21.12.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

AZ-Adventskalender, Türchen Nr. 22 Einzigartig in der Amberger Altstadt

Es ist die einzige Straße in der Altstadt, die eine Person würdigt. Allerdings kennen die wenigsten Amberger den Namensgeber, noch wissen sie, wo "seine" Straße liegt. Eigentlich ist es heute auch gar keine mehr - aus der Iberlgasse ist ein Parkplatz geworden.

Das Kopfsteinpflaster erinnert noch ein wenig an die Vergangenheit - doch eigentlich ist die Iberlgasse heute nicht mehr als solche erkennbar. Sie dient als Parkplatz eines Einkaufsmarktes. Bild: Hartl
von Heike Unger Kontakt Profil

Lange war dieses Sträßchen namenlos, erklärt Gerhard Kotzbauer, der sich intensiv mit den Amberger Altstadt-Straßen beschäftigt hat. Bei der großen Neubenennungs-Aktion 1925 wurde aus dieser Sackgasse beim Anwesen A 150 in der Badgasse (heute Haus Nr. 8) dann die Iberlgasse.

In einem Zeitungsartikel von damals sei als Hintergrund genannt, dass "der 1835 verstorbene Bürger Christoph Iberl, der dieses Anwesen seit 1780 besaß, sich um das allgemeine Wohl sehr verdient gemacht hat". Die meisten Amberger müssen vermutlich erst einmal passen, wenn man sie fragt, wo die Iberlgasse ist. Hilfreich sei hier eine Lage-Beschreibung des Amberger Chronisten Anton Dollacker, meint Kotzbauer: Es gehe um die "von der Badgasse ausgehende Sackgasse, die ein Durchgang durch das Anwesen Georgenstraße 41 (früher Malzfarbrik und Aktiensäle) mit der Georgenstraße verbindet." Hier befindet sich heute der Parkplatz eines Einkaufsmarkts.

"Die Iberlgasse hat ein Alleinstellungsmerkmal in der Amberger Altstadt", betont Gerhard Kotzbauer: "Sie hat als einzige Straßenbezeichnung eine Person als Namensgeber." Umso bedauerlicher findet es der Hobby-Heimatforscher, dass gerade die Iberlgasse kein eigenes Straßenschild hat - und dass ihr auch kein Haus direkt zugeordnet ist. So werde sie heute gar nicht mehr als Gasse wahrgenommen. "Obwohl sie laut Straßenverzeichnis amtlich noch existiert, ist sie als Straße nicht mehr erkennbar und praktisch aus dem Stadtbild verschwunden."

Dem König aus der Patsche geholfen

Die Iberlgasse ist laut Gerhard Kotzbauer nach dem Amberger Christof Iberl benannt. Dieser habe dem ersten bayrischen König mit einem größeren Bar-Kredit ausgeholfen.

Christof Iberl wurde 1757 in Laubmühle geboren. 1784 heiratete er Anna-Maria, die Tochter des Metzgers Winkler, 1787 kaufte er das Brauerei-Anwesen in der Georgenstraße 41. "Er war Stadtrat und Oberstleutnant der Landwehr", schreibt Kotzbauer in seinem Buch über die Amberger Altstadt-Straßen. "1795 richtete er die Holzflößerei von Vilseck nach Amberg ein, wofür er die goldene Verdienstmedaille erhielt."

Und dann half er dem späteren ersten Bayern-König Maximilian aus der Patsche: Als dieser "im Juli 1800 vor Napoleon von München nach Amberg flüchtete und von hier aus mehrere Monate Bayern regierte, streckte der wohlhabende Amberger Bürger Iberl der bayerischen Hofkasse 5000 Gulden vor, wofür er die Vergünstigung erhielt, jederzeit ohne Anmeldung zur Audienz zugelassen zu werden". Iberl starb am 17. März 1835, wie Kotzbauer anmerkt. (eik)

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