01.12.2017 - 12:06 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

"Forum IT-Logistik" in Altenstadt: Droht der Paket-Kollaps?

Der Online-Handel stellt die Logistik vor immer größere Herausforderungen. Ein Ende der Strukturveränderungen ist nicht abzusehen. Einzelheiten dazu waren beim "Forum IT-Logistik" in Altenstadt zu erfahren. Online-Händler, Logistikunternehmen und Softwarehersteller trafen sich dazu beim Unternehmen "Speed4Trade". In Vorträgen und Diskussionen wurde über die Herausforderungen für das Warentransport- und Verteilungssystem aus dem immer stärker wachsenden E-Handel gesprochen.

Beim "Forum IT-Logistik" sprechen (von links) Professor Marco Nierschl von der OTH Amberg-Weiden, Wolfgang Gropengießer von IGZ Ingenieurgesellschaft, Enrico Knobloch von "Rabe", Sandro Kurz von "Speed4Trade" und Dr. Georg Wittmann von "ibi research". Bild: Bühner
von Siegfried BühnerProfil

Die Dimensionen des Themas E-Commerce machte "Speed4Trade"-Geschäftsführer Sandro Kurz deutlich. Sein Unternehmen entwickelt Softwareprodukte für Online-Plattformen des elektronischen Handels. Weil immer mehr Ware elektronisch bestellt wird, seien bereits 2016 deutschlandweit fast drei Milliarden Pakete verschickt worden. Bis zum Jahre 2021 werde mit mehr als vier Milliarden Sendungen gerechnet. Kurz zitierte Pressemeldungen wonach "ein Paket-Kollaps droht".

Sein Unternehmen müsse sich auf die sich verändernden Marktbedingungen einstellen, sagte Kurz. Dazu zählt, dass Online-Händler immer seltener über eine eigene Lagerhaltung verfügen. Händler kauften und verkauften, ohne selbst mit der Ware in Kontakt zu kommen. Die Kunden erwarten termingerechte Lieferungen, "Treiber und entscheidender Wachstumsfaktor für den Online-Handel ist das Transportwesen." Allerdings gebe es derzeit in Deutschland 5000 unbesetzte Zusteller-Stellen. Marktführer der Logistikbranche sei Amazon mit einem Marktanteil von 52 Prozent.

Über die Bedeutung der "Retouren" im Online-Handel sprach Georg Wittmann vom Forschungsinstitut "ibi research" an der Universität Regensburg. "Retouren gehören zum Geschäftsumfeld", stellte er fest. Die Retourenquote streue branchenabhängig von 6 bis über 50 Prozent. Im Durchschnitt liege sie bei 16 Prozent. Im europäischen Ausland sei diese Quote deutlich niedriger. Zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung seien schon ausprobiert, wieder verworfen oder von der Rechtsprechung gestoppt worden. Die Zukunft liege in der künstlichen Intelligenz und der Individualisierung der Produkte. Beides soll die Retourenquote deutlich senken. Dazu zeigte Professor Marco Nierschl das Beispiel einer App, mit der Lippenstifte virtuell auf dem Handy ausprobiert werden können. Mit einer anderen kann der Kunde eines Möbelhauses die Möbel virtuell in seinen Wohnräumen platzieren.

Über innerbetriebliche Logistik sprach Wolfgang Gropengießer, Geschäftsführer von IGZ. 98 Prozent der deutschen Großunternehmen arbeiteten mit SAP-Systemen. Sie steuern alle Geschäftsprozesse "von der Lagerhaltung bis zum Versand", wie bei Conrad Elektronik mit 700 000 Artikeln und 100 000 Paketen pro Tag. Dass alternative Lösungen wie ein eigenes Logistikzentrum und Transportwesen funktionieren können, zeigte Enrico Knoblocch von der Rabe Fahrradhandel GmbH auf.

Das Forum IT-Logistik wurde veranstaltet von ITLOG, dem bayerischen IT-Logistikcluster in Kooperation mit "Das Plus der Oberpfalz" der "Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz DGO" sowie der IHK Regensburg, der OTH und "Speed4Trade".

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