Schulpsychologe und Mittelschullehrer Sandro Stefinger referierte im Kindergarten St. Andreas
Wann ist mein Kind reif für die Schule?

Der "Hampelmann" ist eine wichtige Voraussetzung für kognitive Fähigkeiten. Referent Sandro Stefinger praktizierte diese Übung zusammen mit den Müttern. Bild: bej
Vermischtes
Winklarn
22.01.2016
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Eltern müssen sich für ihr Kind interessieren. Diese Aussage fiel nicht nur einmal beim Vortrag von Sandro Stefinger beim Elternabend im Kindergarten St. Andreas in Winklarn. Damit der Start in die Schulkarriere gelingt, gibt es einiges zu beachten.

Sandro Stefinger, Schulpsychologe und Mittelschullehrer referierte im Kindergarten St. Andreas über die Schulfähigkeit. Zunächst freute er sich über das Interesse der Mütter, die der Einladung gefolgt waren und die von Leiterin Daniela Schmidbauer zu diesem wichtigen Informationsabend begrüßt wurden.

Attest gewünscht


Beim Thema Einschulung ist der 30. September ein wichtiges Datum, denn Kinder, die bis zu diesem Datum das sechste Lebensjahr erreicht haben, sind schulpflichtig. Bei einem Antrag auf Zurückstellung entscheidet alleine der Schulleiter, so der Referent. Dabei wird die aktuelle Situation bewertet, die beantworten soll, ob das Kind die "erste Klasse sinnvoll verbringen kann." Stefinger betonte, dass ein Attest nicht unbedingt erforderlich ist, aber oft gewünscht wird. Weiterhin informierte er über die Diagnose- und Förderklasse, die für zurückgestellte Kinder mit Defiziten gedacht ist. Der Besuch erfolgt auf Antrag und nach ein oder zwei Jahren wird ganz normal in die Grundschule eingeschult. In jedem Fall sollten aber Gespräche zwischen Eltern, Erziehern und Lehrern stattfinden.

Auf einem Bein


"Was soll mein Kind können?", soll nicht als Gesetz gelten, sondern einen Leitfaden für die Schulneulinge darstellen. Stefinger schickte hier voraus, dass die Gehirnentwicklung auf jeden Fall durch Bewegung verursacht wird, also bestimmte Bewegungsabläufe kognitive Fähigkeiten erst ermöglichen. Als körperliche Voraussetzungen für die Schulfähigkeit nannte er das Treppensteigen mit Beinwechsel, Rückwärtsgehen, den einbeinigen Torschuss oder einen "Hampelmann" machen. "Wer nicht rückwärtsgehen kann, der kann auch nicht rechnen", veranschaulichte der Referent die Zusammenhänge. Die geforderte Feinmotorik zeigt sich am Benutzen von Messer und Gabel, dem Fädeln von Perlen auf eine Schnur, dem selbstständigen Anziehen und dem Verfolgen eines Fingers mit den Augen. In der Schule erwartet das Kind eine ganz andere Situation als im Kindergarten, es muss eine Rolle in der Gruppe finden. Dies ist zu Anfang nicht immer ganz einfach. Der Referent nannte diese Situation "Sozialstress".

Wer nicht rückwärtsgehen kann, der kann auch nicht rechnen!Sandro Stefinger erläutert die Voraussetzungen zur Einschulung

Von Eltern "abnabeln"


Voraussetzungen auf der sozial-emotionalen Ebene sind das problemlose Ablösen von den Eltern, der Bedürfnisaufschub (auf etwas warten können), Neugierde, die Beherrschung allgemeiner Regeln (Bitte, Danke, Händewaschen), und eine Konzentrationsfähigkeit länger als zehn Minuten.

Farben und Zahlen


Zu den kognitiven Voraussetzungen gehören die Farbenkenntnis, der Zahlenbegriff bis fünf, das korrekte Mengenverständnis, Merkfähigkeit oder auch das freie und flüssige Sprechen. "Bitte lassen Sie Augen und Ohren untersuchen, falls sich hier Defizite bemerkbar machen", forderte Stefinger die Anwesenden auf. Mit einfachen Übungen, gut erklärten Beispielen und kleinen Geschichten aus seinem Alltag verdeutlichte der Experte die trockene Theorie und lud abschließend zu Fragen ein.
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