Wenn alte Gemäuer erzählen

Bürgermeisterin Sonja Meier (rechts) konnte viele Besucher im ehemaligen Tanzsaal des Thammer-Anwesens begrüßen. Ehrenbürger Hans Bock (Zweiter von rechts) erzählte viele Geschichten rund um das Haus und den Markt.
Lokales
Winklarn
14.09.2015
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Anlässlich des Denkmaltags öffnete am Sonntag auch das Thammer-Anwesen seine Pforten. Das Gebäude am Marktplatz 5 in Winklarn kann sonst nur von außen betrachtet werden. Unter dem Motto "Handwerk, Technik, Industrie" erhielt die Bevölkerung Einblick in die ehemalige Brauerei.

(mhö) Knarzende Treppenstufen, abgetretene Holzdielen und dieser bestimmte, leicht modrige Geruch - all das kennt man aus vielen alten Gebäuden, die nicht mehr genutzt werden und leerstehen. Doch diese Gemäuer geben noch Zeugnis von längst vergangenen Zeiten. Das ist auch eine der wichtigste Aufgaben, die Denkmäler haben. Am "Tag des offenen Denkmals" gab es heuer auch die Möglichkeit, die sonst geschlossenen Räume der ehemaligen Brauerei Thammer zu erkunden.

Problem Leerstand

Bürgermeisterin Sonja Meier begrüßte im früheren Tanzsaal des Hauses zahlreiche Interessierte. Dabei dankte sie auch ihren Stellvertreterinnen Monika Ermer und Maria Baumer sowie dem Bauhof-Team, mit deren Hilfe das Gebäude zum Denkmaltag geöffnet werden konnte. Der Raum, in dem früher rauschende Feste gefeiert wurden, würde nun ebenso wie die anderen Zimmer langsam baufällig - jedoch macht sich in dem imposanten Gebäude im Ortskern die Leerstandsoffensive dafür stark, dem Verfall entgegenzuwirken. Meier bedauerte, dass nahezu die Hälfte der Häuser am Marktplatz mittlerweile leer stehen. Ihr Wunsch ist es, das Thammer-Anwesen bald wieder "mit Leben zu erfüllen und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen."

Das denkmalgeschützte Haus, das mittlerweile im Eigentum des Marktes Winklarn ist, solle "Strahlkraft für den gesamten Raum der Leerstandsoffensive haben und auch Privatpersonen dazu animieren, weiter gegen den Leerstand zu arbeiten", so Meier. Anschließend übergab sie das Wort an den Ehrenbürger des Marktes, Hans Bock. Er gab den Besuchern Einblicke in die damalige Zeit und erzählte vom Leben in der Gemeinde. In den 50er und 60er Jahren waren im Thammer-Haus mehr als 20 Personen beheimatet. Dabei liefen eine Brauerei, ein Gasthaus mit Fremdenzimmern und der landwirtschaftliche Betrieb unter einem Dach zusammen.

Moderne Fremdenzimmer

Weil dort auch immer "etwas los war", habe sich das Gemäuer über die Jahre als Institution im Herzen des Marktes etabliert. Anhand zahlreicher alter Bilder und Postkarten von Hans und Alfred Schießl schilderte Hans Bock die Historie des Marktes und die Entwicklung des Hauses vom großen Brand im Jahre 1822 bis ins 21. Jahrhundert hinein. Vor allem ab den 50er Jahren erlebte die Brauerei mit Gasthof ihre Blütezeit. Tanzsaal, Theaterbühne, Bibliothek, ein Raum für Filmvorführungen: All das war sehr modern für damalige Verhältnisse - vor allem die Fremdenzimmer mit fließend Warm- und Kaltwasser.

Bocks Vortrag weckte vor allem bei der älteren Bevölkerung Erinnerungen an frühere Zeiten. Viele Besucher beteiligten sich mit Fragen und Kommentaren am Gespräch. Die Fotos zeigten deutlich den Wandel, den der Markt im 20. Jahrhundert durchlaufen hatte. Einige Bürger blickten zwar auch etwas wehmütig zurück, die Anekdoten, die Bock zum besten gab, lockerten die Stimmung allerdings wieder auf. Zum Schluss gab es noch eine Führung durch das Haus. Die zuvor gehörten Geschichten halfen dabei, das frühere Leben dort zu erahnen. Die Kinder konnten währenddessen in der ehemaligen Wirtsstube malen und basteln.
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