"Der schönste Beruf der Welt"

"Hier komme ich gerne her", sagt Bürgermeisterin Sonja Meier und öffnet die historische Eingangstür zur Verwaltungsgemeinschaft Oberviechtach. Als Newcomerin in der Kommunalpolitik freut sie sich über die Unterstützung von Amtsleiter Anton Brand. Bild: Portner
Lokales
Winklarn
10.06.2015
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"Jetzt haben wir auch eine schöne Bürgermeisterin!", freute sich eine Winklarnerin im Frühjahr 2014. Ein Jahr ist vorbei und Sonja Meier strahlt noch genauso wie am Wahlabend. Den Schritt an die Spitze der Kommune hat sie noch keinen Tag bereut: "Für mich ist es der schönste Beruf, den es gibt."

Freundlich, natürlich und charmant. Wer Sonja Meier im Kreise ihrer Bürgermeisterkollegen des Altlandkreises erlebt, erkennt sofort, dass sie sich in ihrem Amt wohlfühlt. Als Newcomerin in der Kommunalpolitik geht sie die Themen entspannt an und setzt auf den gesunden Menschenverstand.

Die Fußstapfen ihres Vorgängers kann sie in dieser kurzen Zeitspanne noch nicht ausfüllen, aber sie arbeitet daran. Hans Sailer - übrigens ein Freund ihres Vaters und seit Kindertagen gut bekannt - stand 24 Jahre lang an der Spitze der Marktgemeinde. "Egal wo man hinkommt fällt sein Name. Hans hat sich aber auch mit allen gut verstanden und enorm viel an Erfahrung und Kontakten gesammelt", sagt Sonja Meier.

In Kontakt mit Bürgern

Für die Entscheidung, ob sie für das höchste Amt der Gemeinde kandieren will, hat sich die geborene Winklarnerin fast ein halbes Jahr Zeit gelassen. Gegen die drei Mitbewerber setzte sie sich im zweiten Anlauf bei der Stichwahl klar durch. Ihre zwei Mädels (15 und 19 Jahre) haben sie von Anfang an bestärkt und sind stolz auf die Mama. Sie finden es mittlerweile "normal", etwas mehr in der Öffentlichkeit zu stehen. Nicht nur im Wahlkampf suchte Meier den Kontakt zu den Bürgern. Auch jetzt nimmt sie, soweit möglich, Einladungen zu Geburtstagen und Jubiläen selber wahr, geht gerne zu Vereinsveranstaltungen und klärt Sachverhalte im persönlichen Gespräch. "Das würde ich mir von einem Bürgermeister wünschen und deshalb mache ich das auch so."

Vor ihrem Ehrenamt war Sonja Meier ganztags berufstätig. Jetzt hat sie ihren "Job" beim Landesamt für Finanzen auf 20 Stunden in der Woche reduziert. "Das klappt ganz gut", bewertet sie die neue Situation. Dank Telearbeitsplatz fährt sie nur einmal wöchentlich ins Büro nach Regensburg. Beruflich bedingt ist sie mit Behörden bestens vertraut - ein Vorteil auch im Bürgermeisteramt.

Gute Mischung

Unterstützung erhält die Newcomerin von Anton Brand und dessen Mitarbeitern in der Verwaltungsgemeinschaft Oberviechtach. Der VG-Chef bereitet die Marktgemeinderatssitzungen bis ins Detail vor. "Hans Sailer hat mir seine Glocke überlassen, aber gebraucht habe ich diese noch nicht!", sagt Meier lachend. Auch wenn sie vor ihrem Start im Mai 2014 erst einmal in eine öffentliche Sitzung "hineingeschnuppert" hatte, verschafft sie sich Gehör. Sie berichtet vom guten Miteinander im Sitzungssaal. Das ist nicht selbstverständlich, denn die zwölf Marktgemeinderäte vertreten immerhin 1440 Einwohner aus 20 Dörfern unterschiedlicher Prägung. Allerdings gibt es keine Fraktionen und alle ziehen an einem Strang - egal ob neu gewählt oder schon in der dritten Amtsperiode. "Eine gute Mischung", so die Bürgermeisterin.

Zum besseren Kennenlernen hatte sie Anfang des Jahres zu einem Klausur-Wochenende eingeladen. "Alle waren dabei", sagt sie mit Stolz und Freude. Gut getroffen hat sie es auch mit ihren Stellvertreterinnen Maria Baumer und Monika Ermer. Dass das Rathaus nun komplett in Frauenhand ist, das habe sich bei der konstituierenden Sitzung "so ergeben".

Setzt eine Frau andere Schwerpunkte? "Naja, man sieht vielleicht vieles anders", sagt Sonja Meier. Die von ihr initiierte Neugeborenen-Begrüßung sei jedenfalls sehr gut angekommen. Überhaupt mache ihr das Amt sehr viel Spaß: "Ich habe es noch nie bereut, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Für mich ist es der schönste Beruf den es gibt." Sie freue sich jeden Tag darauf, etwas zu bewegen und für die Bürger tun zu können: "Wenn sich was lange hinzieht, kann man schon mal ungeduldig werden, aber es sind oft viele Aspekte und Vorschriften zu beachten."

Marktplatz "retten"

Das wichtigste Projekt, das es verstärkt anzupacken gilt, sei das Thammer-Anwesen, "sonst stirbt der Marktplatz in Winklarn aus!" Das Konzept stehe, Unterstützer seien gefunden. Während im westlichen Trakt seniorengerechtes Wohnen geplant ist, soll der östliche Teil für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen (Anlaufstelle für Senioren, Toiletten sowie Gewerbe- und Büroräume).

In den nächsten Wochen stehen einige Verhandlungen an. "Ich bereite mich gut darauf vor und will das Beste für unsere Gemeinde herausholen", bekräftigt Sonja Meier und man spürt, da ist jemand, der etwas bewegen will. Nach einem Jahr ist zwar vieles noch Neuland, doch auch in Pumps kann sie die Fußstapfen ihres Vorgängers irgendwann ausfüllen.
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