Reaktionen auf die Trassenführung des Ostbayern-Rings
Sauer am Bach

Das wildromantische Sauerbachtal, das viele Wanderer schätzen, soll die Trasse des Ostbayern-Rings kreuzen. Hans Götz, Wirt der Sauerbachtal-Hütte, ärgert sich darüber. Bild: Gabi Schönberger
 

Im Januar will sich der Netzbetreiber Tennet auf die Route des Ostbayern-Rings festlegen. Das Unternehmen gab kürzlich bekannt, welche Trassenführung die Regierung positiv bewertete. Doch über das Ergebnis ärgern sich viele Anwohner.

Altenstadt. Die als raumverträglich bewertete Wechselstromtrasse kreuzt südöstlich von Wendersreuth das wildromantische Sauerbachtal. "Natürlich ist das nicht toll", sagt Hans Götz. Mit seiner Frau Christine betreibt er die Sauerbachtalhütte, in der Wanderer einkehren. Mit der Trassenführung durch das Tal "sind wir auf keinen Fall einverstanden", erklärt er. "Klar, die Leute sind nicht begeistert, unter einer Stromtrasse spazieren zu gehen". Für Weiden und Umgebung seien die Masten und Leitungen kein schöner Anblick und eine Umweltbelastung, findet der Wirt. Klar sei ihm auch, dass sich niemand über die Kabel freue. Seiner Meinung nach braucht es die Trasse sowieso nicht. Tennet hätte den Bedarf ermittelt, und nun dürfe dieselbe Firma bauen: "Wo gibt's denn so was?", wundert er sich.

Der Wirt ist vom Netzbetreiber enttäuscht: "Wir wissen immer noch nicht, wer betroffen ist." Götz gehöre auch ein Waldstück bei Klobenreuth. Dort sollen die Stromkabel ebenfalls in der Nähe vorbeiführen. Wo genau, weiß Götz noch nicht. Die Info-Veranstaltungen von Tennet würden lediglich dazu dienen, die Leute zu beruhigen. Aber: "Du weißt vorher so viel wie danach", meint er. Zur positiv bewerteten Variante sagt Altenstadts Bürgermeister Ernst Schicketanz: "Das ist die schlechteste für uns." Er bedauert, dass die Leitung jeder Streckenvariante das Naherholungsgebiet Sauerbachtal durchschneidet. Gegen die Trasse will er beim Planfeststellungsverfahren mit dem Gemeinderat Einspruch einlegen. Besser hätte er es gefunden, wenn der neue Ostbayern-Ring entlang der alten Stromleitung verlaufen wäre. Dann wäre das Sauerbachtal verschont geblieben.

Viele Grundstücksbesitzer ärgern sich darüber, dass die Trasse ihr Stück Land kreuzt. Nicht so Manfred Greiner. Der Altbürgermeister von Altenstadt sagt: "Jeder braucht Strom. Wenn wir Strom brauchen, müssen wir dafür eine Leistung erbringen." Er habe seinem Sohn ein Waldstück vermacht, durch das die Trasse führen könnte. Dieses Los nehmen die beiden gelassen an.

Verträglichste Variante

Landrat Andreas Meier erinnert daran, dass der Kreisausschuss forderte, die Trasse womöglich an die bestehende Infrastruktur wie beispielsweise die Autobahn zu legen. "Die Planfeststellung soll die beste und verträglichste Variante finden. Ich kann nicht fachlich beurteilen, wie der beste Verlauf sein wird", antwortet er auf die Frage, ob die Leitung unbedingt durchs Sauerbachtal führen müsse.

Ob er sich weiter wehrt, weiß der Wirt noch nicht. Die Ehefrau habe bereits gegen die Trasse demonstriert. Resignation klingt durch, wenn er sagt: "Die Frage ist: Was kann man überhaupt dagegen tun?" (Angemerkt und Seite 3)

Tennet informiertNach der landesplanerischen Beurteilung durch die Regierungen der Oberpfalz und Oberfrankens wird nun das Planfeststellungsverfahren vorbereitet. In diesem Zusammenhang bietet Tennet öffentliche Informationstermine zum Ostbayernring an. Das Projektteam stellt die landesplanerische Beurteilung sowie die nächsten Schritte in Planung und Genehmigung vor. Die Städte Weiden und Neustadt bleiben unberücksichtigt. Deshalb ermuntert OB Kurt Seggewiß die Bürger, die Infostände in Mitterteich (16. Januar, historisches Rathaus), Windischeschenbach (17. Januar, katholisches Pfarrheim) und Wernberg-Köblitz (18. Januar, Rathaus) zu besuchen. Dort sind sie jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr aufgebaut. Auskünfte dazu bei Ina-Isabelle Haffke, 0921/50740-4070.

Angemerkt: Schwarzer Peter

Simsen, kochen, arbeiten, umweltschonende Elektroautos fahren - kaum mehr etwas würde heute ohne Strom funktionieren. Das sieht jeder ein. Verständlich ist aber auch, dass kein Grundbesitzer und Anwohner die riesigen Masten und Kabelstränge vor der Nase haben möchte. Schon gar nicht, wenn die neue Leitung durch das eigene Anwesen führt.

Einerseits wollen die Gegner der Trasse des Ostbayern-Rings die Natur schützen. Andererseits braucht es laut Politik und Energieexperten diesen Netzausbau, um künftig auch umweltfreundlich gewonnenen, grünen Strom dorthin leiten zu können, wo er benötigt wird. Irgendwo müssen die Kabel laufen. Sich den Schwarzen Peter "Trasse" zuzuschieben, bringt nichts.

elisabeth.saller@oberpfalzmedien.de
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Hilde Lindner-Hausner aus Kohlberg | 08.01.2017 | 13:04  
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