27.04.2018 - 16:08 Uhr
Oberpfalz

Hauptversammlung des TV 1861 Amberg Beim TV rumort es gewaltig

Keine Belege, dürre Zahlen, ein abgetauchter Ex-Kassier. Der TV-Vorstand hangelt sich fragwürdig zu seiner Entlastung, um sich gleich wieder wählen zu lassen und zu versprechen: Alles wird gut.

Ein unerwarteter Andrang kritisch nachfragender Mitglieder bei der TV-Hauptversammlung macht diesen Abend für Vorsitzenden Thomas Bärthlein (rechts) zu allem anderen als einem Spaziergang. Bilder: Stephan Huber (2)
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Begrüßung, Ehrungen, Bericht des Vorsitzenden, Berichte der Abteilungen, das klingt nach schnöden Vereinsformalitäten. Bitterer Ernst wurde es jedoch ab Tagesordnungspunkt 5 bei der Hauptversammlung des TV 1861 Amberg am Donnerstagabend in der Vereinsgaststätte Arena am FC-Stadion. Ex-Kassier Stefan Gehringer habe sich vor Monaten abgesetzt und ein desaströses Chaos hinterlassen, räumte Vorsitzender Thomas Bärthlein nach und nach immer deutlicher ein.

Die Kohlen aus dem Feuer zu holen, dazu hatte sich der Steuerberater Thomas Rumpler - wie er selbst andeutete - breitschlagen lassen. Er wandte sich in der Eigenschaft als "Interimskassier" (Bärthlein) an die rund 140 anwesenden Mitglieder und beschrieb die Situation als reichlich brenzlig. Die letzte abgegebene Steuererklärung beziehe sich auf 2013. Es sei deshalb "überaus Zeit geworden", um gegenüber dem Fiskus nicht die Gemeinnützigkeit aufs Spiel zu setzen. Das Problem: Für die Abrechnungsjahre 2014 bis 2016 gebe es nur sehr lückenhafte oder gar keinerlei Belege. Ab 2017 bessere sich die Situation, sei aber noch keineswegs optimal.

Revisoren schweigen

"Wir müssen das auf die Reihe bringen", appellierte Rumpler und legte dar, dass er für die offenen drei Jahre Steuererklärungen erarbeitet und eingereicht habe. "Es war alles plausibel, das Finanzamt hat das so akzeptiert." Der Interimskassier gab damit zu verstehen, dass aus seiner Sicht der Weg für die Entlastung des Vorstandes für den kritischen Zeitraum möglich sei. Schon hatte sich das nächste Problem aufgetan. Nach dem Vereinsrecht müssen die Revisoren die Entlastung beantragen. Die traten bis zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht in Erscheinung. Deshalb beantragte Rumpler "im Namen der Revisoren" die Entlastung. Das war einigen Mitgliedern allzu dürftig. Sie wollten konkrete Zahlen sehen und wurden erst einmal mit oberflächlichen Allgemeinplätzen abgespeist. "Es gibt Zahlen, ich habe sie jetzt aber nicht dabei", erklärte etwa Rumpler, reichte später einige Eckdaten nach, und Bärthlein beteuerte: "Wir sind im Plus."

Konkrete Nachfragen, ob womöglich Geld bei dem Absturz des kurzzeitigen Fußball-Regionalligisten FC Amberg draufgegangen sei, oder sich der Verein bei der Übernahme des Fitness-Studios Balance überhoben habe, wurden nur sehr pauschal beantwortet. "Wir sollten entlasten", drängte Rumpler noch einmal unter dem Hinweis auf einen dringend nötigen Neuanfang in Sachen Buchführung.

Überraschung

So kam es bei einer Gegenstimme und 20 Enthaltungen, und plötzlich meldete sich der Revisor Johann Irlbacher zu Wort, um seine Zurückhaltung zu erklären. Für die Jahre 2015 und 2016 habe es mangels Belegen schlichtweg nichts zu prüfen gegeben, rückte er mit der Sprache heraus und gab indirekt zu verstehen, dass er sich deshalb nicht in der Lage gesehen habe, die Entlastung zu beantragen. Der Verein mit seinen 18 Unterabteilungen quer durch viele Sportarten befinde sich seiner Einschätzung nach jedoch nicht in einer Schieflage. Danach ging ein Raunen der Verunsicherung durch die Versammlung. Eine Frau sah sich durch das Vorgehen des Vorstandes getäuscht und forderte eine neuerliche Abstimmung. Ein anderes Mitglied sprach von "Unehrlichkeit" und handelte sich einen heftigen Rüffel ein.

Dann "wählt mich ab"

Nun entlastet, konterte Bärthlein harsch. Er stellte die Vertrauensfrage. "Wir haben dann Wahlen, wählt mich halt ab." Außerdem sah er nicht nur sich, sondern alle Vereinsmitglieder in der Verantwortung. Sie seien "seit Jahren vor Gehringer gewarnt" gewesen. Das bestätigte indirekt ein Zwischenrufer. "Was hätten wir den tun sollen? Hätten wir die Polizei rufen sollen?" Auch Rumpler schien verärgert: "Ich will helfen und werde jetzt hier angefeindet." Die Gemüter beruhigten sich dann wieder und das bisherige Vorsitzenden-Trio wurden in seinen Ämtern bestätigt. Der Riss, der durch einen der größten Amberger Vereine geht, brach bald darauf noch einmal heftig auf, als es um eine geplante Beitragserhöhung ging. Sie wurde vertagt. Angemerkt

Wir sollten entlasten.Thomas Rumpler, Interimskassier des TV

Im Blickpunkt

Neuer Vorstand

Mit je 111 Ja-Stimmen wurden Thomas Bärthlein zum TV-Vorsitzenden und Wolfgang Wrosch sowie Birgit Binder zu Stellvertretern gewählt und in ihren Ämtern bestätigt.

Viel wichtiger war für den Verein, wieder einen Kassier zu benennen. Der langjährige SGS-Vorsitzende Paul Frank ließ sich (per Akklamation) in diese Pflicht nehmen. Sein Stellvertreter ist Thomas Rumpler, bisher Interimskassier. Auch zwei Revisoren wurden gefunden. Serkan Kayar (neu) und Jürgen Friedrich sind es. Offen blieb das Amt des Schriftführers.

Größter Verein

Vorsitzender Thomas Bärthlein nimmt für den TV in Anspruch, nun "wohl der größte Verein" in der Stadt zu sein. Bei einer aktuell dynamischen Entwicklung geht er von einem derzeitigen Stand von rund 2300 Mitgliedern aus.

Das Balance

Nach dessen Konkurs hat der TV das benachbarte Fitness-Studio Balance als Abteilung für rund 525 000 Euro übernommen und dafür einen Kredit über 295 000 Euro aufgenommen. Laut Bärthlein bürgt die Stadt und hat den zu erwartenden Zuschuss des BLSV vorgestreckt. (zm)

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