Hoffnung für Patienten mit chronischen Schmerzen
Das Leben wieder lieben lernen

Marion Singer (links) im Gespräch mit Dr. Ursula Kleine, Chefärztin der Schmerztagesklinik. Bild: Gräß/Klinikum

Schmerzen. Jeden Tag und jede Nacht. Am ganzen Körper. Wie ein Muskelkater, nur viel schlimmer. So sah das Leben von Marion Singer aus Etsdorf aus. Dann wurden die Schmerzen akut. Doch der Frau kann geholfen werden. Am Klinikum St. Marien.

"Keiner konnte mir sagen, was ich habe", erinnert sie sich. "2012 bekam ich taubeneigroße Knoten an den Unterarmen. Schmerzen hatte ich schon damals." Die Diagnose: Sakoidose, eine seltene Lungenerkrankung. Die Schmerzen konnte trotzdem niemand erklären. "Ich hatte sie ständig. Es ist immer schlimmer geworden. Ich bin auf dem Sofa gesessen und musste meinen Sohn bitten, dass er mit der Fernbedienung das Programm umschaltet, weil ich mich vor lauter Schmerzen nicht mehr bewegen wollte", heißt es dazu in einer Mitteilung aus St. Marien.

Eine schreckliche Zeit für die alleinerziehende Mutter zweier Söhnen (15 und 17). Ohne Schmerzmittel ging gar nichts mehr. Immer wieder probierte Marion Singer andere Mittel aus, immer wieder ging sie zu ihrer Hausärztin. "Ich habe teilweise am Tag dreimal 800 Milligramm Ibuprofen genommen, zusätzlich zu anderen Schmerzmitteln. Nichts hat geholfen." Trotzdem musste sie den Alltag alleine stemmen: "Durch die Tabletten, die ich gegen die Schmerzen bekommen habe, habe ich auch noch 37 Kilo zugenommen. Ich wollte nichts mehr machen."

Heuer dann laut dem Schreiben die Wende: Marion Singers Hausärztin empfahl ihr sich an die Schmerzambulanz im Klinikum St. Marien zu wenden. Kurz darauf ging die Frau für vier Wochen teilstationär dorthin in die Schmerztagesklinik. Hier ist eine wesentlich intensivere Therapie möglich: "Wir sehen unsere Patienten täglich und sprechen gemeinsam über die Fortschritte oder die Probleme und können gegebenenfalls sofort gegensteuern", erklärt Dr. Ursula Kleine, Chefärztin der Schmerztagesklinik, und ergänzt: "Wichtig ist, dass sich unsere Patienten voll auf die Behandlung einlassen. Sonst funktioniert es nicht." Marion Singer bestätigt das: "Ich war an einem Punkt, da hätte ich alles gemacht, nur um die Schmerzen loszuwerden. Deshalb konnte ich mich voll auf die Therapie hier einlassen."

Sie dauert vier Wochen: individuelle Bewegung in Form von Physiotherapie, Bewegungsbad, Ergotherapie, psychologische Schmerzbewältigung, Kreativtherapie - die Behandlung ist ganzheitlich. Abends und am Wochenende durfte die Patientin heim. Die Therapie ist bewusst teilstationär ausgerichtet. Bei vollstationärer Betreuung käme man sonst nach vier Wochen heim und fiele ganz schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Die Kosten für die Therapie tragen die Kassen, deshalb müssen verschiedene Vorgaben erfüllt sein: Hat der Patient chronische Schmerzen? Wie schlimm sind diese? Gab es ambulante Therapien im Vorfeld? Mittlerweile hat die Tagesklinik auch die Anerkennung der Kassenärztlichen Vereinigung als schmerztherapeutisches Zentrum.

Marion Singer hat ihre Therapie mittlerweile beendet - und ist ein völlig neuer Mensch: Sie ist die 37 Kilo, die sie durch die Medikamente zugenommen hatte, los geworden und kann nun entspannt lachen. "Etwas Besseres als diese Therapie hätte mir nicht passieren können", sagt sie. "Es gibt immer noch Schmerzen, aber nach schlechteren Tagen folgen auch wieder gute. Und ich weiß jetzt, wie ich mit den Schmerzen umgehen muss. Ich nehme keine Schmerzmittel mehr - gar keine."

Mit dem Schritt an die Öffentlichkeit möchte sie anderen chronischen Schmerzpatienten Mut machen. "Wenn die Seele krank ist, ist der Körper auch krank und umgekehrt. Dann braucht man professionelle Rundum-Hilfe, die ein Hausarzt alleine nicht mehr leisten kann."
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