Alten Geschichten auf der Spur

Die Teilnehmer der Exkursion vor dem "Davidn Haus" in der Neunburger Straße. Dieses beherbergte einst eine Polizeistation. Im Erdgeschoss waren Schreibstube und Verhörzimmer untergebracht; im Obergeschoss wohnten teilweise die Gendarmen.
Lokales
Winklarn
03.09.2015
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Seelen, die keine Ruhe finden. Schwarze Hunde, die nächtliche Fußgänger verfolgen - In der historischen Ortsführung "Winklarn früher und heute" tauchten die Teilnehmer tief in die Vergangenheit und ihre Geschichten ein.

Als versierter Kenner der Ortschronik stellte Hans Bock bei der inzwischen dritten Führung die Straßen oberhalb des Marktplatzes in den Fokus seiner Erzählungen. Unter den zahlreichen Teilnehmern an der Ferienprogramm-Aktion befanden sich auch einige Kinder.

Hongkong-Fanni

Ausgangspunkt war am Marktplatz, wo Bock zunächst kurz auf die Entstehung der Hausnamen einging. Diese entwickelten sich aus den ausgeübten Berufen, aus den Vornamen der Besitzer oder ganz einfach zur Unterscheidung bei öfter vorkommenden Namen (zum Beispiel innerer und äußerer Dirscherl). Die Gruppe bewegte sich anschließend in die Neunburger Straße, wo viel Interessantes über die Gebäude, deren Bewohner und über die Entstehung deren Hausnamen zu hören war. Das "Davidn Haus" beherbergte ursprünglich ein Malergeschäft und wurde später als Polizeistation genutzt. Winklarn verfügte immerhin über drei "Gendarmen", die im Erdgeschoss eine Schreibstube bzw. Verhörzimmer nutzten und teilweise im Obergeschoss wohnten. Das vergitterte Fenster am alten Feuerwehrhaus, das sich in unmittelbarer Nähe befindet, deutet noch heute auf die dazugehörige Zelle hin.

Wagnergasse, Doblergangl und Fischerbeckngangl - Hans Bock wusste vieles über die Entstehung der Namen und auch kleine lustige Anekdoten. In der Nähe befindet sich das Kommunbrauhaus, in dem bis nach dem Krieg noch gebraut wurde. Danach erfolgte der Abbruch. Es wurde ein Haus mit Wohnungen errichtet, da diese nach dem Krieg Mangelware waren. "Messerschmied, Hofner und Jakobn" befinden sich ebenfalls in der Neunburger Straße und deuten auf die damaligen Berufe hin. Am Stodlweg ging der Führer auf das "Draxler Haus" ein, die "Wiege der Blaskapelle Kunschir".

Gespannt lauschten die Teilnehmer den Geschichten über das Anwesen der "Hongkong-Fanni" in der Birkenstraße. Diese war unter anderem mit einem Chinesen verheiratet und fuhr auf dem Landweg mit einem VW-Käfer von Hongkong nach Winklarn. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Steinerne Kreuz am "Rabein." Die Sage erzählt, dass derjenige, der mit gestohlenen Feldfrüchten bis zu diesem Kreuz kam, nicht mehr verfolgt werden durfte und straffrei ausging. Schaurig wurde es in der Roigergasse. Hier befand sich Mitte des 18. Jahrhunderts ein Bierkeller, wo der Doblerwirt um Mitternacht Bier holte, erstochen wurde und sich noch bis zum Doblerhaus schleppte, wo er verstarb. Seither soll es dort "umgehen." Heute erinnert ein Granitkreuz an diesen Vorfall.

Reigen der Toten

Auch das "Rote Kraiz", das sich am Ende der "Raigergasse" befindet, ist mit einer Sage verbunden. Ein großer schwarzer Hund mit weißer Kehle und feuersprühenden Augen verfolgte zu nächtlicher Stunde mit lautem Geheul die Leute, die durch die Gasse gingen. Erst am Kreuz ließ er von ihnen ab. Der Name "Raigergasse" deutet auf eine Gasse hin, in der die Toten ihren Reigen halten. Gebannt lauschten die Teilnehmer den Ausführungen und tauschten sich anschließenden beim Eisessen eifrig darüber aus.
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