Auf zu neuen Ufern
Weltreisende Familie Praschel bricht wieder auf

Emma und Paula Praschel an einem Strand in Kalifornien. Dort machte die Familie bei ihrer ersten Reise Station. Auch diesmal ist ein Abstecher dorthin nicht ausgeschlossen. Bilder: Praschel (4)
Kultur
Winklarn
15.04.2016
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Die halbe Welt haben sie schon erkundet. Mit ihren zwei kleinen Töchtern reisten Heike und Tom Praschel bis in die Mongolei und nach Mexiko. Jetzt bricht die Familie wieder auf. Nach Alaska. Und die Schulkameraden zu Hause dürfen alles hautnah erleben.

Dreiundzwanzig Kilo für ein Jahr. Da sollte schon gut überlegt sein, was in den Koffer kommt, sagt Heike Praschel. Die zwei Töchter, immerhin, haben schon mal eine grobe Vorstellung. Möglichst wenige Klamotten, möglichst viele Spielsachen. Und die 41-Jährige selbst? "Die Kaffeemühle auf jeden Fall." Und, klar, weil bestens bewährt bei Fernreisen: der Spätzlehobel.


Durch Amerika

Heike und Ehemann Tom Praschel sitzen vor ihrem Haus in Forsthof. Unter dem Weiler bei Winklarn (Kreis Schwandorf) streckt sich ein Tal aus. Felder, Wälder, Landidyll. Es ist einer der frühen richtig warmen Frühlingstage. Hummeln pendeln zwischen den ersten Blumen. Bald blühen die Wiesen hier oben am Waldrand regenbogenbunt. Die Familie selbst wird davon allerdings nichts mehr sehen. Am 16. April startet ihr Flugzeug nach Seattle im Nordwesten der USA. Mit den Töchtern Paula (7), Emma (9), mit 23 Kilo Gepäck pro Person und mit Hündin Laika geht es für ein Jahr durch Nordamerika, hinauf zu einem der nördlichsten Orte der Erde. Auf eigene Faust auf eine halbe Weltreise. Mal wieder.

Was für die einen ein Traum ist, den sie sich doch nie erfüllen, und für die anderen eine unverantwortliche Spinnerei, mindestens, ist für die Familie das alltägliche Abenteuer. 2010 brach sie zum ersten Mal auf. Ein Jahr sollte es werden, am Ende waren es zweieinhalb. Mit einem knallroten, umgebauten Lkw ging es erst nach Osten, bis in die Mongolei, und wieder zurück. Nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause, bei Tom Praschels Eltern in Wernberg-Köblitz, folgte Teil zwei: Kanada, USA, Mexiko.

So weit, so lang - und das mit zwei kleinen Kindern. Das weckte Interesse. Nicht nur unsere Zeitung berichtete, auch viele überregionale Medien meldeten sich bei der Familie. Heike Praschel bekam von Verlagen Angebote. Schließlich erschien ihr Reisebericht unter dem Titel "Weltenbummler" im Malik-Verlag. Der Verkauf läuft offenbar gut: Im Februar kam die Taschenbuch-Version heraus. Die 41-Jährige reiste bis nach Niedersachsen zu Lesungen. Die Töchter kamen unterdessen zur Montessori-Schule in Schönthal, wo sie sich gut einlebten. Tom Praschel arbeitete wieder als Heilerzieher. Dazu das Haus mit dem herrlichen Ausblick, der rote Bus verkauft, der Spätzlehobel in der Küche verräumt. Oder anders ausgedrückt: auf Dauer nicht das Richtige.



Heike Praschel blinzelt in die Sonne. Es stimmt schon, sagt sie, schön haben sie's hier. Aber es sei bald klar gewesen, dass sie wieder los müssen. Alltag, alles vorhersehbar, das sei nichts für sie. Das habe sie schon vor der ersten Reise gesagt: "Zu wissen, wie die nächsten zehn Jahre ablaufen, wäre schrecklich." Also lieber nochmal raus in die Welt, ins Abenteuer.

