Landratsamt verfügt Räumung von Glasfabrik-Beyer-Gelände
Brandschutz nicht gewährleistet

Noch fahren die Firmenautos hier ein und aus, aber schon bald muss das Gelände der ehemaligen Bleiglasfabrik Beyer & Co. geräumt werden. Bild: sm

Das Landratsamt will den 38 Nutzern und Mietern der ehemaligen Glasfabrik Beyer & Co. die Nutzung untersagen und die Räumung anordnen. Hauptgrund dafür ist der fehlende Brandschutz: Eine zielgerichtete Brandbekämpfung und eine schnelle Menschenrettung sind auf dem Gelände nicht gewährleistet.

Die Behörde hat bereits am 12. Dezember ein Anhörungsschreiben an die 38 Mieter des Geländes geschickt. Den Nutzern beziehungsweise Mietern wurde darin mitgeteilt, dass das Landratsamt beabsichtigt, die Nutzung des gesamten Geländes und der Gebäude zu untersagen sowie die Räumung anzuordnen.

Gründe dafür sind laut Pressesprecherin Claudia Prößl, dass die Gemeinde Altenstadt/WN, das Landratsamt, die Freiwillige Feuerwehr Altenstadt/WN und der Fachberater für Brand- und Katastrophenschutz der Regierung der Oberpfalz bei Ortsbegehungen festgestellt haben: Auf dem Gelände der früheren Bleikristallfabrik bestehen gravierende Mängel hinsichtlich des Brandschutzes.

Enge Gassen, kaum Wasser

"Das Baurecht verlangt die Unterteilung ausgedehnter Gebäude in Brandabschnitte, um mittels Abschottungsprinzip den Übertritt von Feuer und Rauch auf benachbarte Gebäude oder Gebäudeteile zu verhindern. Durch die Anordnung von entsprechenden Abtrennungen soll ein Brand schon frühzeitig auf einen möglichst kleinen Raum begrenzt werden", erklärt Prößl. Das Problem: Im gesamten Gebäudekomplex gebe es keine wirksamen Brandabschnitte. "Vielmehr gibt es zahlreiche nicht oder nur unzureichend gesicherte Öffnungen und Leitungsdurchführungen, mangelnde oder fehlerhafte Anschlüsse im Decken- und Wandbereich", teilte die Pressesprecherin auf Anfrage mit.

Daher wäre es der Feuerwehr nicht möglich, das Feuer auf einen bestimmten Gebäudeteil zu beschränken. Außerdem sei die Löschwasserversorgung nicht geklärt, da Hydranten teils nicht aktiviert und auch nicht kurzfristig aktivierbar sind. Die mitunter engen Fahrgassen, fehlende Aufstellflächen und die nicht vorhandene Feuerwehrumfahrung erschwerten eine zielgerichtete und schnelle Menschenrettung sowie Brandbekämpfung zusätzlich.

Die Pressesprecherin sagt weiter: "Die Feuerwehr befürchtet daher, dass sie bei einem Brand weder in den südlichen Innenhof, noch in den hinteren Bereich des Geländes zur Bahnlinie hin vordringen kann. Aufgrund der örtlichen Situation sind wirksame Löschangriffe von Süden, Osten oder Westen kaum bis gar nicht möglich."

Reaktion bis 28. Dezember

Das Landratsamt will nun wie folgt vorgehen: Zuerst wird die Nutzung sämtlicher Räumlichkeiten auf dem Beyer-&-Co.-Gelände untersagt. Die Mieter müssen ihre Räume bis zum 13. Januar von sämtlichen Gegenständen räumen. Da auch Abfall eine Brandlast darstellt, muss auch dieser entfernt und ordnungsgemäß entsorgt werden.

Die Mieter haben bis 28. Dezember Zeit, der Behörde Bescheid zu geben, ob sie der Aufforderung freiwillig nachkommen und ihre Räumlichkeiten fristgemäß und vollständig selber räumen. "Ansonsten werden wir sie per Bescheid dazu verpflichten, die Nutzung unverzüglich aufzugeben und sämtliche Gegenstände (auch Abfälle) bis spätestens Freitag, den 20. Januar, zu entfernen", teilt Prößl mit. Sollten Mieter dem nicht nachkommen, wird das Landratsamt diese im Wege der Ersatzvornahme von einem beauftragten Unternehmen vornehmen lassen und die anfallenden Kosten den Mietern zwangsweise vollstrecken.

"Im Fall der Ersatzvornahme werden wir nur solche Gegenstände, die offensichtlich werthaltig sind, vorübergehend anderweitig für die Mieter (auf deren Kosten) einlagern. Allen anderen Sachen, die von den Mietern zurückgelassen werden, z. B. auch Autowracks oder Altreifen, werden als Abfall entsorgt." Der Vermieter des Geländes hat übrigens bisher noch nicht reagiert.

Kellerbrand offenbart schlechte BrandschutzsituationEin Schwelbrand im Keller eines Lagerraums vor mehreren Wochen war der Auslöser für das Verfahren, das nun 38 Nutzer und Mieter des ehemaligen Glasfabrikgeländes in Altenstadt/WN trifft. Der Brand offenbarte die ungenügende Brandschutzsituation. Also reagierte das Landratsamt: Es untersagt die weitere Nutzung des Geländes der ehemaligen Glasfabrik in Altenstadt/WN wegen ungenügend erfüllter Brandschutzrichtlinien.

Die einen Mieter nutzen die Fläche etwa als Lagerräume und bewahren dort Reifen, Autoteile, Papier, Seidenblumen, Kunstwerke, Kristall, Fenster und Abfälle auf. Andere bereiten dort Autos auf, handeln mit ihnen oder bieten Bau- und Hausmeisterdienstleistungen an, informiert Claudia Prößl, Sprecherin des Landratsamtes Neustadt.

Für die Nutzung als gewerbliche Lagerräume braucht es keine Gewerbeanmeldung, weiß Prößl. Die Nutzung als Lagerraum an sich sei in der Baugenehmigung für die ehemalige Bleikristallproduktion enthalten gewesen. Wird der Lagerraum also als solcher vermietet, bekommt das Landratsamt das nicht mit. "Soweit andere Nutzungen stattfinden, waren sie uns bis zur Einleitung dieses Verfahrens nicht bekannt und wären auch nicht genehmigt worden." Erste Rückfragen von betroffenen Mietern habe es beim Landratsamt bereits gegeben, weiß Prößl. Wird die Räumung demnach reibungslos über die Bühne gehen? "Das können wir nicht voraussehen." (mte)
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Ludwig Dierl aus Waidhaus | 31.12.2016 | 23:16  
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