Mit Gelübde die Pest besiegt

Auf einer festlich geschmückten Trage, mit Münzen und Rosenkränzen reich behängt, wird der heilige Sebastian in einer Prozession durch die Straßen getragen. Bild: amö
Lokales
Winklarn
20.01.2015
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Die Pfarrei Winklarn erfüllt am Sonntag, 25. Januar, mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr zum 380. Mal ihr Gelübde, das sie 1635 dem heiligen Sebastian gab. Es geht zurück auf den Schwarzen Tod - die Pest.

(amö) In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) wütete auch in Winklarn der Schwarze Tod, die Pest, und raffte innerhalb weniger Tage 229 Menschen dahin. Die Bevölkerung flehte in ihrer Not zum heiligen Sebastian und gelobte, bei Erhörung und Abflauen der Epidemie, jedes Jahr das Fest des Nothelfers besonders würdig mit einer Prozession zu begehen. Die Seuche erlosch und die Winklarner erfüllen seitdem jährlich getreu ihr Gelübde.

Seit altersher wird das Fest nach gleichem Ritual begangen. Die Statue des heiligen Sebastian, die sich während des Jahres rechts oben im Altarraum befindet, wird auf eine Trage gestellt und mit Münzen und Rosenkränzen reich behängt. Die Feierlichkeiten haben einen traditionellen Ablauf. Zu Beginn des Festgottesdienstes erfolgt der feierliche Einzug der geschmückten Statue, begleitet von der Geistlichkeit, den Vereinen unter den Klängen der Blaskapelle.

Eine besondere Ehre

Für junge Burschen war es eine besondere Ehre, den Heiligen mit Frack, Zylinder und weißen Handschuhen zu tragen. So schreibt Johann Metzler: ".. vier gediente Bürgersoldaten trugen die Statue in das Kirchenschiff...". Daraus lässt schließen, dass nicht jeder als Träger in Frage kam. Nach dem feierlichen Gottesdienst, meist mit einem auswärtigen Festprediger, formieren sich die Gläubigen zu einer eucharistischen Prozession um den Marktplatz mit den Vereinen, den Vertretern der kirchlichen und weltlichen Gremien und natürlich mit der Blaskapelle. Mit dem eucharistischem Segen und dem gemeinsam gesungenen Sebastianslied "Stimmt, Christen, froh ein Loblied an! Lobsinget Sankt Sebastian! Von Wunderkraft umgeben, Pestkranker Schutz und Leben" endet der Festgottesdienst.

Genau am Namenstag

Bis Ende der 60 er Jahre wurde das Gelübde immer genau am Namenstag (20. Januar) des Heiligen gefeiert. Die wirtschaftliche Entwicklung - viele arbeiten auswärts und die Gründung der Verbandsschule, (Kinder kamen aus über zehn Gemeinden und konnten nicht einfach unterrichtsfrei bekommen) erschwerten die Feier am Namenstag. So wird heute das Versprechen am Sonntag vor oder nach dem 20. Januar eingelöst. Früher war es eher ein Männerfeiertag.

Dazu gehörte am Vortag der Gang zur Beichte, meistens sogar mit einem auswärtigen Beichtvater. Von weit her kamen die Sebastiansverehrer. Vor dem Heimweg durfte die Einkehr in den ehemals zahlreichen Wirtshäusern nicht fehlen. Diese dauerte oft bis zum Abend. Zum Sebastiansfest gehören auch die Sebastiansbrezen. So erzählt Franz Spichtinger (87 Jahre), er habe als kleiner Junge mit sieben oder acht Jahren immer nach dem Gottesdienst die Brezen seines Onkels verkauft. Die Brezen kamen auf einen Stock und so ging er von Wirtshaus zu Wirtshaus und verkaufte sie an die Gäste in den vollbesetzten Gasthäusern.

Aus den früheren Salzbrezen wurden in den letzten Jahren süße Zuckerbrezen, die beide Bäcker in Winklarn hervorragend lecker backen und an den Tagen um Sebastiani (20. Januar) verkaufen. Nach dem Festsonntag steht die Statue noch eine Woche im Altarraum. In dieser Zeit bringen viele Gläubige, nicht nur aus Winklarn, ihre Sorgen, Nöte und Bitten zum Heiligen. Sie spenden Kerzen und beten.
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