24.04.2017 - 20:10 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Florian von Brunn will Entscheidung der Regierung zum Ostbayern-Ring prüfen lassen "Nicht ganz sauber"

Familie Götz ist von den Politikern in der Region enttäuscht. Sie hat sich in den vergangenen Monaten gegen die Tennet-Trasse für den Ostbayern-Ring durchs Sauerbachtal eingesetzt. Bisher vergeblich. Nun verspricht Florian von Brunn Hilfe.

Florian von Brunn, Sprecher der Bayern-SPD im Landtag, Gemeinderat Jürgen Füssel, Altenstadts Bürgermeister Ernst Schicketanz, Abgeordnete Annette Karl sowie die Wirtsleute Hans und Christine Götz (von links) sehen sich das Sauerbachtal an. Sie sorgen sie um die Schönheit der Natur. Bild: Schönberger
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Die Wirtsleute haben viel gegen die Trasse unternommen: 3000 Unterschriften gesammelt, Demos organisiert, viele Briefe an Bürgermeister, Landräte und Abgeordnete geschrieben. Bisher ohne Erfolg. Nun besuchten Annette Karl und Florian von Brunn (beide SPD) das Sauerbachtal.

Das 20 Hektar große Grundstück der Familie Götz südöstlich von Wendersreuth liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Christine und Hans Götz dürfen dort nur sehr vorsichtig mit dem Grund umgehen, müssen sich an viele Regeln halten. "Aber ein Strommast, der ist naturverträglich", schimpft die Wirtin. Die Regierung hat mehrere Vorschläge für den Verlauf des Ostbayern-Rings geprüft. Die Variante durchs Sauerbachtal bewertete sie als positiv. "Dass das Sauerbachtal zerstört wird, tut mir im Herzen weh", sagt sie. Um die Hütte, in der viele Wanderer einkehren, gehe es ihr dabei nicht, betont sie mehrmals. Familie Götz plädieren dafür, die Gleichstromtrasse an der alten, noch bestehenden Trasse entlang zu führen. Aber: "Es ist alles gelaufen, fürchte ich", meint die Wirtin. Resignation klingt mit.

Auch Karl ist der Erhalt der Landschaft in dem beliebten Naherholungsgebiet wichtig. Die Landtagsabgeordnete favorisiert im Fall einer Querung der Trasse von der Autobahn A93 Richtung Püllersreuth, südlich an Windischeschenbach vorbei. Das Problem dabei ist, dass die Bebauung zu nah an die Stromleitungen reichen könnte.

Persönliche Belange?

Christine Götz kritisiert auch angebliche persönliche Interessen einiger Politiker an einer bestimmten Trassenführung. Die Bürgermeister Karlheinz Budnik (Windischeschenbach) und Gerhard Keller (Kirchendemenreuth) sowie Landrat Andreas Meier seien Anlieger und hätten durch "geschickte Schachzüge" den Verlauf des Ostbayern-Rings beeinflusst. Meier sei zudem Chef der unteren Naturschutzbehörde. Der Naturschutz habe sich kaum für den Erhalt des Tals eingesetzt, so Christine Götz.

Die Wirtin wirft auch Altenstadts Bürgermeister Ernst Schicketanz vor, nicht genug gegen die Trasse durchs Sauerbachtal getan zu haben. Er entgegnet jedoch, Stellungnahmen zu den Plänen abgegeben zu haben. Der Altenstädter Gemeinderat Jürgen Füssel vermisst einen Aufschrei der Bevölkerung. Oftmals habe er das Gefühl, viele würden sagen: "Da kann man eh nichts mehr machen."

Von Brunn, umweltpolitischer Sprecher der Bayern-SPD-Landtagsfraktion, hört sich die Klagen, Vorwürfe und alternativen Ideen der Betroffenen und Politiker an. Dann verspricht er, eine Anfrage an das Umweltministerium zu stellen und von ganz oben prüfen zu lassen, ob die Regierung die richtige Entscheidung getroffen hat und ob Faktoren wie Naturschutz nicht auch hätten anders gewichtet werden können. Diesen Plan unterstützt Karl. Die Möglichkeit, die Trasse südlich von Windischeschenbach nach Westen zu führen sei ihr zu wenig geprüft worden. Die Minimallösung sei für die Abgeordnete, das Sauerbachtal zu überspannen.

Bei Windkraft spiele Naturschutz eine wichtige Rolle, bei der Trasse nicht. "Für mich klingt das nicht sauber", insbesondere wenn persönliche Belange vorlägen, sagt von Brunn zur Entscheidung der Regierung über favorisierte Strecken. Der SPD-Sprecher rechnet mit einer Antwort des Ministeriums in neun Wochen.

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