Lehrmeister für Glasmalkunst

Beim Festakt demonstrierten die Viertklässler in einem Sketch, wie die Technik des Hinterglasmalens in der Schule vermittelt wird. Bild: amö
Lokales
Winklarn
14.07.2015
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Ein Arbeitskreis erforscht das besondere Wirken von Thomas Aquinus Rott. Nachdem die Grundschule Winklarn-Thanstein nun seinen Namen führt, wollten nicht nur die Ehrengäste wissen, warum die Wahl auf den Winklarner Hinterglasmaler fiel.

(amö) Maria Baumer, Vorsitzende des Arbeitskreises "Hinterglas", ging beim Festakt zur Namensgebung der Thomas-Aquinus-Rott-Grundschule Winklarn-Thanstein auf den Maler ein: "Es gibt kein Foto von ihm, nicht einmal das genaue Geburtsdatum lässt sich feststellen."

Votivbilder statt Medizin

Sein Sterbetag ist genau dokumentiert und zwar am 3. Januar 1841 im Alter von 75 Jahren. Folglich ist sein Geburtsjahr 1766. Auch im Taufregister wurde er am 14. Februar 1793 erwähnt, er, als Sohn des Malers Franz Xaver Rott übernahm ein Patenamt. Die Handwerksfamilien Roth und Rott werden in den Pfarrmartikeln und Briefprotokollen des Marktes Winklarn als Schreiner und Maler bezeichnet. Der Begriff "Maler" umfasst verschiedene Berufsfelder wie Kirchenmaler, Restaurator, Vergolder und Schriftenmaler.

Kreuzwegstationen und Votivbilder gehörten mit zu den Winterarbeiten. Votivbilder sind Bilder, die genau in Auftrag gegeben wurden, um in besonderen Anliegen Hilfe von "oben" zu erbitten oder dafür zu danken. In einer Zeit, in der Notlagen, Krankheiten und Kindersterblichkeit zum Alltag gehörten und ärztliche Hilfe für viele nicht möglich oder unbezahlbar war, wandte man sich an Gott, an Heilige oder besonders oft an die Mutter Gottes. Für die Maler entstand so ein Markt, um sich im Winter ein Zubrot zu verdienen. Hausierer, die sogenannten Kraxenträger, brachten die Werke unter das Volk.

Gemalt wurde auf Holz, Blech, Leinwand und in zunehmendem Maße auf Glas, das von den umliegenden Glasschleifen bezogen wurde. Die Technik hinter Glas zu malen erfreute sich immer größerer Beliebtheit. So haben die Winklarner Maler Pieta-Darstellungen in den Votivbildern und die Amberger Maria-Hilf Madonna nachgemalt. Die Malerfamilie Rott entwickelte und perfektionierte in Winklarn diese Technik. Besonders Franz Xaver Rott und sein Sohn Thomas Aquinus Rott werden als herausragende Maler genannt. Viele Werke fand man in der Plecherkapelle in Winklarn, in der Schönbuchenkapelle in Dautersdorf oder in der Bleichangerkapelle in Oberviechtach. Diese sind jetzt in den Heimatmuseen Oberviechtach und Neunburg und im Stadtmuseum in Regensburg zu besichtigen.

Lehrzeugnis von 1834

Die Weitergabe der Maltechnik wird Thomas Aquinus Rott zugeschrieben. In einem Lehrzeugnis vom 10. Februar 1834 bestätigt Thomas Aquinus Rott, dass Joseph Wüstner (später Hinterglasmaler in Raimundsreuth) bei ihm in einer fünfjährigen Lehrzeit "die Glasmalkunst nebst allen in diesem Fach einschlägigen Arbeiten erlernt hat". Genau dieses Zeugnis hebt Thomas Aquinus Rott von den anderen Hinterglasmalern ab. Die Tradition wurde durch die Familien Ruff, Schwab und Wellnhofer weitergeführt. Risse aus dem Nachlass der Familie Ruff bezeugen, dass auch hier Thomas Aquinus Rott der Lehrmeister war. Auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal erinnerte man sich dieser Maltechnik.

"Auf dem langen Weg der Dokumentation einigte man sich auf die Form eines Dokumentationszentrums im Eingangsbereich der Grundschule", so Maria Baumer. Was lag bei der Namensgebung der Schule näher, als den Begründer der Winklarner Hinterglasmalschule zu nehmen, zumal es dabei auch Berührungspunkte zwischen den beiden Gemeinden gibt: Herstellung in Winklarn und die Wallfahrt nach Schönbuchen mit den Votivbildern.

"Nun liegt es an uns, dieses Wissen über die Maltechnik nicht brachliegen zu lassen, sondern zeitgemäß umzusetzen. Hoffnungsvolle Ansätze zeigen die ausgestellten Schülerarbeiten", wünschte sich Maria Baumer. Sie versäumte es auch nicht allen zu danken, die Unterlagen gesammelt und recherchiert haben.
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