10.07.2017 - 17:14 Uhr
Oberpfalz

Eltern organisieren Fußball-Benefizspiel aus Dankbarkeit Weil die Tochter den Krebs besiegt hat

Heiligabend 2008: Yvonne und Rene Nicklas entdecken bei ihrer erst 15 Monate alten Tochter einen großen Lymphknoten. Einige Tage und sechs weitere Geschwülste später die Diagnose: Ein bösartiger Tumor schließt bereits die Halsschlagader ein. Jetzt, mit neun Jahren, gilt das Mädchen als geheilt. Und die Eltern geben etwas von der erfahrenen Hilfe zurück.

von Thomas Kosarew Kontakt Profil

So groß wie die Fingerkuppe eines Erwachsenen sei der erste Knoten gewesen, den das Ehepaar bei seinem Kind feststelle. Ausgerechnet an Weihnachten. Der Weg führte zunächst in die Notaufnahme des Klinikums, zur Nachsorge zum Kinderarzt und laut Yvonne Nicklas bereits am 29. Dezember "mit Blaulicht in die Nürnberger Kinderklinik". Der Tumor hatte sich innerhalb von nur 24 Stunden jeweils verdoppelt.

Bösartiger Tumor

"Der Mundboden hatte sich verschoben", erinnert sich die Mutter und spricht über das damalige Aussehen ihrer Tochter: "Ihr Gesicht war deformiert, sie war entstellt." Am 2. Januar musste das Kind unters Messer, eine weitere Operation folgte, weil sich der bösartige Keimzellentumor um die Hauptschlagader gelegt hatte. "Wenn die Ärzte damals nicht so schnell und so gut gehandelt hätten, wäre sie gestorben", sagt Yvonne Nicklas über ihre jüngste Tochter, die danach zwei Jahre lang eine Chemo über sich ergehen lassen musste. "Wir sind jetzt durch", atmete die Ambergerin am Sonntagnachmittag im Waldstadion des FSV Gärbershof auf. Im April habe sich das jüngste Familienmitglied die letzten Haarspitzen abschneiden lassen, die noch dünn und brüchig von der Therapie waren. Für die Eltern war es das Signal, etwas von der Unterstützung, die sie in schweren Zeiten von der Selbsthilfegruppe krebskranker Kinder Amberg-Sulzbach erfahren haben, zurückzugeben. "Mein Gehalt hat komplett gefehlt. Ich konnte nicht arbeiten, weil ich beim Kind war. Wir hatten gerade gebaut und mussten ja unsere Rechnungen zahlen", erinnert sich Yvonne Nicklas.

Weil seine beiden Töchter beim FSV Gärbershof Fußball spielen, hatte Rene Nicklas eine Idee: Zwei Frauenteams sollten für den guten Zweck gegeneinander antreten. Fündig wurde der Herr Papa beim Landesligisten TSV Theuern und Drittligist SC Regensburg, der sich eigentlich gerade mitten in der Sommerpause befindet. "Wir fangen erst wieder am 2. August an", ließ Spielführerin Lena Falter wissen, aber für die gute Sache habe die ganze Mannschaft gerne eine Ausnahme gemacht: "Das ist auf jeden Fall eine super Aktion und ein gutes Gefühl, heute hier zu sein. Ich hoffe, dass viele Zuschauer kommen und viele Spenden zusammenkommen." Nach der Partie, die Theuern mit 5:1 gewann, zog Rene Nicklas, der seit Januar mit den Vorbereitungen beschäftigt war, Bilanz: 50 Zuschauer und 320 Euro Einnahmen. 50 Euro davon hatte Bürgermeister Martin Preuß im Auftrag von OB Michael Cerny mitgebracht.

Enormer Aufwand

Ein enormer Aufwand, jedoch keine riesige Summe, dafür aber ein glücklicher Organisator: "Das war mein erstes Benefizspiel." Natürlich hätte er auch die Ebermannsdorfer Nationalspielerin Sara Däbritz fragen können, ob sie mit ihrem Team, dem FC Bayern München, nach Amberg kommt, erzählt der Familienvater, aber: "Dann hätten wir einen entsprechenden Gegner gebraucht und hätten ins FC-Stadion gemusst. Das wäre eine Größenordnung gewesen, die ich nicht hätte schultern können. Aber das Kleine hier, das kann ich schaffen." Unterstützt wurde Rene Nicklas von seiner ganzen Familie. Auch von seiner jüngsten Tochter. Sie verkaufte die Lose, die sie zu Hause selbst beschriftet und gefaltet hatte.

Das ist auf jeden Fall eine super Aktion und ein gutes Gefühl, heute hier zu sein. Ich hoffe, dass viele Zuschauer kommen und viele Spenden zusammenkommen.Lena Falter, Spielführerin des Drittligisten SC Regensburg, vor dem Anpfiff

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