13.10.2017 - 18:48 Uhr
Oberpfalz

Erfahrungsfeld der Sinne lädt zum Denkspaziergang ein Barfuß über den Fußfühlpfad

Knöpfe aufeinanderstapeln, ohne dass der Turm einfällt. Ein Kinderspiel, denkt man sich. Unvorstellbar, dass der Rekord bei nur 15 Stück liegt, da sollten doch viel mehr zu schaffen sein. Gut, dass es das Erfahrungsfeld der Sinne gibt, um das herauszufinden.

Die Klangbilder wurden zusammen mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule entwickelt.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

-Sulzbach. Mit Begeisterung ziehen Kinder ihre Schuhe und Strümpfe aus und laufen barfuß und mit geschlossenen Augen über den Fußfühlpfad, um die verschiedenen Materialien zu erspüren und ihren Gleichgewichtssinn zu testen. Die Eltern stehen daneben - und warten erst einmal ab. "Erwachsene sind da zurückhaltender", weiß Regina Demleitner, Koordinatorin des Erfahrungsfelds der Sinne.

Doch die mobile Anlage ist für Menschen aller Altersgruppen gedacht, erklärt Dr. Roland Brey, Leiter des Gesundheitsamtes. Gerade auch Senioren tut sie gut. Für sie böte sich auf dem Fußfühlpfad ein Denkspaziergang an, wie es Brey formuliert. "Der Pfad kann ihr Erleben symbolisieren", erklärt Demleitner. Während ältere Menschen über die befüllten Kästen marschieren, können sie nachspüren, welche Materialien für bestimmte Lebensabschnitte stehen. Was war holprig? Was war steinig? Welche schönen Momente gab es?

Wer sich auf die einzelnen Stationen einlässt, kann vom Erfahrungsfeld der Sinne profitieren, sind Demleitner und Brey überzeugt. Allerdings: Zeit dafür nehmen muss man sich schon. Das eine oder andere funktioniert vielleicht nicht auf Anhieb, dann muss man eben tüfteln und es erneut ausprobieren. Als Beispiel nennt die Koordinatorin die Wasserspringschale. Mal funktioniere es, mal eben nicht. "Ich muss also in mich hineinspüren, was ich anders machen muss, damit es funktioniert." Sich entspannen, sich einlassen und ausprobieren: Das ist der Ratschlag, den Regina Demleitner den Nutzern des Erfahrungsfelds der Sinne gibt. Sie kann sich an einen Mann erinnern, der hinterher sagte: "So entspannt wie jetzt war ich schon ein halbes Jahr nicht mehr." Dabei hatte er nur zwei unterschiedliche Materialien erspürt: einen Seidenschal und einen großen Stein.

Wer sich einlässt, dessen Gedanken schweifen ab, elementare Fragen kommen zum Vorschein: Wer bin ich? Was bin ich? Was macht mich aus? "Unsere Gedanken und Erfahrungen machen unsere Persönlichkeit aus", unterstreicht Demleitner.

Gestartet wurde das Erfahrungsfeld der Sinne mit zehn Stationen, längst haben sich viele weitere hinzugesellt. Vieles besteht aus ganz banalen Materialien, die es aber in sich haben. Beispielsweise aus Knöpfen, die aufeinander zu stapeln sind. Der Rekord liegt bei 15. Wäre locker zu toppen, denkt man. Weit gefehlt - es ist gar nicht so einfach. Durchaus möglich, dass nach vier Stück das Türmchen bereits einstürzt. Andere Elemente des Erfahrungsfelds zielen darauf ab, dass man als Gruppe agiert. Nebenbei lernt man so einiges über Naturgesetze und Schwerkraft.

Das Erfahrungsfeld wird hauptsächlich von Grundschulen für ihre Klassen gebucht, doch auch Kindergärten, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien, Vereine und Selbsthilfegruppen zeigen durchaus Interesse. Drei Mal im Jahr, im März, im Juli und im Oktober, werden die mobilen Teile im Zeughaus-Foyer des Landratsamtes aufgebaut, ansonsten touren sie durch die Stadt und den Landkreis. Auch beim Gesundheitstag im Landratsamt sind sie vertreten - und stoßen auf große Resonanz bei den Besuchern, erklären Demleitner und Brey. "Die Rückmeldungen sind immer sehr positiv", freut sich die Koordinatorin. "Die Leute sagen uns hinterher, wie toll es war." Ob Klangschale, Fußfühlpfad oder Knöpfestapeln: Das Erlebnisfeld trainiert die Sinne. Doch auch ein beruhigendes Wühlen in Muscheln von einem Sandstrand kann viel bewirken: Die Erinnerung an einen Traumurlaub am Meer.

Die Idee dahinter

Hugo Kükelhaus ist Erfinder des Erfahrungsfelds der Sinne. Die Idee, die dahinter steckt, beinhaltet folgende Ziele: Wahrnehmen ohne Leistungsdruck, aktives Tun und Erleben, intensive Auseinandersetzung mit der Umwelt und mit sich selbst, Förderung von Konzentration und Körperwahrnehmung, Sinnesschulung, Motivation, Verbesserung der Lebensqualität, Informationsvermittlung über Lernen, Achtsamkeit, körperliche und geistige Gesundheit im Alter. (san)

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