14.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Dort stand der Täter und schoss aus einem Jagdgewehr Ein Schlagschatten an der Kellerwand

von Autor HWOProfil

Die rechtsmedizinische Sternstunde begann am Freitag kurz nach der Mittagszeit. Danach stand fest: Ein 39-jähriger Speditionsunternehmer aus Pfreimd (Kreis Schwandorf) hat sich weder selbst getötet, noch ist er einem Unfall zum Opfer gefallen. Er wurde umgebracht. Eiskalt und auf brutalste Weise. Der Mann hatte keine Chance. Der am Institut für Rechtsmedizin in Münster als Oberarzt und Experte für die Spurenauswertung arbeitende Dr. Bernd Karger hatte sich zusammen mit Kollegen aus München und Erlangen über Monate hinweg darum bemüht, mit Hilfe der am Tatort in Pfreimd gesicherten Anhaftungen ein komplettes Bild zu zeichnen.

"Spuren reden"

Karger sprach am Freitag vor dem Amberger Schwurgericht von so mancher Überraschung, die auf das Team wartete, und hob wörtlich hervor: "Spuren reden. Man muss sie nur verstehen." Was dann kam, nahm sich wie ein Keulenschlag für die reglos auf der Anklagebank sitzende Ehefrau des kurz vor seinem 40. Geburtstag gestorbenen Pfreimders aus. Dr. Bernd Karger schilderte in klaren und auch für Laien verständlichen Worten, wie man das Spurenbild in mühsamer Arbeit gleich einem Puzzle zusammensetzte. Das Ergebnis: "Es war eine zweite Person in diesem Kellerraum anwesend."
Dann kam eine völlig unerwartete Feststellung. Denn in dem mit unzähligen Blutspritzern übersäten Raum gab es einen sogenannten Schlagschatten. Dort waren keine Spuren zu finden. "Aber sie hätten da sein müssen", ließ der Rechtsmediziner erkennen und folgerte daraus: "Es stand jemand dicht vor der Wand." In diesem Zusammenhang nahm Dr. Karger erstmals den Namen der Beschuldigten in den Mund und ließ erkennen, dass die Körpergröße der Frau in etwa mit der Höhe des Schlagschattens übereinstimme. Hätte ein Unfall dazu führen können, dass der tödliche Schuss aus einer Bockbüchsflinte fiel? Das verneinte der bundesweit bekannte Experte aus Münster. Denn dann hätte sich zweifelsohne ein anderes Verletzungsmuster ergeben. Für Bernd Karger blieb nur eine Möglichkeit: "Der Schuss wurde von einer Person, die unmittelbar vor dem Mann stand, aus etwa 40 Zentimetern Entfernung abgefeuert." Eine andere Erklärung sei nicht möglich.

Der Mordprozess in Amberg setzt sich am Montag fort, er wird nach bisheriger Terminierung noch gut zwei Wochen dauern. Nach den jetzt vorliegenden Gutachten der Sachverständigen werden es die Verteidiger schwer haben, die angebliche Unschuld ihrer 35-jährige Mandatin zu beweisen. Allerdings könnte es gut sein, dass irgendwann noch der große Unbekannte ins Spiel kommt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Videos aus der Region

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.