07.07.2017 - 20:00 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Neuer Glanz in Goldener Gasse Historischer Meilenstein enthüllt

Das klingt bedeutend: Altenstadt hat jetzt einen "Meilenstein der Zeit". Bei der Enthüllung der Stele geht es international zu.

Bürgermeister Ernst Schicketanz (Fünfter von links) und Alfred Wolf vom Verein Via Carolina (Sechster von links) enthüllen mit den Ehrengästen in der Goldenen Gasse den Gedenkstein für Ritter Heinzig II. von Rabenstein. Die filigrane Steinmetzarbeit ist Teil eines bayerisch-böhmischen Kunstprojekts. Bild: cr
von Rainer ChristophProfil

(cr) Der "Meilenstein" steht mit einer Info-Tafel in der Goldenen Gasse an der Grundschule. Die Stele ist Heinzig II. Pflug zum Rabenstein gewidmet. Bürgermeister Ernst Schicketanz und Alfred Wolf, Vorsitzender des Vereins Via Carolina, enthüllten den Stein. Dazu sangen Kinder aus der Tschechischgemeinschaft der Grundschule.

Heinrich II. oder Heinzig Pflug zum Rabenstein war Stiftshauptmann zu Waldsassen, Pfleger zu Sulzbach, Pfleger von Neustadt/WN und Störnstein. Geboren um 1340, starb er 1401 und liegt in Königssaal (Zbraslav) bei Prag begraben. Seine Söhne und Enkel besaßen die Herrschaften Störnstein und Schwarzenburg bei Rötz bis 1519.

Krieg gegen Hussiten

Einer seiner Enkel war maßgeblich am Sieg gegen die Hussiten bei Hiltersried beteiligt. Nach 200 Jahren verkaufte die Familie den Besitz in der Oberpfalz und kehrte nach Böhmen zurück. Sie erwarben Besitzungen um Petschau (Becov) und Schlaggenwald. Mit dem Bergbau wurden sie sehr reich. Bedeutendster Vertreter dieser Zeitepoche war Kaspar Pflug, der Ständehauptmann Böhmens. Da er sich nach 1620 den reformierten Kräften anschloss, wurde die Familie von den Habsburgern bestraft und verarmte.

Der Platz für die Stele hat in der Goldenen Gasse, durch die der OWV- Wanderweg von Nürnberg in Richtung Bärnau führt, einen markanten Platz. Für die Initiative dankte Schicketanz dem Förderverein Goldene Straße, dem früheren Cheftouristiker des Landkreises, Reinhold Zapf, und Ortsheimatpfleger Jörg Krämer. Schicketanz freute sich über die Anwesenheit der Altbürgermeister Manfred Greiner und Georg Heigl sowie der beiden Rektorinnen der Schulen.

"Leuchtturmprojekt"

Alfred Wolf, Inititator des Geschichtsparks Bärnau-Tachau, nannte das grenzüberschreitende Aufstellen der von Künstlern gestalteten Steine entlang der Goldenen Straße ein "Leuchturmprojekt in der Region". Ziel sei es, die bayerische-böhmische Verbundenheit zum 650. Jubiläum der Goldenen Straße tiefer zu verankern. Dazu soll es einen Kulturführer mit der Präsentation aller 25 Stelen entlang der Strecke geben. Mit dessen Hilfe kann die 120 Kilometer lange Kunstmeile zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto erfahrbar gemacht werden. Das Pilotprojekt begann 2008 auf tschechischer Seite. Hier wurde an der Goldenen Straße in Pernolec hinter Tachau der erste Meilenstein gesetzt. Federführend und bis heute dabei ist der künstlerische Betreuer Jaroslav Sindelár. Mit seiner Frau Renata leitet er die bekannte Kunstschule Zámecek (Herrenhaus) in Pilsen.

Die Altenstädter Vorgaben hat Steinmetz Petr Cirl umgesetzt.
Ortsheimatpfleger Jörg Krämer erläuterte den Gästen Näheres, etwa dass das dort abgebildete Altenstädter Wappen erst 1959 amtlich wurde. Der Stein zeigt Heinzig als Ritter mit einem Topfenhelm, darunter wie eine Urkunde die Jahreszahl 1382, als er das Amt Störnstein übernahm zu dem auch Altenstadt gehörte. Ferner sind die Wappen der Rabensteiner und die der Lobkowitzer zu sehen, darunter eine schwarze Pflugschar aus dem Familienwappen der Pflug von Rabenstein. Den Pflug erklärte verschmitzt Altbürgermeister Manfred Greiner: "Den damaligen Gemeinderäten, die allesamt mit der Landwirtschaft verbunden waren, gefiel ganz einfach der Pflug und so geriet er einstimmig ins Wappen."

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