Leinöl und Gold für Madonna

Dr. Reiner Reisinger hielt den Vortrag zum Jubiläum "150 Jahre Hinterglasmalerei Winklarn". Bild: amö
Lokales
Winklarn
26.10.2015
9
0

Zunächst entstanden die Bilder auf Spiegel- oder Fensterglas. Die späteren Winklarner Maler bezogen schönes, reines Tafelglas von den Glasschleifen an der Ascha. Nach Thomas Aquinus Rott (1766 bis 1841) wurde in Winklarn sogar die Grundschule benannt. Hier fand auch der Jubiläumsvortrag statt.

(amö) Arbeitskreisvorsitzende Maria Baumer eröffnete den Vortrag zum Jubiläum "150 Jahre Hinterglasmalerei in Winklarn". Ein besonderer Gruß galt Bürgermeisterin Sonja Meier und ihren Amtskollegen Walter Schauer aus Thanstein, Rektorin Christine Schneider als Hausherrin und Altbürgermeister Hans Sailer.

Als Referent und Experte war Dr. Reiner Reisinger anwesend. Dieser gab mit seinen Ausführungen den Zuhörern einen Einblick in die Thematik und kann aufgrund seiner langjährigen Beschäftigung mit der Hinterglasmalerei als Kenner der Materie bezeichnet werden. Ihn interessierten nicht nur die kunsthistorischen und volkskundlichen Aspekte, sondern auch das Umfeld der Entstehung der Bilder, welche Materialien verwendet wurden und woher diese kamen. So ging der Referent als erstes auf die Herstellung ein.

Rechnungen gefunden

Der Unterschied zu anderen Maltechniken liegt bei der Hinterglasmalerei auf dem Malgrund. Hier wird auf Glas gemalt. Diese Flachglasscheiben waren mundgeblasen und entstanden in einem aufwendigen Verfahren. Dazu wies Dr. Reisinger auf die linke Vitrine im Dokumentationszentrum hin. Die späteren Maler verwendeten Spiegel- oder Fensterglas. Dazu schreibt Heinrich Buchner in seiner Dissertation: "Die späteren Winklarner Maler bezogen schönes, reines Tafelglas für ihre Bilder von den Glasschleifen an der Ascha, es stammte wohl meist von der Hütte Charlottenthal". Bei der Hinterglasmalerei handelt es sich um eine Kaltmalerei - die aufgetragenen Farben wurden nicht wie bei den Kirchenfenstern eingebrannt. Dr. Reiner Reisinger fand im Nachlass Ruff, der im Museum der Stadt Regensburg verwahrt wird, eine Rechnung der Farben- und Lackfabrik Finsterer & Meißner vom März 1901. Farbpigmente und Leinöl wurden mit der Bahn zum Bahnhof Bodenwöhr geliefert. Auch eine Rechnung der Goldschlägerei C. Kühny konnte der Referent in Regensburg finden. So wurden je nach Auftrag Blattgold oder nur Gold- und Silberbronzen verwendet.

Das Auftragsbüchlein für die Jahre 1905 bis 1910 gibt darüber Auskunft. Carl Joseph Ruff junior verwendet für Blattgold die Begriffe "feines Gold" oder "gutes Gold". Neben der Malertätigkeit führten die Ruffs auch Vergolderarbeiten und sogar Steinmetzarbeiten aus (an der Südseite der Friedhofskirche in Winklarn und in Neunburg am Geburtshaus von Gregor von Scherr). Auch eine Rechnung von Marmor Friedrich Rösch aus Nürnberg beweist diese Tätigkeiten.

In seinen weiteren Ausführungen ging Reisinger auf die einzelnen Malerfamilien ein. Nach dem heutigen Stand der Forschung haben drei Familien (Rott, Ruff und Wellnhofer) in zwei Generationen hinter Glas gemalt. Dazu kommen noch einzelne Maler wie Joseph Wüstner, Georg Schwab und ein Maler namens Ebner (Vorname nicht bekannt). Anhand der Stammbäume erläuterte der Referent die familiären Zusammenhänge. Thomas Aquinus Rott (1766 bis 1841) ist der bedeutendste und war der Lehrmeister für Joseph Wüstner und seinen Verwandten Carl Ruff senior. Dies beweist ein Lehrzeugnis Wüstners, das von Thomas Aquinus Rott unterzeichnet ist und die Risszeichnungen im Nachlass Ruff stammen eindeutig aus der Werkstatt Rott. Aus diesem Grund ("Lehrmeister") erhielt die Grundschule seinen Namen. Mit verschiedenen Bildbeispielen zeigte Dr. Reisinger Variationen in der Verwendung eines Risses. Die "Schwarze Madonna von Altötting", die "Amberger Maria-Hilf-Madonna" und die Pieta-Darstellungen vor allem bei den Votivbildern zählen zu den meist verwendeten Motiven. Es gab aber auch Risse mit profanen Motiven. Der Referent erläuterte die Besonderheiten in der Malweise, aber auch die Gemeinsamkeiten.

Besonders erfreut zeigte sich Dr. Reiner Reisinger über Riss-Zeichnungen, die erst kürzlich aus einem Privatbesitz im Museum in Neunburg gezeigt wurden. Dies sind religiöse Motive (Heilige Familie) und profane Motive (wie Fraueninsel Chiemsee oder röhrender Hirsch) und sogar ein signierter Riss von K. Ruff mit dem Thema "Waldkapelle".

Neue Erkenntnisse

Zwei Bilder "Ecce Homo" und "Mater Dolorosa" signiert mit G. Schwab mit neugotischem Rahmen aus diesem Nachlass weisen darauf hin, dass Georg Schwab (gestorben 1925) wahrscheinlich der letzte Hinterglasmaler in Winklarn war. "Dies ist eine neue Erkenntnis in der Forschung über die Hinterglasmalerei in Winklarn", so Dr. Reisinger und bat um die Mithilfe zur Identifikation der Personen auf einem Hochzeitsfoto im Hause Schwab in Winklarn.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.