21.08.2014 - 00:00 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Die Geschichte der Bahn in Altenstadt begann vor 150 Jahren - Ein Blick zurück in die Historie Der erste Zug fährt pünktlich ein

Vor 150 Jahren war es soweit. Es war der 15. August 1864 um 7.15 Uhr, als der erste fahrplanmäßige Zug in Altenstadt an der Waldnaab einfuhr. Ein Festtag auch für Neustadt. Von diesem Tag an, musste der Betreuer der dortigen Kirchturmuhr sich nach der Zeit der Bahnhofsuhr richten.

von Rainer ChristophProfil

"Die Königlich Privilegierte Actiengesellschaft der bayerischen Ostbahnen (B.O.B.) hatte einen Teil der von ihr aufgrund königlicher Concession zu bauenden Strecke von Weiden nach Eger in Betrieb genommen". Das Herz des derzeit in München lebenden und in Altenstadt geborenen Gerhard Gröschl schlägt seit rund drei Jahrzehnten für das Thema "Eisenbahn." Ein Großteil seiner Recherchen findet sich in einem Artikel. Hinzu kommen Ergebnisse von Altenstädter Grundschülern, die sich 2001 mit dem Thema Bahn beschäftigten.

Nur bis Mitterteich

Zunächst war Mitterteich Endstation, bis ab 15. Oktober 1865 die Züge den ebenfalls von der B.O.B. erbauten Bahnhof Eger erreichten. Ab diesem Zeitpunkt hielten bereits luxuriöse Fernzüge "Courierzüge" genannt, am neuen Bahnhof. Somit waren Altenstadt und Neustadt im Norden über Eger und Leipzig mit Berlin und im Süden über Regensburg und München ab 1867 mit Bozen und Verona auf direkter Route verbunden.

Obwohl der 1863 erbaute Bahnhof sich auf dem Gemeindegebiet von Altenstadt befindet, führte er bis zuletzt die offizielle Bezeichnung "Neustadt/Waldnaab". Ausschlaggebend dafür war, dass wegen der Überschwemmungs-Auen der Waldnaab auf Neustädter Seite kein geeigneter Standort gefunden werden konnte, der vom Stadtzentrum aus entsprechend günstig zu erreichen war. Deshalb hat noch heute jeder der beiden Orte seine eigene "Bahnhofstraße".

Genaue Dienstordnung

In einer alten Anordnung heißt es: "In dem Hauptgebäude müssen die Dienst- und Wohnräume liegen. In den Nebengebäuden die öffentlichen Aborte, die Stallungen für Geflügel, Ziegen, Schweine und andere Haustiere". Eingeplant war auch ein Heu- und Futterraum, eine Holzlege und ein Arbeitsraum. In der Küche befand sich ein kleiner Kessel für die Reinigung der Wäsche und zur Zubereitung des Futters.

Größere Bahnhöfe enthielten ein Übernachtungszimmer für das Lokpersonal. Lohnunterschiede gab es bereits vor über 100 Jahren. So wurden die Eisenbahnbediensteten der B.O.B. besser bezahlt als ihre Kollegen bei der Staatseisenbahn. Letztere mussten zudem noch eine Eignungsprüfung durchlaufen. Gröschl hat sämtliche Besoldungsregulative der damaligen Zeit aus den Akten des Bayerischen Hauptstaatsarchives recherchiert. Die oft zitierte "Eisenbahnerkuh", Zeichen für die schlechte Bezahlung, ist hingegen Legende und betraf hauptsächlich die Bahnwärter und Wechselwärter bei Weichen. Ihre Aufgabe war es, die Übergänge und die Weichen zu bewachen und zu versorgen. Diese Aufgaben blieben dem Bahnhofspersonal erspart.

Nur Stückgut

Eine direkte Verbindung nach Hof über Wiesau wurde erst am 1. Juni 1882 geschaffen. Der Güterverkehr war in den Anfangsjahren der Eisenbahn auf Stückgut beschränkt und hatte damit noch nicht die Bedeutung, die ihm heute zukommt. Mit dem Anschluss an das Böhmische Braunkohlebecken kam über Eger ein dringend benötigter Energieträger ins Land. Als erstes wurden die Lokomotiven von der kostspieligen Torf- auf Kohlefeuerung umgestellt, was am Verschwinden ihrer birnenförmigen Kamine zu erkennen war.

Noch Postkutsche

Die Eisenbahn bedeutete jedoch noch nicht das Ende der Postkutschenzeit. Zur Ergänzung der Eisenbahnlinie verkehrten anfangs noch bis zu drei Mal täglich von Neustadt (Bahnhof) ausgehend pferdebespannte Omnibusse nach Tirschenreuth und Floß und zurück. Die Vorteile, die die Eisenbahn sowohl für Handel, Gewerbe und Industrie als auch für die Landwirtschaft mit sich brachte, waren aber nicht zu übersehen: Roh- und Hilfsstoffe konnten ebenso schnell und kostengünstig angeliefert werden wie die gewonnenen Erzeugnisse vermarktet werden konnten. Bald schon wurde der Wunsch nach einer Ausdehnung des Eisenbahnnetzes laut.

Mit dem "Bockl"

"Nach Verstaatlichung der B.O.B. im Jahre 1875 erbaute die nunmehr zuständige königlich bayerische Staatseisenbahn (K.Bay.Sts.B.) von Weiden aus 1886 eine Lokalbahn, die in Altenstadt eingleisig von der Hauptstrecke nach Vohenstrauß abzweigte, und später über Waidhaus (1900) bis nach Eslarn (1908) verlängert wurde; 1913 folgte eine Stichstrecke von Floß nach Flossenbürg. Mit dem legendären Bockl fuhren noch viele Erwerbstätige und auch Schüler jeden Morgen an ihren Arbeitsplatz in Weiden und am Abend wieder zurück, ehe der Personenverkehr auf dieser Nebenstrecke Ende Mai 1992 eingestellt wurde, der Güterverkehr 1995.

Der Bahnhof Neustadt wurde zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 aufgelöst. Seither übernehmen zwei Haltepunkte, der eine in Neustadt, der andere in Altenstadt die Funktion für den Personenverkehr.

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