 Millionen Euro teure Vorhaben zu erkundigen. Wo genau sollen die Masten stehen? Wie hoch sind diese? Wann ist Baubeginn? Was wird aus der alten Trasse? Wie sieht es mit Ausgleichsflächen aus? Viele Fragen, die die Anwohner den freundlichen Tennet-Leuten stellten.

Rund 100 Männer und Frauen nutzten bis 20 Uhr die Möglichkeit. Sie äußerten sich froh, dass sie diese Chance bekamen. Das zeigten auch die ausführlichen Gespräche mit den Experten des Stromnetzbetreibers. Haffke erläuterte, dass rechts und links der bestehenden Stromleitung ein Spielraum von 65 Metern bestehe. Innerhalb dieser Schneise werde die neue Leitung - die Strommasten werden bis zu 65 Meter hoch und damit 10 Meter größer als die bisherigen - hochgezogen. In Windischeschenbach aber prüfe Tennet, ob eine großräumige Umgehung möglich sei. Dazu habe man eine Ellipse über das Gebiet gelegt. Die Bürger konnten bereits Änderungswünsche vorbringen. Davon machten 13 Leute Gebrauch. Sie gaben sogenannte Konsultationsbögen ab.

Neuland

Bei anderen Terminen waren es fast doppelt so viele. Dies führt Haffke darauf zurück, dass Tennet in Windischeschenbach mit einer Bürgerbeteiligung Neuland betritt. Das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) Essen will mit Hilfe der Windischeschenbacher die beste Lösung finden. Die Leute sollen mithelfen, eine Trasse zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht und gleichzeitig die rechtlichen Anforderungen erfüllt. Tennet verpflichtet sich, auch diese Variante zur Genehmigung einzureichen.

Wer am Montag nicht dabei war, hat noch nichts verpasst. Die Auftaktveranstaltung ist am 22. Oktober um 18.30 Uhr in der Mehrzweckhalle. Das Vorhaben wird erneut vorgestellt. Am 10. Dezember geht es mit einer Feedback-Veranstaltung ebenfalls in der Mehrzweckhalle weiter. Bei der Abschlussveranstaltung - Termin und Ort werden noch bekanntgegeben - müssen sich die Bürger dann auf eine Trasse verständigen.

Zeitplan

Zusätzlich stellt das KWI ein Trassenuntersuchungs-Team auf die Beine. Dazu werden acht Windischeschenbacher per Zufallsgenerator ausgesucht. Gemeinsam mit Vertretern von Behörden, Vereinen, Tennet und der Stadt ist es ihr Job, alle Ideen und Anliegen aufzunehmen und so gute und verständliche Entscheidungsgrundlagen für die Abschlussveranstaltung zu erstellen. "Wir sind auf das Ergebnis gespannt", sagt Bürger-Referentin Jaffke.

Nach ihren Worten startet 2015 das Raumordnungsverfahren. Dabei werden Trassensuchräume geprüft und ein Trassenkorridor für das nachfolgende Planfeststellungsverfahren festgelegt. Bis 2016 läuft das Planfeststellungsverfahren. Mit dem Planfeststellungsbeschluss wird der parzellenscharfe Trassenverlauf festgelegt. Träger öffentlicher Belange und Privatpersonen werden beteiligt. 2018 soll mit dem Bau des Ostbayernrings begonnen werden, 2020 soll er in Betrieb gehen. 2020 bis 2021 erfolgt der Rückbau der bestehenden Leitung.
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