Volkstrauertag in Winklarn und Muschenried
Unsicherheit und Angst

Bürgermeisterin Sonja Meier hielt die Ansprache am Kriegerdenkmal in Muschenried und Pfarrer Eugen Wismeth forderte zu "kleinen Schritten" auf, zu Gottesnähe und Gebet. Bild: bej
Vermischtes
Winklarn
16.11.2016
16
0

"Hier leben wir seit mehr als 70 Jahren in einem Land ohne Krieg. Ob die Gesellschaft wirklich in Frieden lebt? Wohl nur auf den ersten Blick." Kritisch hinterfragte Bürgermeisterin Sonja Meier beim Volkstrauertag in Winklarn und Muschenried (stellvertretend für Haag) die Situation im Land. Es gebe zwar keinen Kriegsschauplatz, aber dafür Gewalt in Familien, Schulhöfen und Straßen. Konkurrenzkampf, Mobbing, soziale Ausgrenzung und Argwohn gegenüber Menschen, die anders sind - nur einige der Schlagworte die in unserer Gesellschaft teilweise an der Tagesordnung stehen.

Die wichtigste Aufgabe des Volkstrauertags dient dem Gedenken an die Gefallenen beider Kriege und aller Opfer und Toten. Sonja Meier mahnte an "aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen. Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind." Sie zitierte einen Ausschnitt aus einem als Satire verfassten Schulaufsatz von Ludwig Thoma, der die Verherrlichung des Krieges zum Inhalt hat. Sie gedachte den zurückgebliebenen Frauen und Kindern, die viel Verantwortung und Arbeit übernehmen mussten. "Für Ehre und Ruhm - für Volk und Vaterland gefallen" - dies war sicherlich kein Trost für die Familie.

Pfarrer Eugen Wismeth beleuchtete in seiner Predigt die Zukunftsängste der Menschen. Pläne und Vorhaben - ob nun im engen privaten Kreis oder auf der großen Bühne der Politik - würden begleitet von Unsicherheit und Angst. "Wo bringt uns die zunehmende Mechanisierung hin? Welche Auswirkungen hat das Internet? Was passiert mit meiner ländlichen Heimat, wenn immer mehr Menschen in die Städte ziehen?" Mit diesen und vielen weiteren Fragen sähen wir uns tagtäglich konfrontiert. Hasspredigten, Isolation, Manipulation und auch unheilbringende Führer fänden oftmals Nährboden auf diesen Ängsten. Pfarrer Wismeth forderte zu "kleinen Schritten" auf, zu Gottesnähe und Gebet.

Unter den Klängen vom "Guten Kameraden", intoniert von der Blaskapelle Kunschir, die auch bereits den Kirchenzug in beiden Orten und die Gedenkfeiern am Mahnmal in Muschenried und an den Gedenktafeln am Winklarner Friedhof musikalisch begleitet hatte, legte Bürgermeisterin Sonja Meier jeweils einen Kranz als symbolisches Zeichen des Gedenkens nieder und dankte allen Mitwirkenden und Vereinen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.