Gegen Armut und Leid eintreten

Zahlreiche Gläubige und Vereine zogen in der Prozession über den Marktplatz. Bilder: amö (2)
Lokales
Winklarn
27.01.2015
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Im Jahr 1635 raffte die Pest 228 Menschen hinweg. Am Sonntag lösten die Winklarner zum 380. Mal ihr Gelübde ein, das sie damals dem heiligen Sebastian gemacht haben. Nach der Prozession forderte Festprediger Stefan Wissel auf, sich auch gegen die "moderne Pest" zu wehren.

(amö) In ihrer Not flehten sie 1635 zum heiligen Sebastian, er möge sie doch von der Plage des "schwarzen Todes" erlösen. Der Heilige erhörte das Flehen und die Epidemie flaute ab. Treu und redlich erfüllen die Nachkommen der damaligen Bittsteller ihr Versprechen. Neben dem Fronleichnamsfest ist das Fest des heiligen Sebastian die größte Demonstration des Glaubens in der Pfarrei Winklarn.

Prozession

In einer würdevollen Prozession, angeführt von der Blaskapelle und den kirchlichen und weltlichen Vereinen mit Fahnenabordnungen, wurde die geschmückte Statue des heiligen Sebastian von vier jungen Männern in Frack und Zylinder in das Gotteshaus getragen. Es folgten die Geistlichkeit, sowie Kirchenverwaltung, Pfarrgemeinderat, Bürgermeisterin und Marktgemeinderäte. Pfarrer Eugen Wismeth begrüßte zu Beginn des Gottesdienstes den Pfarrer und Diözesan-Präses Stefan Wissel als Hauptzelebranten und Festprediger.

Pfarrer Wissel stellte einige Fragen an den Anfang der Predigt: Was begeistert euch im Glauben? Was reißt euch mit? Ist es etwas besonderes Christ zu sein? Braucht es heute noch das Sebastiansfest? Diese letzte Frage beantwortete er mit einem klaren "Ja". Auch in unserer Zeit gebe es die Pest. Die moderne Pest heiße Krieg, Einsamkeit, Armut, Ausgegrenztsein, Hunger und Flucht. 23 Prozent der Menschen in der westlichen Welt lebten in Armut, zahlreiche Jugendliche sind Sozialhilfeempfänger.

Stimme erheben

"In all dieser Not sollen oder müssen wir sogar helfen, wie der Heilige es getan hat", sagte der Prediger und rief dazu auf: "Wir dürfen die Armut und die Leiden der eigenen Gesellschaft nicht vergessen. Wir müssen uns gegen Blasphemie wehren, niemand braucht Verhöhnung und Demütigung erdulden." Auch die Kirche müsse sich dafür einsetzen. Jeder sei gefragt, seine Stimme zu erheben, beispielsweise gegen Sterbehilfe. Den Christen fehle oft der Mut, ihren Glauben zu bekennen und in Wort und Tat dafür einzutreten, stellte der Geistliche fest.

Zum Schluss der Predigt ermutigte er: "Vertraut auf Gott in allen Nöten, denn mit dem Vertrauen auf Gott kann unser Leben gelingen." Der Diözesan-Präses verstand es, den Gläubigen das traditionelle Fest in der Gegenwart mit klaren und deutlichen Worten näher zu bringen. Nach dem festlichen Hochamt formierten sich alle zur eucharistischen Prozession um den Marktplatz. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete in der Pfarrkirche das Tedeum, der eucharistische Segen und das altehrwürdige Sebastianslied "Stimmt Christen froh ein Loblied an, lobsinget Sankt Sebastian".
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