19.12.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

AZ-Adventskalender, Türchen Nr. 20 Hier ist eine Steuer verewigt

Mit der Zehentgasse ist in Amberg eine Abgabe verewigt: "Der Begriff Zehent bezeichnet eine etwa zehnprozentige traditionelle Steuer in Form von Naturalien", erklärt Hobby-Heimatforscher Gerhard Kotzbauer.

Ihren Namen hat die Zehentgasse vom Zehentstadel: Auf ihn führt das Sträßchen direkt zu. Bilder: Hartl (2)
von Heike Unger Kontakt Profil

Diese Abgaben mussten an eine religiöse oder eine weltliche Institution entrichtet werden, berichtet Kotzbauer. Als "Zehendgasse" führt Joseph von Destouches das Sträßchen 1805 auf; an anderer Stelle nennt er es auch "Zehendgäßchen". Nach seiner Beschreibung umfasste dieses damals nur den heute nördlichen Teil bis zur Neustift. Im Urkatasterblatt und im Ortsblatt von 1835 sei mit Zehentgasse/Zehendgaß nur der Abschnitt zwischen Georgenstraße und Oberer Neustift gemeint, berichtet Kotzbauer: "Der heutige südliche Teil der Zehentgasse war damals als Proviantgasse bezeichnet."

Im Jahr 1925 sei bei der großen Umbenennungs-Aktion der Amberger Straßen die Zehentgasse um den südlichen Teil verlängert worden. Danach reichte sie von der Georgen- bis zur Ringstraße. Damit sei auch der damalige schmale Durchgang durch den Gebäudekomplex direkt an der Stadtmauer zum Kaiser-Wilhelm-Ring einbezogen worden.

Ihren Namen hat die Gasse nach Anton Dollacker vom Zehentstadel, auf den sie zuführt. Den verwechselten manche Amberger mit jenem Bau, den Wiltmaister als "Churfürstlichen Hofkeller" und Destouches als "Getreidkasten und Schmalzkeller" aufführen: Heute heißt er Schmalzstadel. "Der tatsächliche Zehentstadel ist aufgrund der Lagebeschreibung von Destouches jedoch das heutige Haus Nr. 49 in der Neustift", sagt Kotzbauer. Der Stadel befinde sich "in einem Hinterhof, der durch einen Durchgang im Gebäudekomplex Nr. 49 und 51 Neustift betreten werden kann. An der nördlichen Hausfront befindet sich ein Wappenstein mit Inschrift von 1563.

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Der AZ-Adventskalender im Internet:

www.onetz.de/az-adventskalender-2017

Gewinnspiel

Ein Türchen des AZ-Adventskalenders öffnet sich an jedem Tag im Dezember bis Heiligabend. Neben Fotos und Informationen zu einer Amberger Altstadt-Straße enthält er jeden Tag auch ein schönes Geschenkpäckchen. Wer Nummer 20 gewinnen will, ist aufgerufen, am Mittwoch, 20. Dezember, die Zehentgasse zu besuchen und dort ein Selfie zu machen (Veröffentlichung im Internet möglich): Auf dem Foto sollte neben dem Einsender auch ein Schriftzug zu sehen sein, der Appetit auf Sommer macht.

Wer sein Glück versuchen will, mailt sein Foto mit Namen, Adresse und Telefonnummer (wird nicht veröffentlicht) noch am Mittwoch, 20. Dezember, bis 20 Uhr an die Redaktion (verlosung-az[at]oberpfalzmedien[dot]de). Alle Einsender nehmen an einer Verlosung teil, bei der es täglich ein Überraschungspäckchen zu ergattern gibt (Rechtsweg ausgeschlossen). (eik)

Der Zehentstadel

In seinem Buch über die Amberger Altstadt-Straßen schreibt Gerhard Kotzbauer: "Die Geschichte des Zehentstadels in Amberg ist verbunden mit der Auflösung des in älterer Zeit in Hiltersdorf bestehenden Zehentstadels, der zu einem lands-herrlichen Hofgut gehörte."

Weil hier Renovierungsaufwand erforderlich geworden sei, "wurde dieses Hofgut 1615 vererbrecht und das Gebäude in Amberg als Ersatz für den Zehentstadel erworben". Kotzbauer zitiert hier Destouches: "Im Jahre 1732 wurde ein neues Stockwerk vorwärts angebaut, auch eine Stube und zwey gefängnisse in demselben hergestellt, und im Jahre 1753 der alte Zehentsadel ausgebessert und ihm die damalige Gestalt gegeben. In diesem Stadel wird das landesfürstliche Zehendgetreid aufbewahrt und ausgedroschen."

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