Af Weihnachtn zou!
Ein helles Licht vor Weihnachten

Es geht "Af Weihnachtn zou" - im Stadttheater reihte sich deswegen das Bläserquartett der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit in das Programm mit ein. Bilder: Hartl (2)
 
Sprecher Reinhold Escherl begab sich nicht auf die Spuren der "Heiligen Nacht" des Ludwig Thoma. Er kam stattdessen zeitkritisch und mahnend daher. Besonders ging er auf die aktuellen Kriegs- und Krisengebiete ein.

Ist sie nicht wunderschön, diese in Bayern hochgehaltene Tradition des Innehaltens in den Tagen vor Weihnachten? Kein "Fest der 100 000 Lichter" kann ein Adventssingen ersetzen. In der 36. Auflage hat es am Sonntag im Stadttheater eineinhalb Stunden lang für eine notwendige Auszeit dieser für viele in Stress ausartenden Tage gesorgt.

Wir sehen in diesen Wochen vor dem 24. Dezember Häuser und Grundstücke, die sich ausnehmen, als ob demnächst der Cola-Truck samt Santa Claus und seinem "Ho, Ho, Ho" gleich einem Faschingszug vorbei käme. Uns dringen via TV die schrillen Klänge von Christmas-Partys ans Ohr, deren Protagonisten das nahende Weihnachtsfest in eine Orgie des Pop und Rock verwandeln. Doch es gibt, im wahrsten Sinne der Formulierung Gott sei Dank, ein paar Gelegenheiten, die zur Rarität werden. Weil sie Hektik ausblenden und den Leuten die Möglichkeit geben, ihre Gedanken zu ordnen.

Adventssingen im Stadttheater. Zwei mit schlichten Strohsternen behängte Nadelbäume, dahinter eine von der Dreifaltigkeits-Mittelschule angefertigte Dekoration. Schlicht, einfach und deswegen bemerkenswert. Die Bühne angefüllt mit Musikanten und Musikern. Manche im Dirndl und ledernem Gewand, die anderen im schwarzen Kleid und im Abendanzug mit Fliege am weißen Hemd. Sehr rasch wird deutlich: Vornehme Garderobe und Tracht ergänzen sich prächtig. Es kommt nur auf die sorgsame Auswahl an. Und die hat Kreisheimatpflegerin Martha Pruy getroffen.

Frieden auf der Welt

Vorn am Tisch brennt die Kerze als Symbol für ein Licht, das nahende Freude symbolisiert. Einer Freude, der Reinhold Escherl als Sprecher Ausdruck verleiht. Wohltuend dabei: Escherl begibt sich nicht, wie etliche andere in diesen Tagen, auf die Spuren der "Heiligen Nacht" des Ludwig Thoma. Er kommt zeitkritisch und mahnend daher, nimmt all die Unsäglichkeiten der Kriege ins Visier und mutmaßt ironisch: "Ganz ohne Waffen kann ma doch koan Fried'n schaffen." Doch er hat auch eine Botschaft: "Des Kind von Bethlehem, des kannt uns den Frieden geb'n." Danach erzählt Escherl, wie das war, als einer beim "Stille Nacht" in der Christmette die Lichter in der Kirche so ausschaltete, dass zum Schluss alles im Dunkeln lag und noch nicht einmal die Orgel funktionierte. Weihnachten mit einem erheiternden Aspekt? Aber ja! Die Ankunft dieses Kindes in Bethlehem war doch nicht im Mindesten traurig.

Für die Musik in einer dringend anzumahnenden Zeit der Einkehr und Besinnung bleibt viel Raum. Da sind die grandios singenden Stauber-Moidln aus Atzmannsricht, da gibt es auch die nicht minder brillant ins Rampenlicht tretenden jungen Damen und Herren des Vox-Aeterna-Chors. Alle aus der Schülerschaft des Max-Reger-Gymnasiums und damit eine Visitenkarte Ambergs.

90 Minuten lang und damit die Zuhörerschaft nicht überfordernd, gibt es Klänge, die man bis über die Festtage hinaus lange in Erinnerung behalten wird. Die harmonischen Männerstimmen der Kaltenbachsänger, die mit Flöte, Hackbrett und Gitarre perfekt aufeinander eingespielten Mitglieder der dreiköpfigen Lehyer Stubenmusik, das Bläserquartett aus der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit und das nicht minder professionell auftretende Holzbläsertrio des Nordbayerischen Musikbundes.

Bei einem Adventssingen ist, weil unvermeidlich, oft von Sternen die Rede. Stars aber im Sinne solcher, die besonders brillieren, gibt es eigentlich nicht. Doch sie blitzen trotzdem auf. Kinder aus der Freudenberger Bauernbühne. Eine geballte Ansammlung von Fröhlichkeit und unbekümmertem Dasein. Wie eine Nachwuchsmannschaft, die umtriebig das Feld beherrscht, Sympathien förmlich im Sturm erobert und dann einen Volltreffer landet.

Das Wesentliche

Die Buben und Mädchen unter der Leitung von Barbara Söllner laufen zum Krippenspiel ein. Ohne Stall, ohne Stern von Bethlehem, unter Ausklammerung allen mystischen Geschehens. Einfach nur als Hirten an die Krippe gekommen und voller Zuversicht und Vertrauen, dass dieser kleine Mensch auf Heu und Stroh fortan alles richten wird. Ein Glanzlicht, das viel heller strahlt als noch so bunte Lichterketten, die man uns in diesen Tagen zum Zeichen des plärrenden, lauten und kassenfüllenden Weihnachtsfestes präsentiert.

"Af Weihnachtn zou!" war das Motto. Ganz zum Schluss ein gemeinsames "Es wird scho glei dumpa." Über Amberg hat sich längst die Dunkelheit gelegt. Hinaus in die Nacht und beschenkt mit einem Konzert, das den Gabentisch bereichern wird.
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