Gepinselt und geschleudert

Lokales
Winklarn
22.05.2015
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Den geliebten Bulldog aufs Bild bannen oder mit der Fliehkraft abstrakte Welten fabrizieren? Für einen Tag lang regierte die Kunst an der Grundschule, zwei Profis halfen dabei.

(amö) Die Thomas-Aquinus-Rott-Grundschule hatte sich einen Tag lang ganz dem künstlerischen Schaffen gewidmet. Die freischaffenden Künstlerinnen Tanja Lennert aus Geratshofen und Katharina Dietlinger aus Oberviechtach betreuten die kleinen Maler.

Zufall hilft mit

Die Schüler der ersten und zweiten Klasse erprobten zwei verschiedene Techniken in freier Natur auf dem Sportplatz. Beim "Actionpainting" wird die Farbe auf eine grundierte Leinwand gespritzt, geschüttet oder getropft. Zur Farbverteilung kommen Murmeln oder Tennisbälle als Hilfsmittel zum Einsatz. Dabei erfahren die jungen Künstler die Spannung zwischen bewusstem Eingreifen und originellem Zufall.

Bei den Schleuderbildern, einer anderen Technik der Acrylmalerei, wird die Fliehkraft genutzt. Hier arbeiten immer zwei Schüler in Partnerarbeit zusammen. Die grundierten Keilrahmen werden in eine Farbschleuder eingespannt. Während ein Kind die Kurbel der Schleuder dreht, lässt das andere langsam Farbe eintropfen. Je nach Geschwindigkeit erfolgt die Farbverteilung. Die in Winklarn aufgewachsene Künstlerin Katharina Dietlinger malte mit der dritten Klasse mit Ölfarben. Sie selbst ist bekannt durch ihre großflächigen Landschafts- und Stadionbilder. Wie richtige Künstler durften die Schüler auf den von Dietlinger mitgebrachten Staffeleien im Bauhof ihre Bilder fertigen. Nach einigen grundlegenden Hinweisen (dunkle Farben und Hintergrund zum Schluss oder Vorzeichnungen nur mit hellen Farbstiften) machten sich die Kinder eifrig ans Werk.

Alte Technik im Griff

Breitgefächert waren die Motive: von Fußballstadien, über Traktoren, Hundertwasser-Häusern, Sonnenuntergang und verschiedenen Tieren bis hin zu Landschaftsbildern. Stolz marschierten die jungen Maler mit ihren Werken zurück zur Schule. Die beiden vierten Klassen widmeten sich einer alten Maltechnik, der Hinterglasmalerei. Da diese Malweise in Winklarn beheimatet ist, man spricht sogar von der "Winklarner Hinterglasmalschule" soll diese Technik an die Kinder weitergegeben werden. Auch der Schulname "Thomas-Aquinus-Rott-Grundschule" geht auf einen Hinterglasmaler zurück. Unter Anleitung von Annemarie Mösbauer und Maria Braun übertrugen die Schüler die Vorzeichnungen, die sogenannten Risse, auf die Glasplatten. Das Ausmalen mit Farben erfolgte in genau umgekehrter Reihenfolge wie bei einem Ölgemälde, zuerst die Details und zuletzt die großen Flächen. Jeder Schüler fertigte das Wappen seiner Heimatgemeinde.

Dieser kreative Tag wäre nicht möglich gewesen ohne großzügige Sponsoren. Der Elternbeirat finanzierte das Actionpainting mit Tanja Lennert der ersten und zweiten Klasse vollständig. Kathrin Dietlinger demonstrierte mit der Übernahme des Workshops ihre Verbundenheit mit der Schule. Farben und Keilrahmen sponserte Anne Gierlach, die Mutter der Künstlerin. Die Gemeinde hatte den Bauhof für die Produktion zur Verfügung gestellt. "So etwas könnten wir öfter machen", war die einhellige Meinung der jungen Künstler.
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