Winklarner Senioren besuchen „Hinterglas-Verwandte“ in Raimundsreut
„Ruff“-Bilder im Museumsdorf

Der Bibelgarten bildete die dritte Station im Programm der Winklarner Gruppe. Hier bestachen vor allem die bunten, zwei Meter hohen Glastafeln. Bild: amö
Vermischtes
Winklarn
09.04.2016
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Der Seniorentreff und der Arbeitskreis "Hinterglas" unternahmen eine Zeitreise in die Vergangenheit. Erste Station im Bayerischen Wald war das kleine Hinterglas-Museum in Raimundsreut, wobei der Ort eine "verwandtschaftliche Beziehung" zu Winklarn hat.

Der 1807 in Winklarn geborene Hinterglasmaler Josef Wüstner heiratete die Tochter des Raimundsreuter Hinterglasmalers Peterhansl und zog auch in den Bayerischen Wald. Die Winklarner und Raimundsreuter Bilder unterscheiden sich wesentlich, wie Josefine Nußhart, Vorsitzende des Fördervereins erklärte.

Kaum signiert


Während die Winklarner viele Motive wie Heiligenbilder, Votivbilder und Kreuzwege mit großer Sorgfalt, Farbnuancen und reichen Verzierungen fertigen, waren die Hauptmotive der Raimundsreuter Heiligenbilder sowie Bilder aus dem Leben Jesu und Armenseelen-Taferln. Dabei variierten die Ausführungen, teils als reine Hinterglasbilder, mit eingeschliffenen Verzierungen (mit Blattgold oder Quecksilber hinterlegt) oder als Kartuschenbilder. Diese entstanden in Serienmalerei in den einzelnen Familien. In die Mitte malte der Meister, meistens der Vater das Heiligenbild. Die äußeren Verzierungen gestalteten die Kinder. Daher komme die unterschiedliche Malqualität auf einem Bild. Die Maler datierten oder signierten ganz selten ihre Werke, denn sie sahen sich nicht als Künstler, sondern als Handwerker. Die Bilder erkennt der Fachmann an den "Raimundsreuter Schnecken".

Josefine Nußhart berichtete von der großen Massenproduktion. Händler vertrieben die Bilder in ganz Nieder- und Oberbayern. Auch bei der Wallfahrt zur hl. Mutter Anna auf dem nahen Kreuzberg erwarben viele Pilger ihre Andachtsbilder oder die Taferln. So sollen bei einer großen dreitägigen Wallfahrt 30 000 Bilder verkauft worden sein.

Nach einer kurzen Panoramafahrt erreichten die Ausflügler das Museumsdorf Tittling. Bei der Führung fühlten sich alle in die Vergangenheit versetzt. Rosina Lang verstand es mit ihren Erklärungen ausgezeichnet, die Besucher in eine andere Welt zu versetzen. Bauernhäuser, eine Schule, Ställe und Scheunen, Backöfen, Kapellen und die Gerätschaften beeindruckten. Die älteren Teilnehmer kannten vielfach diese Arbeitsgeräte noch, aber für die Kinder war vieles Neuland. Das große Mühlengebäude beherbergt eine große Ausstellung sakraler Gegenstände. Unzählige Kruzifixe, Heiligenbilder, Wachsstöcke, Heiligenfiguren und Hinterglasbilder - sogar vier mit "Ruff-Signatur" - haben einen würdigen Platz in Vitrinen.

Moderne Glaskunst


Nach den Eindrücken aus der Vergangenheit stand noch moderne Glaskunst auf dem Programm und zwar der Bibelgarten in Kollnburg. Nach der Idee von Pfarrer Josef Renner entstand im Pfarrgarten unter der Burg Kollnburg eine Oase der Ruhe. 38 hohe Glastafeln mit biblischen Darstellungen und passenden Sprüchen laden die Besucher ein zur Ruhe zu kommen und Kraft zu tanken.

Glaskünstler der Firma Weinfurtner aus Arnbruck entwarfen und fertigten die bunten Tafeln. Die Pflege der Stationen übernehmen Familien.
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