08.09.2017 - 20:00 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Der Ziegler von Hammerharlesberg - im Mirakelbuch des Klosters St. Felix verewigt Wundersame Wundheilung

Neben dem Eisenhammer in Hammerharlesberg gab es in der Lobkowitzerzeit eine Ziegelhütte. Eine Amtsrechnung beweist, dass hier in zehn Öfen Mauer-, Pflaster- und Dachziegeln gebrannt wurden. Als Ziegler wird 1643 ein Thomas Ardung erwähnt

Die Geschichte des Zieglerhaus reicht bis in die Lobkowitzerzeit.
von Rainer ChristophProfil

Der Steuerbetrag betrug 1672 rund 104 Gulden. Ardung folgten über zehn weitere Besitzer. 1903 kaufte Landwirt Michael Scheidler von Harlesberg die Ziegelei mit sechs Tagwerk Lehmgrube. Die letzte Besitzerin war seine Tochter Maria, die verwitwet in München lebte. In den Folgejahren wurde der Betrieb abgebrochen. Nur noch das ehemalige Zieglerhaus verweist - eingewachsen und verwahrlost - als letzter Zeuge auf die Lobkowitzerzeit, in der rund 300 Jahre erfolgreich Ziegel hergestellt wurde. Die Neustädter und Altenstädter erhielten von den Landesherren jeden dritten Ziegel aus Hammerharlesberg kostenlos.

Ziegler stirbt 1819

1806/07 wurde die fürstliche Grafschaft bayerisch. Es gab auch Unglücke zu dieser Zeit. 1819 wird berichtet, dass eine Lehmgrube einstürzte und den dreißigjährigen Ziegler Johann Schweizer erschlug. In Vergessenheit geraten ist die Tatsache, dass vom Bahnhof Altenstadt aus noch bis in die 50er Jahre ein Schienenstrang nach Hammerharlesberg führte. Dort wurden Waren aller Art für die Hammermühle und die Ziegelei an- und abgeliefert. Heinz Schmidt, der heute das Wasserkraftwerk betreut und in Altenstadt geboren wurde, erinnert sich noch gut daran. Beim genauen Hinschauen im Herbst ist noch eine leichte Erhebung in den Naabauen zu erkennen, auf der die Schienen verliefen. Rund 100 Jahre nach der namentlichen Erwähnung des ersten Zieglers geht der junge Ziegler Johannes Mayerhöfer in die Geschichte des heutigen Klosters St. Felix ein. Über acht Monate war Johannes krank und konnte sich nur noch mühsam vorwärts bewegen. Keine Medizin schlug an, die Ärzte wussten nicht weiter. Eines Nachts träumt er, er würde bei einem Arzt in Neustadt nahe der Felixstatue arbeiten. Am Morgen quält er sich aus dem Bett, nimmt seine Krückstöcke und macht sich geschwächt auf den Weg zum Kloster.

Hölzerne Kapelle

Mühsam und mit letzter Kraft erreicht er auf Knien rutschend die Statue des Sankt Felix. Vor der hölzernen Figur nimmt Johannes seinen Rosenkranz und betet ihn bis zum Ende. Dann geschieht laut Legende ein Wunder. Am Ende seines Gebets steht er wie neugeboren auf. Sofort eilt er nach Neustadt in ein Wirtshaus, stärkt sich mit einer Brotzeit und Bier. Vor den Augen der Leute nimmt er die Pflaster an seinen Beinen ab und bekennt: "Der Sankt Felix ist mein Doktor gewesen."

Der Kapuzinerpater Corbinian schrieb diese Geschichte im Wunderbuch auf. Die Kapuziner kamen 1710 ins Kloster. Sie ernannten den Heiligen Felix von Cantalice zu ihrem Schutzpatron. Nach über 300 Gebetserhörungen setzten sich die Kapuziner 1729 für den Bau einer hölzernen Kapelle ein, aus der sich die heutige Kirche entwickelte. Bald genügte sie nicht mehr dem Ansturm der Gläubigen. So wurde 1735 gleichzeitig mit der Einweihung einer größeren steinernen Kapelle das erste Felix-Fest gefeiert.

Der Zustrom der Wallfahrer, die bis aus dem Böhmischen kamen, wurde immer stärker, so dass 1738 mit dem Bau einer noch größeren Kirche begonnen wurde.

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