16.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Kommunen, Verbände und Initiativen im Kampf gegen sterbende Innenstädte Die Lehre aus der Leere

Bayern und besonders die Oberpfalz sind schön, Innenstädte und Dorfkerne sind idyllisch. Die Welt ist in Ordnung. Abseits der Metropolen sieht es anders aus. Der demografische Wandel hinterlässt seine Spuren. Leerstehende Ladenzeilen in den Städten, geschlossene Bäckereien und Metzgereien auf den Dörfern sind ein sichtbares Zeugnis.

Die Schaufenster, verhängt oder abgeklebt, der Putz bröckelt. Im Zentrum der Städte und in den ländlichen Gemeinden schließen immer mehr Läden. Zurück bleiben gemauerte Zeugnisse des demografischen Wandels. Bild: Steinbacher
von Alexander Unger Kontakt Profil

Die Region stemmt sich gegen Abwanderung und Verödung - gemeinsam in Organisationen und Verbänden oder als Einzelinitiative. Ein Geheimrezept gegen Leerstände in den Innenstädten kennt Claudia Schild-Jancker, Geschäftsführerin beim Stadtmarketing in Weiden, nicht. "Man muss schon mal was anstoßen, damit sich was tut in der Innenstadt." Die in anderen Städten oft geführte Klage wegen fehlender Parkplätze in der Innenstadt teilt Schild-Jancker nicht. "Parkplätze würden das Flair zerstören."

Geschäft für ein paar Tage

Das sieht Emilie Leithäuser anders. Die stellvertretende Vorsitzende der Park- und Werbegemeinschaft (PWG) in Amberg sehnt sich förmlich nach Parkplätzen. "Wir haben über 50 Leerstände in und um die Fußgängerzone in der Innenstadt", betont Leithäuser. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Gewerbebau soll nun gemeinsam Abhilfe geschaffen werden. "Die Gewerbebau versucht, Leute und Läden in die Altstadt zu bekommen."

Die Designerin Marion Stiegler aus Ursensollen hatte die Idee, in Amberg einen Laden nur für wenige Tage zu mieten. "Ja, es war gut", zieht die 37-Jährige Bilanz. "Viele sind in den Pop-up-Laden gekommen, haben geschaut, gestaunt und manche auch gekauft. Viele Kurzzeit-Mieter nacheinander sind auch eine Dauerbelegung." Marion Stiegler ist so begeistert von der Idee und der Akzeptanz in Amberg, dass sie wieder etwas wagen will. Wo und wie? "Überraschung!"

Während sich in den kreisfreien Städten Stadtmarketingvereine und Einzelhändler zusammenschließen, um gemeinsam aktiv zu werden, bleibt diese Arbeit in den ländlichen Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften bei den Bürgermeistern hängen. Alois Böhm ist so einer. Voll berufstätig und Bürgermeister im Nebenamt in Altfalter (Kreis Schwandorf). In seiner Region haben sich die Kommunen in der "Leerstandsoffensive Brückenland Bayern-Böhmen" organisiert.

Die, wie sie Böhm beschreibt, "Oberpfälzer Mentalität", erarbeitete Werte nicht wegzugeben, hindere manchmal bei der Wiederbelebung. "Es frisst ja nix", sagt Böhm weiter, "warum soll ich also verkaufen, wenn der Erlös keine Rendite bringt?" Die Gemeinde Schwarzach mit ihren Siedlungsschwerpunkten Altfalter, Wölsendorf, Unteraubach und Weiding ist Böhms Ansicht nach noch nicht so gebeutelt von Abwanderung und Leerständen. "Hier ist es nicht so augenfällig, wenn etwas unbewohnt ist. Der große Druck ist noch nicht da." Mit Blick auf andere Regionen weiß Böhm allerdings genau: "Deren Entwicklung soll nicht nachgebildet werden. Es ist jetzt Handlungsbedarf vorhanden."

Internet und Laden

Breitband und Dorfladen lauten die "Mindestanforderungen" an die "neue Heimat" auf dem Land. Ersteres, um nicht von der Welt abgehängt zu sein und Letzteres, um nicht für jede Besorgung in die nächste Stadt fahren zu müssen. "Sonst heißt es", betont Böhm, "die Semmel kostet bei uns 4,10 Euro. 30 Cent die Semmel und 3,80 Euro die Fahrtkosten."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/leerstand

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