11.10.2017 - 16:34 Uhr
Oberpfalz

Großtauschtag des Briefmarkensammlervereins Philatelie für Jung und Alt

1840 wurde die erste Briefmarke herausgegeben: One Penny Black aus Großbritannien. Kurz darauf begann der Sammelspaß. In Amberg trafen sich nun Philatelisten zum Großtauschtag, der nur einmal im Jahr organisiert wird. Viel Interessantes gibt es zu sehen, wenn das Briefgeheimnis verjährt ist.

Joachim Amberger (links) überlässt Vorsitzendem Hans Dietmayr die Kopie seiner Postkarten zur Überprüfung. Bilder: dwi (3)
von Dagmar WilliamsonProfil

Amberg . (dwi) Gleich am Eingang fiel die große Stellwand mit historischen Ansichtskarten auf. "Das zum Beispiel: Da ist die alte Amberger Zeitung", sagte Hans Dietmayr, Vorsitzender des Briefmarkensammlervereins 1904. Die lithografischen Postkarten aus Amberg reichen bis 1883 zurück und können einen Wert von bis zu 500 Euro pro Stück erreichen.

Turner mit Schnauzer

Joachim Amberger zog eine Kopie aus seiner Tasche und zeigte sie dem Spezialisten. Postkarten aus Köfering, Theuern, Engelsdorf und eine der Turnerschaft Jahn aus Amberg. Drei Turner mit großem Schnauzer auf Fahrrädern und Stange sind auf der Vorderseite zu sehen. Auf der Rückseite: unleserliche Grußworte und der Stempel der Post. Der ist ganz wichtig. Hans Dietmayr hob eine Augenbraue: "Etwa 20 Euro pro Stück ist der Wert der Originale." Der Spezialist war gefragt. Zwei Herren mit einem großen Reisekoffer setzten sich an einen Tisch. Ein Briefmarkenalbum nach dem anderen kommt zum Vorschein. Der Vorsitzende begutachtet den Inhalt ganz genau. "Diese wurden geerbt. Leider war nichts von hohem Wert dabei, aber zehn schöne Einzelstücke."

Seit 63 Jahren sammelt und prüft der Kümmersbrucker schon Briefmarken und Ansichtskarten. Er ist Preisrichter und Regionalbeirat der Oberpfalz. Drei Zimmer benötigt er für sein Archiv. Richtig stolz ist Dietmayr auf einen Brief an den Baron Rothschild von 1865. Es wurde eine Kiste Château Lafitte bestellt.

Tauschen und Verkaufen

Auch zum Tauschen und Verkaufen war Reinhold Radon aus Hirschbach gekommen. In seinem Besitz befindet sich ein Brief, der 1754 nach Leuchtenberg verschickt wurde. Das Wachssiegel, das den Brief verschlossen hielt, ist noch vollständig erhalten. "Hier geht es um den Kauf eines großen Grundstückes und die finanzielle Abwicklung", erklärte er. Sogar alte Rechnungen lassen sich für etwa 25 Euro verkaufen. Für den langen Erhalt des Papiers müssen die Stücke in Folien ohne Weichmacher gelegt und stehend in Ordnern gelagert werden. "Damit da noch etwas Luft rein kann", erklärte der Fachmann.

Im Namen des Königs

Das bestätigte auch Herbert Demleitner aus Hahnbach. Er würde seine Sammlung gerne verringern und hoffte, einen Teil davon verkaufen zu können. In seinem Besitz: "Im Namen seiner Majestät des Königs von Bayern." Ein Brief an das königliche Bergamt in Bodenwöhr von 1825.

Auch Kinder sammeln gerne. Bei ihnen sind vor allem Motive wie Pferde oder Fahrzeuge gefragt. "Das Schöne dabei ist, dass dann der Atlas geholt wird und erst mal nachgeschaut werden muss, wo sich das Land befindet. So kann man Kindern auch Geografie und Geschichte näherbringen", sagte Hans Dietmayr. Und so bleibt das Hobby auch in Zeiten von E-Mail, Facebook und Whats-App-Gruppen relativ zeitlos.

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