Zecken-Spezialist Dr. Gerhard Dobler forscht in der Oberpfalz - Nachholbedarf beim Impfen
Kriseneinsatz auf Knöchelhöhe

Dr. Gerhard Dobler (links) sucht ein weißes Tuch nach Zecken ab, nachdem er Gras und Gestrüpp damit abgestreift hat. Der Mikrobiologe hält in der Oberpfalz Ausschau nach den winzigen Tierchen, die das FSME-Virus übertragen. Rechts Dr. Thomas Holtmeier, der Leiter des Gesundheitsamtes in Neustadt/WN. Bild: Piehler

Für den Einsatz der Bundeswehr im Inneren gelten hohe Hürden. In diesem Fall reicht für einen Marschbefehl jedoch die Knöchelhöhe. Oberfeldarzt Dr. Gerhard Dobler hat den Zecken den Krieg erklärt. Die Frontlinien verlaufen mitten durch die Oberpfalz.

Eigentlich sind es nicht die winzigen Tierchen, die Dobler bekämpft, sondern die Viren und Bakterien, die sie auf den Menschen übertragen. "Wir haben in der Oberpfalz einige hartnäckige FSME-Virenherde identifiziert", erklärt der Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, der aus Wackersdorf (Kreis Schwandorf) stammt.

Wo genau die betroffenen Gebiete liegen, will der Wissenschaftler nicht verraten. "Dort laufen umfangreiche Forschungsarbeiten. Die sollen nicht gestört werden", erklärt er. Passanten würden gewarnt, die Grundstückseigentümer und der Bürgermeister informiert. "Meistens ist das Areal ja nicht größer als ein Fußballfeld."

Auf der Karte mit den Risikogebieten für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) des Robert-Koch-Instituts sind alle Oberpfälzer Landkreise tiefrot eingefärbt. Als Risikogebiet gilt ein Landkreis, wenn sich über einen Zeitraum von vier Jahren mehr als einer von 100 000 Einwohner mit dem FSME-Virus infiziert. Der Landkreis Schwandorf verzeichnete zwischen 2007 und 2011 rund 32 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, Amberg-Sulzbach 26, Neustadt/WN 9 und Tirschenreuth 5.

Weltweit unterwegs

An einem Virenherd im Kreis Schwandorf erforscht Dobler gerade, wie die FSME-Übertragung durch Zecken eingedämmt werden könnte, wenn man mit ökologischen Mitteln die Population von Rötel- und Waldmäusen reduziert. Doch er hat nicht nur die Oberpfalz im Visier. Vor wenigen Tagen sammelte er Zecken in Rumänien ein. Sein Institut forscht unter anderem in Tansania, der Mongolei und Russland. Dabei gilt sein Augenmerk auch den Bakterien aus der Gruppe der Borrelien, die die sogenannte Borreliose verursachen. Gegen sie ist eine Impfung nicht möglich.

Dobler spricht von einem "massiven Nachholbedarf" bei der FSME-Prävention. In Bayern sei etwa nur ein Drittel der Bevölkerung geimpft. "In Österreich liegt die Durchimpfung mittlerweile bei 85 Prozent. Damit ließ sich die Zahl der Erkrankungsfälle auf ein Zehntel des Ausgangswertes drücken." Die Impfung empfiehlt er jedem, der sich in der freien Natur aufhält - nicht nur Waldarbeitern oder Landwirten. "80 bis 90 Prozent der Menschen, die sich mit FSME infizierten, haben sich den Virus in der Freizeit eingefangen."

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Tipps zum Schutz vor FSME im Internet:

http://www.rki.de
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