22.11.2017 - 21:02 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Sonderausstellung im Museum Altenstadt/WN Geschichte der Schreibmaschine spannend präsentiert

Die Schreibmaschinen-Szene mit Jerry Lewis bleibt unvergessen, ebenso wie die berühmte Schreibmaschinen-Musik des Komponisten Leroy Anderson von 1950. Der ehemalige Lehrer Klaus Hundhammer blickt auf die Geschichte der Schreibmaschine zurück.

Mit großem Interesse begutachteten die Besucher die Vielfalt der Schreibmaschinen
von Rainer ChristophProfil

Als "Wunderwerke der Feinmechanik" bezeichnet sie Vorsitzender Alfons Barth bei der Vernissage im Museum. Rund 30 Teilnehmer waren zur Eröffnung der Ausstellung gekommen. Sein Dank galt dem Initiator, dessen Sammlung viele Jahre im Altenstädter Rathaus ruhte und mit dem Bau des Museums in dessen Archiv wanderte. Zusammen mit Werner Spiesmacher und Jörg Krämer wurde in kürzester Zeit alles aufgebaut.

Von den Besuchern haben alle irgendwann noch mit der Schreibmaschine geschrieben, Gedanken über deren Werdegang hatte sich jedoch niemand so richtig gemacht. Eine ganze Reihe besitzt noch ein Exemplar. Für die Familie von Bürgermeister Ernst Schickedanz ist die 80 Jahre alte Maschine nur noch ein Dekostück. Andere bewahren sie im Keller auf oder haben sie an die Mission weitergegeben, dort sind sie wegen der häufigen Stromausfälle noch willkommen.

In seinem kurzweiligen Vortrag, abgerundet mit Bildern, erläuterte Hundhammer die Geschichte der Schreibmaschine. In ihrer Spätform als Schreibautomat war sie ein Vorläufer des Computers, dessen Tastaturbelegung weitgehend der der Schreibmaschine entspricht. Viele vom Maschinenschreiben bekannte Funktionen wurden für die moderne Textverarbeitung übernommen.

Angefangen hat alles 1844 mit dem Südtiroler Zimmermann Peter Mitterhofer aus Partschins. Er fertigte vier Holzmodelle, die bereits Merkmale der modernen Schreibmaschinen aufwiesen. Nagelspitzen wurden für die Buchstaben verwendet, die Aufhänger waren aus Leder.

Bereits gut zu erkennen war ein Typenhebelkorb und ein mehrreihiges Tastenfeld, dazu eine Volltastatur mit 82 Tasten. Auch die Groß- und Kleinschreibung auf Papier auf einer Schreibwalze war gesichert. Mitterhofer gilt als Erfinder der Schreibmaschine. Die drei erhaltenen Exemplare stehen in Museen in Wien, Berlin und München.

Nicht lange dauerte es laut Hundhammer bis die industrielle Fertigung der Maschinen begann. In den einzelnen Ländern Europas wurden auf die Sprache abgestimmte vielfältige Exemplare entwickelt. Anfangs hatten die Maschinen noch acht Tastenreihen, je vier für Groß- und Kleinbuchstaben. 1902 erfolgte die Normung des Tastenfelds nach DIN, Umlaute gab es noch nicht. Mit der Metallfertigung entstanden wahre Schmuckstücke.

Um eine Zeile von links nach rechts zu schreiben, mussten sich Typen und Papier horizontal zueinander bewegen. Da gab es die klassischen Typenhebelmaschinen oder ein fest im Gehäuse gelagertes Schreibwerk mit Kugelkopf oder Typenrad. Ganze Generationen erinnern sich noch an die Mühen des Ausbesserns beim Verschreiben: Radierer, Tippex, besondere Korrekturbänder waren Hilfen. Bei Dokumenten wie Zeugnissen waren sie tabu, da hieß es: nochmals schreiben.

Ab 2003 wurde die Schreibmaschine aus dem Sortiment der Büromaschinen gestrichen, verdrängt durch den fast vollständig computergesteuerten Drucker. Mit Bildern alter Maschinen wurde der Vortrag abgerundet. Mit großem Interesse und vielen Fragen wanderten die Gäste in den ersten Stock und diskutierten eifrig die einzelnen Geräte.

Die Ausstellungsstücke können im ersten Stock des Museums bis Ende Januar besichtigt werden. Dabei gelten die Öffnungszeiten, jeweils Mittwoch 16 bis 18 Uhr und am Sonntag von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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