20.08.2017 - 16:16 Uhr
Oberpfalz

AZ-Praktikantinnen helfen einen Tag lang im Tierheim Wo Tiere willkommen sind

Eine normale, gescheckte Katze - zumindest auf den ersten Blick. Aggressiv springt sie gegen die Wände ihrer Box. Ein trauriger Anblick, der auf eine schlimme Vergangenheit schließen lässt. Im Tierheim leider etwas Alltägliches.

Gassigehen mit Hündin "Mausi" macht einfach Spaß. Die AZ-Praktikantinnen Theresa Frauendorfer und Sophie Graf (von links) halfen einen Tag lang im Amberger Tierheim mit. Bild: Hartl
von Redaktion OnetzProfil

Die Katzenquarantäne: Der erste Eindruck ist schockierend. Katzen, die auf Bauernhöfen oder im Wald gefunden wurden und eigentlich an das Leben in freier Wildbahn perfekt angepasst waren, verkriechen sich jetzt eingeschüchtert in vergitterten Plastikboxen. "Die Menschen meinen es nur gut und bringen die Katzen ins Tierheim. Dabei wären sie draußen viel glücklicher", sagt Tierheim-Mitarbeiterin Victoria.

Ein Tag im Tierheim: Die Ställe müssen gesäubert werden. Ganz schön kniffelig, die Schlafplätze der Vierbeiner zu reinigen und ihre Futternäpfe neu zu füllen, während die Tiere bedrohlich fauchen. Freud und Leid liegen auch hier eng beieinander: Während die todkranke alte Katze dahinsiecht, tapsen drei vor Lebensenergie nur so strotzende Katzenbabys umher.

Da viele Katzen nicht geimpft sind oder gar Würmer und Läuse haben, kommen sie anfangs in die Quarantäne-Station. Dort werden sie auch an Futter gewöhnt - für viele Katzen eine Neuheit. Sobald sie wieder aufgepäppelt sind, dürfen die Neuankömmlinge ihr Katzenzimmer beziehen. Hier bringt ihnen Mitarbeiter Stephan neues Futter, leert ihre Klos und spielt ein wenig mit den scheuen Vierbeinern. Viele sind Fundtiere, das heißt sie wurden auf der Straße aufgelesen und warten darauf, dass ihre Besitzer sie wieder abholen. Es kam auch schon vor, dass Leute ihre eigenen Katzen als Fundtiere abgegeben haben, um entweder die geringe Abgabegebühr nicht zahlen zu müssen oder um nicht schlecht dazustehen. Aber im Tierheim wird niemand verurteilt. "Denn Aussetzen ist auf keinen Fall eine Lösung", sagt Ingrid Mallmann, die Schriftführerin des Tierschutzvereins.

Papagei als Pensionsgast

In der Mittagspause möchte Victoria dem großen, bunten Papagei im Käfig ein Wort entlocken. Doch der stolze Vogel will sich einfach nicht mit ihr unterhalten. Das Tier ist nur zur Pension da, also sozusagen ein Hotelgast, während seine Besitzer im Urlaub sind. Wie wichtig es ist, die Familie zu prüfen, zu der ein Tier vermittelt wird, zeigt Mallmann anhand des Beispiels von Tierkäufen über das Internet. Auf einigen Plattformen würden Tiere billig verkauft. Dabei achteten die Händler meist nicht darauf, ob es diesen bei den neuen Besitzern gut geht. Auch bei der Züchtung der Tiere gingen sie häufig nicht artgerecht vor und trennten sie oft viel zu früh von der Mutter. "Und das alles nur, um Profit zu machen."

Ingrid Mallmann ist es wichtig, viele Leute auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Sie appelliert an jeden, sich vor einem Kauf gut zu überlegen, ob man dem Tier wirklich ein schönes Zuhause schenken kann und ob man genügend Zeit und Platz dafür hat. Denn viele Tiere landeten auch aus Unüberlegtheit nach einigen Monaten im Tierheim - besonders im Sommer. "Leider setzen immer noch viele Leute ihre Haustiere aus, um ungestört ihren Urlaub genießen zu können."

Freiwillige Gassigeher

Im Tierheim gibt es sogenannte Gassigeher. Das sind Freiwillige, die nachmittags und seit kurzem auch vormittags mit den Hunden spazieren gehen. Diese Leute müssen volljährig und Mitglied im Tierschutzverein sein. Geld ist im Tierheim immer ein großes Thema. Da der Tierschutzverein nur von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Unterstützung der Kommunen lebt, hat er oft Geldprobleme, vor allem dann, wenn er viele Tiere aufnehmen muss oder es auf das Jahresende zugeht. "Es ist manchmal wie ein Glücksspiel mit dem Geld", sagt Mallmann.

Eine große Hilfe sei es, wenn Mitarbeiter oder Privatleute kleine Tiere für kurze Zeit bei sich zu Hause aufnehmen, da der Stress im Tierheim für die Tierbabys eine große Belastung sei. Auch wenn sich manche Tiere verschreckt zeigten, ist sich Mallmann sicher: "Im Tierheim befinden sich viele verborgene Schätze. Die meisten Tiere brauchen einfach nur noch den letzten Schliff."

Im Tierheim befinden sich viele verborgene Schätze. Die meisten Tiere brauchen einfach nur noch den letzten Schliff.Ingrid Mallmann
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