06.09.2014 - 00:00 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Unvorstellbare Kriegseuphorie im Jahre 1914 - Hans Pöll das erste Opfer aus Altenstadt/WN "Menschen freuten sich darauf"

Wenn es auch keine Kampfhandlungen im Raum Altenstadt gab, so hinterließ der Erste Weltkrieg in der Gemeinde dennoch Spuren. Sichtbar sind sie auf einer ansprechend gestalten Ehrentafel in der alten Pfarrkirche aus dem Jahre 1920 .

von Rainer ChristophProfil

Der Burschenverein fertige zusätzlich eine Erinnerungstafel mit den Fotos und Daten von 15 Personen an. Diese ist derzeit im Museum zu sehen. Im September vor 100 Jahren kam der deutsche Vormarsch an der Marne zum Erliegen. An der Ostfront wurde die die russische 2. Armee in Schlachten bei Tannenberg Ende August fast vollständig zerschlagen. Wenig später unterlag in einer weiteren Schlacht an den Masurischen Seen um dem 10. September auch die erste russische Armee, die sich anschließend über die Grenze zurückzog. Damit war der russische Vorstoß gegen Ostpreußen gescheitert.

Kaum zu fassen

Auch der Altenstädter Lehrer und Heimatdichter Anton Wurzer erlebte diese Zeit. Ein Jahr nach seinem Eintritt in den Schuldienst als Lehrer kam am 1. August 1914 die Nachricht: "Deutschland hat Serbien und Russland den Krieg erklärt." Heute kaum noch zu fassen: "Die Menschen freuten sich auf den Krieg!" Es war eine seltsame Zeit, damals freuten sie die Menschen auf den Krieg. Auch Wurzer ließ sich davon anstecken und meldete sich im Oktober 1914 freiwillig als Soldat. Bald wurde er Offizier und kam in halb Europa herum. Seine Stationen: Flandern, Aras, Verdun, 1916 Rumänien, Schwarzer Meer, Bessarabien (heute zu Russland gehörend). Hier siedelten damals Deutsche aus Sachsen und Thüringen. 1917 musste er nach Westen: Frankreich und Belgien. Dort wurde er schwer verwundet und schließlich ausgemustert.

Ehrentafel in der Kirche

In der alten Pfarrkirche hängt eine Ehrentafel der gefallenen Soldaten aus Gemeinde. Kinder der Grundschule fanden heraus, dass 31 Männer zwischen 1915 und 1918 ihr Leben verloren, der jüngste von ihnen war erst 20 Jahre alt. 10 Männer stammen aus Meerbodenreuth, 5 aus Klobenreuth und 16 Männer aus Altenstadt (13 Gefallene, 3 Vermisste). Das erste Kriegsopfer aus Altenstadt war Hans Pöll, er fiel im Alter von 33 Jahren am 2. November 1914. Pöll diente in der sechsten bayerischen Reserve Division.

Am Morgen griff seine Division das Dorf Wytschaete in Flandern an und konnte nach heftiger Gegenwehr eindringen. Mit Hilfe der herbeigeführten 3. Infanterie-Division wurde das Dorf um 17 Uhr als eingenommen eingestuft. Diesen Moment hat Pöll jedoch nicht mehr erlebt.

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