Schualmtsdirektor a.D. kennt sich aus mit Tricks beim Lernen
Rituale helfen speichern

Rektorin Christine Schneider dankte Josef Gruber für seine fundierten Hinweise, wie das Lernen besser klappen kann. Bild: amö
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Winklarn
07.11.2016
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Lernen ist eine komplexe Angelegenheit. Ob das Gehirn erfolgreich Wissen speichert, ist aber kein Zufall. Josef Gruber weiß aus seiner Zeit als Schulrat, wie es besser funktioniert.

"Wie erfolgreich lernen? Wie gelingt lernen?". Diese Fragen lockten viele Interessierte in die Schule. Eingeladen dazu hatten Schulleitung und Elternbeirat der Thomas-Aquinus-Rott-Grundschule Winklarn-Thanstein. Rektorin Christine Schneider konnte dazu als Referenten Schulamtsdirektor a. D. Josef Gruber präsentieren.

Ratschläge fürs Gehirn


Gruber berichtete zunächst von seiner Laufbahn. Auf seine Zeit als Lehrer in Burglengenfeld folgten 19 Jahre als Seminarrektor und 13 Jahre als Schulrat. Er untersuchte zunächst, was Lernen eigentlich bedeutet. "Lernen begleitet uns ein Leben lang, wir können uns dagegen nicht wehren", stellte er klar. Lernen sei besonders wichtig im Kindesalter, war er überzeugt und zitierte etwas abgewandelt ein altes Sprichwort: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nur sehr schwer." Lernen sei mehr als Aufnahme von Wissen, es könne sehr mühsam sein und ständiges Üben erfordern, beispielsweise beim Erlernen eines Instruments.

Der Referent machte deutlich, dass Lernen ist ein ganz individueller und persönlicher Vorgang ist, der allerdings nach einem Grundmuster erfolgt (siehe Kasten). Beim effektiven Lernen sei das Gehirn gar nicht so leicht zu beeinflussen, stellte der Pädagoge fest und hatte ein paar Ratschläge für positiven Einfluss parat. Dazu gehören seiner Ansicht nach körperliches Wohlbefinden mit gesunder Ernährung, Bewegung, frische Luft und ausreichend Schlaf und die geeignete Lernumgebung: ein fester Arbeitsplatz, gute Lichtverhältnisse, eine ausgeglichene Raumtemperatur und Ordnung.

Der Referent riet, die Arbeitsphasen zu ritualisieren, dazu gehörte die Berücksichtigung der Leistungskurve, die bei jedem anders ist. Außerdem seien ein fester Wochen- und Tagesplan, feste Lernzeiten und aktive Erholungsphasen sinnvoll, "denn Rituale geben Sicherheit". Bei fehlender Lernbereitschaft sei Motivation gefragt. Man solle sich Ziel und Bedeutung einer Sache klar machen, eine positive Erwartungshaltung aufbauen, Lob und Anerkennung schon bei Teilleistungen spenden und auch für außerschulische Leistungen loben. Zusätzlich könne motivierende Medien wie den Computer einsetzen.

Dabei bräuchten Kinder Herausforderungen, Ziele sollten erreichbar sein, aber auch gefordert werden, war Gruber überzeugt. Besonders wichtig sei der Aufbau eines gesunden Selbstvertrauens. Dies bestärke Erfolgserlebnisse und Wertschätzung, die nicht von Noten abhängig ist.

Beim erfolgreichen Lernen sei Konzentration nicht wegzudenken, Müdigkeit, Sauerstoffmangel, Sorgen, Ängste, Konflikte und fehlende Vorkenntnisse könnten ablenken, so der Schulrat, der drei Lerntypen unterschied, die jeweils über Hören, Sehen oder das "Hantieren" Wissen speichern, die jeweilige Stärke gelte es zu berücksichtigen.

Zum Schluss seiner Ausführung ging der Schulrat a.D. noch auf die Bedeutung der Hausaufgaben ein. Sie würden dazu dienen, den Lernstoff einüben, Selbständigkeit anzubahnen sowie Arbeitstugenden zu entwickeln und zu festigen. Bei Bedarf sei oft die Hilfe der Eltern sehr förderlich: "Gut gemachte Hausaufgaben bringen das Kind in einen Erfolgszyklus, der es in seiner Arbeitshaltung stärkt."

An einem Strang


Genauso könne aber auch ein Negativzyklus aufgebaut werden, gab der Fachmann zu bedenken und forderte eine wohlwollende Zusammenarbeit von Eltern, Schülern und Lehrern. "Es müssen alle an einem Strang ziehen", stellte er klar und warnte davor, die Schule schlecht zu machen: Diese negative Einstellung übertrage sich auf das Lernverhalten der Kinder. Rektorin Christine Schneider bedankte sich für die interessanten Anregungen. Gruber habe vielen aus der Seele gesprochen.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nur sehr schwer.Schulamtsdirektor a.D. Josef Gruber in Anlehnung an ein altes Sprichwort


Was im Gedächtnis bleibtBeim Thema Lernen ging Schulamtsdirektor a. D. Josef Gruber auch auf die Grundlagen ein und informierte über die Funktion des Gehirns: Die über die Sinne aufgenommenen Informationen werden im Gehirn verarbeitet und durch Sprache, Mimik oder Bewegung weitergegeben. Der Gehirnforscher Manfred Spitzer bezeichne das Gehirn als gigantisches Netzwerk, das aus 100 Milliarden Nervenzellen besteht, die über Synapsen verbunden sind. Die Informationen werden über Botenstoffe, elektrische Reize übertragen. Jede Zelle verfügt über einen Sender und eine Vielzahl von Empfängern, wobei Eiweißstoffe eine wichtige Rolle spielen. "Von den zehn Millionen Informationen die wir pro Sekunde erhalten werden nur zehn wahrgenommen und kommen in das Kurzzeitgedächtnis", informierte Gruber. Und lediglich eine Information werde gespeichert und komme ins Langzeitgedächtnis. Das Gehirn wiege durchschnittlich 1300 Gramm, verbrauche aber 20 Prozent der gesamten Körperenergie. Das Gehirn entscheide, was es bewusst will und dabei stützte sich auf frühere Lernprozesse und Erfahrungen, so der Fachmann. Abgespeichert werde meist nur Besonderes, wenig Alltägliches. (amö)
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