Sorge um Forschung
KTB-Chef Holzförster sieht im niedrigen Ölpreis nicht nur Grund zur Freude

Dr Frank Holzförster. Bild Popp
Wirtschaft
Windischeschenbach
24.02.2016
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Kaum freut sich der Verbraucher mal über Billigsprit und günstiges Heizöl, treten Experten schon wieder als Spielverderber auf. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass Öl in fünf bis zehn Jahren teurer denn je wird. Der Grund: Bei Tiefstpreisen sieht die Industrie keinen Anlass, in Fördertechniken zu investieren. Für Dr. Frank Holzförster, den Leiter des Geozentrums an der KTB, ist das keine Überraschung.

Herr Dr. Holzförster, herrscht jetzt tote Hose am KTB-Bohrloch, dem bis heute tiefsten Forschungszentrum der Erde?

Holzförster: Im Gegenteil: Das KTB-Loch ist gefragt wie selten.

Warum?

Holzförster: Unter anderem testen wir mit dem Geoforschungszentrum Potsdam den Einsatz langer Stahlseile, über die Daten aus großer Tiefe übertragen werden. Das braucht die Industrie. Der Trend geht dahin, immer tiefere Löcher zu erschließen. Das hat auch mit Fracking zu tun, deshalb laufen diese Projekte weiter.

Aber es heißt doch, dass es wegen des Billigöls kaum mehr Forschungsaufträge gibt.

Holzförster: Das ist schon richtig, aber eigentlich beobachten wir eine Entwicklung, die es schon immer gab. Ich gehe einige Wetten ein, dass sich das ändert, sobald der Barrel-Preis eine bestimmte Grenze überschreitet.

Wo liegt diese Grenze?

Holzförster: Legen Sie mich nicht fest. Es war aber schon zur Zeit meiner Doktorarbeit so, dass es für Geologen gute Jobchancen gab, sobald der Barrelpreis für die Sorte Brent über 50 Dollar stieg. Fiel er darunter, flogen die Geologen wieder raus. Da können Sie heute noch die Uhr danach stellen. In Deutschland gibt es schon seit drei Jahren keine Erdöl- oder Gasbohrungen mehr.

Aber damals war der Ölpreis noch extrem hoch.

Holzförster: Es hängt mit der Fracking-Diskussion zusammen. Egal wie man dazu steht, Fakt ist: Der Bund wollte noch vor Weihnachten dazu ein Gesetz beraten, aber das liegt auf Eis. So lange die Industrie nicht weiß, woran sie ist, wird sie natürlich nicht investieren. Das trifft auch die Forschung.

Was hat denn die KTB schon zur Ölförderung beigetragen?

Holzförster: Das kann man nicht so einfach sagen, da wir Grundlagenforschung betreiben. Ein schönes Beispiel sind aber "Iron Roughnecks"?

Was bitte?

Moderne Geräte, die Bohrstränge automatisch verschrauben und heute auf jeder Bohrinsel zum Einsatz kommen. Sie sind "made by KTB".

Wann könnte sich die Spirale aus wenig Forschung und niedrigem Ölpreis diesmal ausgedreht haben?

Holzförster: Das kann sehr schnell gehen. Das günstige Öl hat ja damit zu tun, dass die USA durch Fracking vom Öl unabhängiger geworden sind. Sobald jedoch US-Firmen sagen, dass ihnen Fracking zu teuer ist, kostet das Barrel Brent innerhalb von vier Wochen wieder über 50 Dollar.

Darauf zielen die Ölförderländer mit ihrem Überangebot ab.

Holzförster: Möglicherweise wollen die Opec-Länder damit die Wahlen in den USA beeinflussen. Vielleicht sagt dort jemand, dass er oder sie die Ölschlammförderung stoppen will, denn die ist kostspielig und energieintensiv.

Das heißt, wir würden noch monatelang günstig tanken?

Holzförster: Ich gebe zu, dass ich die 98 Cent für Diesel an meiner Pirker Tankstelle zurzeit sehr genieße, als Geologe halte ich das jedoch für eine Katastrophe, weil die Forschung einknickt. Langfristig dürfte Öl aber weiter weltweit die treibende Energiequelle bleiben. Ich wage die Prognose, dass wir noch Preise von 1,80 bis 2 Euro für den Liter Diesel erleben werden. Deshalb sollten wir weiter auf alternative Energien setzen.
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