Kosten im Gesundheitswesen: Verdi-Senioren und Gewerkschaftsbund fordern Parität
Zurück zur gerechten Finanzierung

Wie steht es um die Finanzierung des Gesundheitswesens? Darüber sprach Christian Dietl vom DGB bei den Verdi-Senioren. Bild: hfz
Wirtschaft
Windischeschenbach
06.10.2016
53
0

Windischeschenbach/Baumgarten. Eine enorme Summe: Um 19 Milliarden Euro sollen die Kosten im Gesundheitswesen nach Angaben des Spitzenverbandes der GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) in den kommenden Jahren steigen. Nach jetziger Gesetzeslage müsste das über Zusatzbeiträge der Arbeitnehmer und Rentner aufgebracht werden. Damit aber nicht genug: Christian Dietl, DGB-Vorsitzender Oberpfalz, verwies in der Versammlung der Verdi-Senioren im Hotel Igel auf eine weitere Studie.

Schon jetzt zwei Drittel


Demnach kommt der Deutsche Gewerkschaftsbund - unter Einbeziehung der Pflegeversicherung ab 1995 - zum Ergebnis, dass Arbeitnehmer bereits heute zwei Drittel beitragen. Deshalb seine Forderung: Rückkehr zur paritätischen Finanzierung.

Was Dietl in seinem Vortrag bei den Senioren ebenfalls bemängelte: Seit der deutschen Einheit greife der Staat immer häufiger zur Entlastung des Haushalts auf die Sozialkassen zurück. So würden die zugesagten Mittel zur Finanzierung gesellschaftlicher Aufgaben nicht vollständig überwiesen. Dabei entstünden Lücken durch die pauschale Abgeltung der Ausgaben für Hartz IV. Neu hinzu komme die Finanzierung einer Bundesanstalt für die Überwachung der Präventionsleistungen. Besonders zur Lastenverschiebung beigetragen habe die Ausgliederung von Leistungen wie Zahnersatz, verschiedene Arzneien oder Heil- und Hilfsmittel.

Zusammengerechnet ergab sich laut Dietl dafür 2014 ein Betrag von mehr als 43 Milliarden Euro. Da wohl die Ausgaben wegen der Alterung der Gesellschaft und des medizinischen Fortschritts weiter steigen und gleichzeitig die Schuldenbremse greift, befürchten die Gewerkschaften zusätzliche Abstriche bei den Leistungen. Beispiele dafür gibt es Dietl zufolge bereits in den skandinavischen Ländern oder Großbritannien. Dies würden die Gewerkschaften aber nicht zulassen.

Sozialwahlen wichtig


In der folgenden Diskussion unter Leitung des Vorsitzenden Manfred Haberzeth schilderten die Teilnehmer Erfahrungen aus dem Alltag. So müsse man immer häufiger vor den Widerspruchsausschüssen oder den Sozialgerichten um die "notwendige Leistung" ringen. Hier komme der Selbstverwaltung große Bedeutung zu. Die Versicherten sollten deshalb bei den Sozialwahlen 2017 deutliche Zeichen setzen und die Anforderungen an ein solidarisches Gesundheitswesen deutlich machen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Christian Dietl (2)Verdi-Senioren (6)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.