22.12.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

AZ-Adventskalender, Türchen Nr. 23 Ein Ort "gebührlicher Fröhlichkeit"

Hier waren ein "ehrlicher Tanz" und eine "gebührliche Fröhlichkeit" möglich: So zumindest heißt es in der Amberger Tanzordnung von 1560. Sie regelte die Aktivitäten im Tanzhaus - nach dem heute noch eine Gasse in der Altstadt, bei der Schwesternschule, benannt ist.

Streng geregelt nach einer eigenen Vorschrift wurde früher hier getanzt - daher hat die Tanzhausgasse ihren Namen. Bilder: Hartl (2)
von Heike Unger Kontakt Profil

In die Tanzhausgasse führt der AZ-Adventskalender am 23. Dezember. "Urkundlich erwähnt wurde ein Tanzhaus in Amberg bereits 1591", berichtet Gerhard Kotzbauer, der sich intensiv mit den Altstadt-Straßen befasst hat. Mit einer Lagebeschreibung erwähne Destouches 1809 das Gässchen, das vom damaligen oberen Fleischbankgäßchen (heute Fleischbankgasse) auf das Tanzhaus zuführe. Der Straßenname Tanzhausgasse erscheine erstmals im Urkatasterblatt von 1835, "und hat sich seither nicht verändert".

Wer heute in den Städten nach Spuren des Tanzes in früheren Jahrhunderten sucht, der stößt laut Kotzbauer schnell auf die Rathaus- oder Tanzsäle. "Zu den bekanntesten Beispielen gehört etwa der Reichssaal in Regensburg, der um 1360 als Tanz- und Repräsentationssaal des Rates und Patriziats gebaut wurde", sagt Kotzbauer. Dieser habe aber, "ähnlich wie etwa der Rathaussaal in Amberg, natürlich nicht allen Bevölkerungsschichten" offen gestanden.

Deshalb habe man auch den Bürgern die Möglichkeit zum Tanz bieten müssen, zum Beispiel bei Hochzeiten. "Hierfür gab es bis etwa 1800 Tanzhäuser", erläutert Kotzbauer. Johann Baptist Schenkl gebe in seiner Amberg-Chronik einen Hinweis darauf, dass die Stadt zwei Tanzhäuser hatte: "Dieses war ehemals jenes Haus an der Krambrücke, welches im Jahre 1577 erbauet, und worauf das Stadtwappen sich noch befindet. Ein anderes Tanzhaus war in der Nähe der itzigen Schulkirche. Beyde aber sind an Privaten veräußert."

Auch in der Löwenthal-Chronik hat Kotzbauer das Tanzhaus entdeckt: "So hat man zum Beyspiele für die Hochzeiten ein eigenes Tanzhaus errichtet, und jeden, der Hochzeit hielt, zum Tanzen, oder, der sich nicht dazu einließ, zu einem gewissen Abtrage verbunden. Es wurde eine gewisse Taxe angeordnet, wenn man sich mit der Stadtkammer abkaufen wollte." Auch Destouches beschreibt das Bauwerk: "Das ehemalige Tanzhaus zwischen dem ehemaligen Kloster der Salesianerinnen und den Fleischbänken ist (...) in ein bewohntes Haus umgeschaffen worden. In seiner vorigen Gestalt bewohnte einen Theil derselben der Thurner, der andere Theil bestund in einem Tanzplatze, wo jedes Brautpaar der Bürgerschaft einen Tanz hielt, und dafür der Stadtkammer dreissig, und dem Markknecht fünfzehn Kreuzer bezahlen musste." Doch nicht nur Hochzeitsgesellschaften stand das Tanzhaus offen, wie Kotzbauer anmerkt - auch Handwerker und Bruderschaften nutzten es. Die erwähnten Chroniken zeigten, dass das Amberger Tanzhaus nach 1800 nicht mehr bestand.

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Der AZ-Adventskalender im Internet:

www.onetz.de/az-adventskalender-2017

Urkundlich erwähnt wurde ein Tanzhaus in Amberg bereits 1591.Gerhard Kotzbauer
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