18.12.2017 - 06:00 Uhr
Oberpfalz

AZ-Adventskalender, Türchen Nr. 18 Eine Schwemm ganz ohne Bier

Natürlich weiß ein echter Amberger, was eine Schwemm ist. Vor allem, wenn er gern einmal auswärts eine Halbe Bier trinkt. Aber in diesem Fall geht es nicht um eine Schankwirtschaft. Sondern um Pferde.

Die Gasse An der Schwemm endet in einem kleinen Innenhof. Früher führte sie direkt an die Vils. Bilder: Hartl (2)
von Heike Unger Kontakt Profil

In die Alstadt-Gasse An der Schwemm führt Hobby-Heimatforscher Gerhard Kotzbauer heute die Leser im AZ-Adventskalender. "Auch wenn Amberg von jeher eine gewisse Bedeutung als Bierstadt hat, die sich in einer nicht unbedeutenden Zahl von Brauereien und Gasthäusern widerspiegelt, hat diese Straßenbezeichnung nichts mit dem bayerischen Ausdruck ,Schwemm' zu tun", erklärt er: Die Schwemm stehe tatsächlich meist umgangssprachlich für eine Schankwirtschaft mit einfacher Einrichtung oder für eine Stehbierhalle. Doch "als der Straßenname 1925 im Zuge der großen Umbenennung in der Altstadt eingeführt wurde, lautete die Begründung dafür, dass diese Gasse zur ehemaligen Pferdeschwemme in der Vils führte".

Die Streckenführung hat sich durch die Altstadtsanierung im Gebiet zwischen Lederersteg und Mühlhof Anfang der 1970er-Jahre geändert. Früher sei die Sackgasse in gerader Linienführung direkt an der Vils geendet, heute gehe sie von der Löffelgasse kommend links in eine Art Innenhof über, den die Häuser mit den Nummern 1 und 2 bilden - die einzigen Gebäude mit der Anschrift An der Schwemm.

Während der Amberger bei der Schwemm gern ans Bier denkt, bezeichnet der Duden eine Schwemme als "flache Stelle am Ufer eines Flusses, Teichs (...), an der besonders Pferde und Schafe zum Zweck der Säuberung oder der Abkühlung bei großer Hitze ins Wasser getrieben werden".

Kotzbauer hält es für "durchaus denkbar, dass Bewohner im Umfeld dieses Vilsabschnitts diesen in früherer Zeit auch als Bad und Tränke für Haus- und Nutztiere genutzt haben".

Gewinnspiel

Der AZ-Adventskalender präsentiert jeden Tag bis Heiligabend Fotos und Informationen zu einem Straßennamen in der Altstadt - und enthält auch jeweils ein Geschenkpäckchen. Wer Nummer 18 gewinnen will, ist aufgerufen, heute An der Schwemm ein Selfie zu machen (Veröffentlichung im Internet möglich): Auf dem Foto sollten neben dem Einsender auch eine Gestalt zu sehen sein, die Herz zeigt. Wer sein Glück versuchen will, mailt sein Foto mit Namen, Adresse und Telefonnummer (wird nicht veröffentlicht) noch am Montag, 18. Dezember, bis 20 Uhr an die Redaktion (verlosung-az[at]oberpfalzmedien[dot]de). Alle Einsender nehmen an einer Verlosung teil, bei der es täglich eine Überraschung zu ergattern gibt (Rechtsweg ausgeschlossen).

"Roßdümpfl"

Amberg wurde 1714 Garnisonsstadt für die kurbayerischen Truppen, erklärt Gerhard Kotzbauer. 1716 wurde nahe der Schwemme eine Kaserne errichtet, in der auch Kavallerie stationiert war. So sei es denkbar, dass die Soldaten damals ihre Pferde zur Schwemm geführt haben. Chronist Anton Dollacker erwähne als volkstümlichen Namen der Schwemm auch den Begriff "Roßdümpfl". Laut Kotzbauer ist dies aber ein wenig widersprüchlich, weil in Schmellers bayerischem Wörterbuch das Dümpfel als "besonders tiefe Stelle in fließendem oder auch in stehendem Wasser" aufgeführt ist - also eigentlich genau das Gegenteil der "seichten" Duden-Erklärung. "Aber so ist es eben manchmal mit dem Volksmund", meint Kotzbauer: "Er folgt nicht unbedingt immer sprachwissenschaftlicher Logik."

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