Diesmal soll es erst ganz hinauf nach Alaska gehen, bis zur Siedlung Deadhorse, von wo die Straßen nicht mehr weiter nördlich führen. Dazwischen wohl noch ein Stopp bei einem Tännesberger, der in der kanadischen Stadt Whitehorse lebt und die Praschels eingeladen hat. Den letzten Anstoß für die neue Reise gab der Besuch von Freunden aus Amerika. Die Praschels hatten das Paar bei ihrem ersten USA-Trip kennengelernt. Als die zwei im Sommer dann in die Oberpfalz kamen, erzählten sie eher nebenbei, dass sie für die nächste Reise der Familie einen dieser gelben amerikanischen Schulbusse auftreiben könnten. Die Praschels sagten Ja. Nun steht für sie in den Staaten einer. Elf Meter, 3000 Dollar, Baujahr 1986 und frisch aus dem Schuldienst entlassen.



Er wartet bei ihren Freunden auf sie im Bundesstaat Washington. Dort wollen sie ihn erst einmal zum Reisemobil umbauen, bevor es wirklich losgeht. Es wird der Abschluss einer ganzen Reihe von Vorbereitungen sein. Die Eltern mussten ja noch die zwei Töchter für ein Auslandsjahr vom Unterricht befreien, Auto abmelden, Versicherungen abschließen, selbst unbezahlten Urlaub nehmen und und und. Tom Praschel nippt an seinem Kaffee. Das meiste ist inzwischen erledigt. "Man vergisst immer, wie viel Arbeit das ist."

Schwitzende Huskys?


Ein bisschen weitere Arbeit macht sich die Familie unterwegs noch selbst: Sie hätten sich überlegt, wie die Kinder Kontakt mit ihren Klassenkameraden halten können, sagt Heike Praschel. Daraus entstand die Idee für ein größeres Projekt. Die Schüler zu Hause dürfen den Praschels nun Fragen stellen. Zum Beispiel die, was Huskys eigentlich im Sommer machen.

Die Reisenden werden dann recherchieren, filmen, schreiben und die Antworten übers Internet zurücksenden. Daneben wollen sie unterwegs verschiedene Schulen besuchen. Dabei sollen Kinder dies- und jenseits des Atlantiks Gelegenheit haben, sich gegenseitig Fragen zu stellen. Außerdem wird die 41-Jährige wieder in einem Blog von den Erlebnissen berichten.

Apropos Schule: Die Lehrer in Schönthal seien wegen der Reise nicht skeptisch, sagt Heike Praschel. Paula und Emma bekämen dabei ja auch eine Menge mit, und Lernmaterial ist sowieso eingepackt. Überhaupt habe es diesmal - anders als früher - auch sonst "nur positive Reaktionen gegeben". Für die zwei Kinder selbst sei der Abschied von zu Hause "anders als beim ersten Mal. Sie haben ja jetzt einen Freundeskreis". Lust auf die Reise hätten sie aber genauso. "Sie freuen sich."


Ende offen


Auf was genau, das können die Eltern ihnen allerdings noch nicht sagen. Nach dem Norden soll die Reise wieder hinab führen. Womöglich bis Mexiko. Ganz so sicher sei das nicht, sagt Tom Praschel. Freiheit sei wichtiger, als alles durchgeplant zu haben. Offen sei auch, wann genau die Familie wieder zurückkommt. Fest steht nur etwas anderes: Sie werden dann vielleicht am Ende der Welt gewesen sein. Das Ende der Reise ist das aber nicht. Während sie weg sind, wartet ein paar Kilometer vom Tal vor ihrem Haus entfernt nach dem gelben Bus etwas blaues: Die Praschels haben sich neulich einen alten THW-Lastwagen angeschafft.

Zu wissen, wie die nächsten zehn Jahre ablaufen, wäre schrecklich.Heike Praschel


Weitere Informationen:

www.weltenbummler-praschel.de


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