Neues Zentrum für Baukultur

Nach Besiegelung der geplanten Zusammenarbeit versammelten sich die Gäste aus Winklarn mit den Gastgebern zum Erinnerungsfoto an der Brunnenanlage des Klosters. Den Vertrag unterzeichneten Karel Ksandr, Generaldirektor des Technischen Nationalmuseums (Mitte links), Bürgermeisterin Sonja Meier aus Winklarn und Zdenek Hanzlícek, Bürgermeister der Stadt Plasy. Bilder: bej (2)
Vermischtes
Winklarn
21.10.2016
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Noch viel Arbeit wartet bei der Restaurierung der Klosteranlage in Plasy (deutsch: Plaß). Die Stadt gehört zum Bezirk Pilsen Nord.

Die Vorteile eines grenzübergreifenden Wissenstransfers haben die Gemeinde Winklarn und die tschechische Stadt Plasy im Blick. Beide Kommunen wollen Baudenkmäler beleben, was mit Hilfe eines Kooperationsvertrages gelingen soll. Alte Handwerkskunst spielt dabei eine zentrale Rolle.

/Plasy. Große Erwartungen setzen die Marktgemeinde Winklarn, die tschechische Stadt Plasy und das Technische Nationalmuseum Prag in eine grenzübergreifende Zusammenarbeit im Bereich Baukultur und Denkmalpflege. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde kürzlich mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung getan.

Dazu war eine Delegation aus Winklarn - bestehend aus Bürgermeisterin Sonja Meier, Stellvertreterin Maria Baumer, VG-Leiter Anton Brand und einigen Gemeinderäten - ins tschechische Plasy gereist (siehe Artikel unten). Städte und Dörfer besitzen oft viele historische Gebäude. Doch um diese Wahrzeichen erhalten zu können, um die Unverwechselbarkeit dieser regional-typischen Bauwerke retten und pflegen zu können, bedarf es großer Anstrengungen. Auch die Marktgemeinde Winklarn verfügt über eine Vielzahl von Denkmälern, seien es nun weltliche oder kirchliche Gebäude, Marterln, Gedenkstätten oder Figuren.

Arbeitsweisen erhalten


Sehr markant besticht unter diesen Aufzählungen das "Ensemble Marktplatz" (Hintergrund). Als Eigentümerin des Thammer-Anwesens hat nun die Gemeinde bereits viele intensive Überlegungen angestellt, um diesen weitläufigen Leerstand wieder mit Leben zu erfüllen. Andererseits zeigt die Arbeit mit Denkmälern, dass handwerkliches Wissen zunehmend verschwindet und wertvolle Erfahrungen, Techniken und Arbeitsweisen samt dem dazugehörigen Werkzeug verloren gehen. Die Konservierung alter Handwerkstechniken in Theorie und Praxis, die Dokumentation von Sanierungsmaßnahmen und die Weiterqualifikation im Bereich der alten Arbeitsweisen erscheint deshalb als unumgänglich, um die historischen Stätten instand setzen und erhalten zu können.

Die Errichtung eines "Zentrums für Baukultur und Denkmalpflege mit Schulungstandort Denkmalpflege" im hinteren Teil des Thammer-Anwesens kann im Hinblick auf das Ziel "Denkmalerhaltung" einen innovativen Schritt in die Zukunft bedeuten. Die Marktgemeinde knüpfte dafür bereits intensive Kontakte mit den tschechischen Nachbarn. Denn in der Stadt Plasy werden seit Jahren genau diese Ideen in die Tat umgesetzt, also Arbeiten nach alter Handwerkskunst, unverfälschte Vorgehensweisen und Einsatz von traditionellem Werkzeug. Genau das macht die böhmische Sanierungsarbeit aus, zudem finden sich hier noch zahlreiche alte handwerkliche Fähigkeiten.

Dauerausstellung


Außerdem besteht in Plasy eine Kooperation mit dem Technischen Nationalmuseum Prag. Die Stadt hat mit dem Kloster Plasy ein nationales Kulturdenkmal, und auf dem großen Areal hatte sich die Errichtung eines Zentrums für Architekturgeschichte - über den Träger Nationalmuseum Prag - regelrecht angeboten. Seit 2015 kann im renovierten Brauereigebäude die Dauerausstellung mit den Themen Bauelemente, Baumaterialien und Häuserbau besichtigt werden. Außerdem werden im Wirtschaftshof verschiedene Gewerbezweige repräsentiert, Werkstätten sind eingerichtet, es gibt Workshops und Kurse (Hintergrund).

Kloster Plasy - Ein nationales KulturdenkmalDie Anlage wurde 1146 als Stiftung an den Orden der Zisterzienser durch den Landesfürsten Vladislav II. gegründet. Erbaut wurde die Klosteranlage auf über 5000 Eichenpfählen in einem Moorgebiet. Im Jahr 1531 brannten die Hussiten einen Großteil nieder, die Anlage blieb aber als Kloster bestehen. Es folgten zahlreiche Aus- und Umbauten und eine langwierige Erneuerung im Barockstil bis zum Jahre 1740. Als "Perlen des Barocks" sind an dieser Stelle die freitragenden Treppen des Klosters zu erwähnen. 1785 erfolgte die Aufhebung des Klosters durch Kaiser Joseph II.; die Mönche mussten ihre Heimat verlassen. Ab 1826 gelangte es in den Besitz des österreichischen Kanzlers Wenzel von Metternich. Dessen Bautätigkeiten wirkten sich negativ auf die Architektur aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude konfisziert und parzelliert; das wertvolle Baudenkmal verfiel allmählich. Nach der Wende (1993) wurde mit Rettungsarbeiten begonnen, das Kloster erhielt ein neues Dach und die Gebäude werden nach und nach renoviert.

1995 wurde das Stift zum nationalen Kulturdenkmal erklärt. 2008 übernahm das Nationalmuseum für Technik einige Gebäude. Zwei Gebäude können bei einer Führung besichtigt werden. Die Rekonstruktion auf dem 1000 Quadratmeter großen Areal läuft seit 2015. (bej)
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