19.12.2017 - 06:00 Uhr
Oberpfalz

AZ-Adventskalender, Türchen Nr. 19 Die Münzstätte als Schmeisplatz

Chronist Johann Kaspar von Wiltmaister spricht vom Schmeisplatz. "Es gab aber auch noch derbere Ausdrücke", die Hobby-Heimatforscher Gerhard Kotzbauer "wirklich in einem amtlichen Schreiben" entdeckt hat. Geld stinkt ja bekanntlich nicht. Aber das Münzgäßchen hatte dennoch auch eine anrüchige Seite.

Im Münzgäßchen hat AZ-Fotografin Petra Hartl den Blick nach oben gerichtet. Bild: Hartl
von Heike Unger Kontakt Profil

Hier stand einst nicht nur eine Münzstätte, sondern auch eine Art öffentliche Toilettenanlage. Mit dem, was man heute darunter versteht, hatte diese freilich nichts zu tun. Kotzbauer spricht in diesem Zusammenhang vielmehr von einer Art Donnerbalken.

Bei seinen Nachforschungen zu den Namen der Altstadt-Straßen hat Kotzbauer festgestellt, dass auch das Münzgäßchen viele Vorgänger-Bezeichnungen hatte: "Die erste nachweisbare urkundliche Erwähnung datiert aus 1552 unter dem Namen Sporergäßchen." Nach Chronist Anton Dollacker hatte hier der Sporer sein Haus - er fertigte Sporen, Steigbügel und Striegel.

Dollacker bringe auch das Hadergäßchen mit dem Münzgäßchen in Verbindung, ebenso das Osterlöchl als Vorgänger-Namen. 1754 gebe es eine urkundliche Erwähnung als "Naglergasse", 1774 eine als "Nagelschmidgäßl". Der Nagelschmied hatte hier sein Haus (heute Münzgäßchen 3). Dieser Handwerker stellte Eisennägel her. "Nachdem 1762 das Münzgebäude errichtet worden war, erscheint in der Steuerbeschreibung von 1774" erstmals ein Name, der dem heutigen ziemlich nahe kommt: Münzgässl. Gerhard Kotzbauer knüpft noch eine Verbindung in die Gegenwart, mit der Diskussion um die Zukunft jenes Teils der Stadt, in dem die Münze stand (heute Bereich Forum). "Es ist ein persönlicher Wunsch von mir, dass aus baulichen Sünden oder Fehlern der Vergangenheit die richtigen Lehren gezogen werden: Die früheren Räte wollten mal das Ziegeltor abreißen. Dann haben sie ihnen aber auf die Finger gehauen" - die Denkmalbehörde sei eingeschritten.

Gewinnspiel

Der AZ-Adventskalender enthält jeden Tag im Dezember bis Heiligabend neben Fotos und Informationen zu einem Amberger Altstadt-Straßennamen auch ein Geschenkpäckchen. Wer Nummer 19 gewinnen will, ist aufgerufen, heute das Münzgäßchen zu besuchen und dort ein Selfie zu machen (Veröffentlichung im Internet möglich): Auf dem Foto sollten neben dem Einsender auch eine Einrichtung zu sehen sein, an der man normalerweise sein Geld nicht sehr gern los wird - hier aber vielleicht schon. Wer sein Glück versuchen will, mailt sein Foto mit Namen, Adresse und Telefonnummer (wird nicht veröffentlicht) noch am Dienstag, 19. Dezember, bis 20 Uhr an die Redaktion (verlosung-az[at]oberpfalzmedien[dot]de). Alle Einsender nehmen an einer Verlosung teil, bei der es täglich eine Überraschung zu ergattern gibt (Rechtsweg ausgeschlossen).

Ein "mehrmal verunglücktes Projekt"

Die Existenz von Münzstätten war laut Gerhard Kotzbauer einst "ein Gradmesser für die Bedeutung von früh- und hochmittelalterlichen Handelsplätzen". Laut Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger "wurde im Jahr 1274 erstmals eine Münzstätte erwähnt. In ihr wurden bis 1626 Münzen geprägt, bis der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde". Den Standort der Münze beschrieb der verstorbene Stadtheimatpfleger Otto Schmidt als "bei der ehemaligen Schleifmühle am Netzersteg direkt an der Vils".

In seinem Buch über die Amberger Altstadt-Straßen schreibt Gerhard Kotzbauer, die Münzstätte habe 1762 einen neuen Anfang unter Kurfürst Max III. Joseph genommen. "Verschiedene Häuser waren zur Errichtung einer neuen Münzstätte, die 1763 ihren Betrieb aufnahm, angekauft und abgebrochen worden." Kotzbauer verweist auf den Chronisten Felix Joseph Lipowsky. Dieser berichte, Anlass für den Bau der neuen Münzstätte sei es gewesen, "ein altes Recht dieser Stadt nicht schwinden zu lassen." Die Münze sei jedoch vom Kurfürsten Karl Theodor nicht zu halten gewesen. Zudem habe es an Metall gemangelt.

"Gewohnt kritisch" äußere sich Felix von Löwenthal in seiner "Geschichte vom Ursprung der Stadt Amberg": "Eben so hat auch der Versuch des Kurfürsten Max Joseph mit feiner Münze mißlungen. Man baute eine so prächtige Münzstatt in Amberg, die jeder in Deutschland trozen konnte. Was die Bürgerschaft hie und da in dem Gewerbe gewonnen hatte, wurde von der Holztheuerung, die die Münze veranlaßte, wiederum verschlungen. Der Landesfürst selbst hat von feinen hundert Tausenden der Ausgaben des Minimum am Zinse erhalten, und endlich das Münzen aufgegeben. Das Gebäude dient also zur Schaue und zum Dokument eines mehrmal verunglückten Projekts." Nachdem die Münze 1794 geschlossen worden war, zog hier 1801 die Gewehrfabrik ein.

Anrüchig

Heute werden solche Ausdrücke nicht mehr so unbefangen verwendet wie damals, als sie sogar in amtlichen Schreiben auftauchten. Damit sind sie auch ein Stück Stadtgeschichte - und verweisen zum Beispiel auf die "anrüchige Vergangenheit" des Münzgäßchens, wie Gerhard Kotzbauer mit einem Augenzwinkern anmerkt.Beim Chronisten Anton Dollacker ist er auf einen Hinweis gestoßen, wonach "beim Scheißplatz ein langes Stück des Beschlachtes des Spitalgrabens zwischen dem Hirschenwirt (Untere Nabburger Straße) und dem Brückl (Münzgäßchen/Untere Nabburger Straße) auf Kosten der Stadt wieder in Stand gesetzt werden soll". Auch Wiltmaister erwähne 1783 einen öffentlichen Brunnen "auf dem Schmeisplatz hinter der Münz".

Bei seinen Erläuterungen zum "Osterlöchl" führe Dollacker aus: "Diese Gasse war ursprünglich an ihrem Ende (obere Nabburger Straße) durch ein 1794 abgebrochenes Haus gänzlich verbaut und so eine nur von der unteren Nabburgergasse her zugängliche Sackgasse, die jedenfalls nach Einbruch der Dunkelheit als öffentlicher Abort benutzt zu werden pflegte." Deshalb nenne Wiltmaister diese Ecke auch "Schmeiswinkel".

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