Kirchturm unter der Haube

Ganz schön schwer zu schleppen hatten Fahrzeug und Kran an dem Aufbau für den Turm der Pfarrkirche. Die sogenannte Laterne, die sich an die Kuppel anschließt, diente in frühen Epochen dazu, Tageslicht in den Raum zu lassen. Inzwischen hat sie rein dekorativen Charakter. Bilder: amö (3)
Vermischtes
Winklarn
03.04.2016
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Inzwischen ist die Form der neuen "Haube" auf der von Gerüsten umgebenen Kirche schon zu erahnen.

Für die Winklarner war es ein Jahrhundertereignis: Sie konnten zuschauen, wie ihr Wahrzeichen, der Turm der Pfarrkirche St. Andreas, eine neue, dekorative Kuppel samt Laterne erhielt - in einer besonders anspruchsvollen Konstruktion.

Bei der Bestandsaufnahme in der Kirche im vergangenen Jahr hatten Zimmerleute, Architekt, Statiker und Mitarbeiter des Denkmalamts enorme Schäden am Gebälk der Turmhaube festgestellt. Im Einvernehmen mit dem Denkmalamt wurde deshalb am 9. November die Kuppel mit Laterne abgehoben und in die Zimmerei Killermann gebracht. So konnten in den Wintermonaten unter Dach und auf sicherem Boden die Sanierungsarbeiten vorgenommen werden. Nicht mehr verwendbare, von Schädlingen befallene Holzteile mussten durch neue Konstruktionen ersetzt werden.

Nägel aus Holz


Die Sanierung erfolgte unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Anforderungen. So sollten beispielsweise Nägel aus Eichenholz verwendet werden, bestimmte Verzapfungen und Verplattungen waren. Großes handwerkliches Können war deshalb stets erforderlich. Insgesamt verbauten die Zimmerleute 10 Kubikmeter Altholz und 20 Kubikmeter neues Kantholz. Nur so konnte eine dauerhafte Qualität der Arbeit gesichert werden.

Die tragende Konstruktion der Kuppel konnte in der Halle fertiggestellt werden. Die Sparren wurden abgebunden, und die Kuppelschalung wurde vorbereitet. Montiert werden sollte das Ganze aber erst auf dem Turm. Auch die Einblechung erfolgt in schwindelnder Höhe. Die Holzkonstruktion der Laterne samt Kupferblech wurde komplett instandgesetzt und zusammengebaut.

Schließlich war es dann soweit, dass die reparierte Haube und die Laterne wieder auf den Turm gehoben werden konnten. Bevor man ans Werk ging, durften das Gebet und der Segen Gottes nicht fehlen. Dekan Alfons Kaufmann betete für ein unfallfreies Gelingen der Arbeiten und segnete die Zimmermänner. Unter der Anleitung und bester Vorplanungen der beiden Zimmerermeister Peter und Stephan Killermann begann dieser einmalige Transport. Ein riesiger 200-Tonnen-Kran mit einer maximalen Hubhöhe von 67 Meter beförderte die Holzkonstruktion äußerst genau auf das vorbereitete Gesims des Turms.

Über fünf Tonnen


Mit Staunen verfolgten die Zuschauer das Schweben der 5,5 Tonnen schweren Kuppel. Nach der Verankerung der Kuppelkonstruktion folgte auch schon das Heben der Laterne. Zielsicher wurden die Füße in die bereits verankerte Holzkonstruktion eingefädelt. Sämtliche Zuschauer, die diese einmaligen Arbeiten beobachteten, waren begeistert. Bei strahlendem Sonnenschein schwebten die beiden Konstruktionen auf ihren zukünftigen Standort zu.

Nach einer solch einmaligen Zimmermannsarbeit durfte eine Hebfeier oder ein Richtfest nicht fehlen. So versammelten sich die Zimmerleute, Pfarrer Eugen Wismeth, die Kirchenverwaltung, der Architekt Josef Schönberger, der Statiker Hans Wellnhofer und einige Interessierte auf dem Marktplatz vor der Kirche. Für Pfarrer Eugen Wismeth und Kirchenpflegerin Hildegard Lingl gab es natürlich die obligatorische Taufe beim Anhängen des Hebbaumes. Schnell ergoss sich ein Eimer Wasser auf die beiden.

Vorbildliche Arbeit


Zimmermeister Christian Pfannenstein, der die Sanierungsarbeiten dauerhaft begleitete und ausführte verkündete den Richtspruch nach alter Zimmermannsmanier. Im Anschluss an diesen traditionellen Brauch gab Architekt Josef Schönberger einen Rückblick auf die Baumaßnahme. Sein besonderer Dank galt den beiden Zimmerermeistern Peter und Stephan Killermann mit ihrem Team, die vorbildliche Arbeit leisteten.

Großes Lob verdiene dabei ihre fachliche Kompetenz und auch ihre besonnene und ruhige Arbeitsweise. Guten Gewissens will sie Architekt Schönberger für weitere denkmalpflegerische Baumaßnahmen empfehlen, da sie sich wirklich bestens bewährt hätten. Für die gute Zusammenarbeit bedankte sich der Architekt beim Statiker Hans Wellnhofer. Lobend erwähnte er auch die Firma Bittner aus Schönau, die qualifizierte Spenglerarbeit leistete und die Baufirma Duschner aus Nabburg, die die Maurerarbeiten ausführt. Eine Brotzeit und ein Umtrunk rundeten dieses nicht alltägliche Richtfest ab.
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