08.11.2017 - 13:47 Uhr
Oberpfalz

Ines Melzner mag sich eine Kindheit ohne Hund nicht vorstellen Einfach unglaublich öde

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„Wie bringe ich Hund und Nachwuchs unter einen Hut?“ Auf diese Frage suchte „Abenteuer Familie“ eine Antwort. Eine überaus kompetente Ansprechpartnerin fand die Redaktion in Ines Melzner. Die 43-jährige Polizeihauptkommissarin ist allein erziehenden Mutter von vier Kinder zwischen 3 ½ und 14 Jahren, die mit derzeit drei Hunden und zwei Katzen unter einem Dach lebt.

von Abenteuer FamilieProfil

Ines Melzner hat den gesetzlichen Sachkundenachweis und ist somit berechtigt, Hunde auszubilden bzw. andere dazu anzuleiten, Hunde auszubilden. Sie besitzt seit über 16 Jahren Hunde und ist seitdem auch im Hundesport aktiv tätig. Bis auf die ersten zwei Jahre waren es immer mindestens zwei bis vier Hunde, die neben den Kinder in ihrem Haushalt lebten.

Wie bringen Sie Hund und Nachwuchs unter einen Hut?

Ines Melzner: Prinzipiell muss einem klar sein, dass sowohl Hunde als auch Kinder Bedürfnisse haben. Einen Hund als Spielkameraden für die Kinder anzuschaffen ist meines Erachtens verwerflich, es sei denn dieser Hund stammt von ‚Steiff’. Wenn ich jedoch einen Hund als festen Bestandteil der Familie und als Familienmitglied sehe und bereit bin, auf ihn und seine Bedürfnisse einzugehen, dann klappt das ohne Probleme.

Es muss einem allerdings bewusst sein, dass die Arbeit mit dem Tier und die Erziehung des Hundes an den Eltern hängen bleiben werden. Ich kann dem Nachwuchs, abhängig vom Alter, kleine Aufgaben übertragen, muss aber bei der Ausführung ein Auge darauf haben. Zeitlich kann ich viel gemeinsam machen. So kann ich mit dem Hund und dem Kind gemeinsam spazieren gehen. Auch die Zeit auf dem Hundeplatz lässt sich so gestalten, dass Hund und Nachwuchs Spaß dabei haben.

Es ist klar, dass der Hund auch Aufmerksamkeit allein braucht. Doch wenn man gewillt ist, diese Zeit für den Hund in seinen Tagesablauf zu integrieren, lässt sich das auch gut regeln. Das Nächste ist: Auch als Mutter hat man ein Recht auf ein Hobby, ein Recht auf ein bisschen Freizeit. Warum nicht das Hobby ‚Hundesport’ entdecken, das einem die Kraft gibt, den stressigen Alltag mit Kindern, Beruf und Haushalt zu meistern.

Wie weit sind Hund und Nachwuchs grundsätzlich vereinbar?

Meines Erachtens sehr gut. Sowohl Eltern als auch Kinder profitieren vom Hund in der Familie. Kinder lernen Verantwortungsbewusstsein, Rücksichtnahme und auch Empathie. Sie haben einen Freund im Hund und einen Spielkamerad - immer vorausgesetzt, der Hund ist Teil der Familie und wird als Hund gesehen.

Man sollte sich vom perfekt sauberen Haushalt jedoch verabschieden. Hunde verlieren Haare, sie tragen Dreck ins Haus, das lässt sich nicht vermeiden. Doch sogar davon profitieren Kinder. Das ist besser fürs Immunsystem als ein mit ‚Sagrotan‘ steril gehaltener Haushalt.

Was ist unbedingt zu beachten, wenn Hundebesitzer Nachwuchs erwarten?

Gar nichts. Einfach den Hund weiter als Teil der Familie betrachten und ihn weiter wie vorher ganz normal behandeln. Der Hund darf weiter alles, was er bisher auch durfte. Warum sollte man auch etwas daran ändern? So wäre es ideal für alle.

Die ganzen Märchen mit Windeln mitbringen aus dem Krankenhaus - hab ich nie gemacht. Kurz den Nachwuchs mit der Babyschale auf den Tisch gestellt, der Hund durfte schnüffeln - das war’s. Ablecken des Gesichts wurde mit einem ruhigen ‚Nein’ kommentiert, wollte der Hund weiter schlecken wurde er daran gehindert. Es gab nie ein Problem. Hunde wissen doch eh, was passiert. Sie erleben doch auch neun Monate Schwangerschaft mit. Will ich, dass der Hund zukünftig das Kinderzimmer / Schlafzimmer nicht mehr betritt, erlaube ich ihm das in einem zeitlichen Abstand zum Nachwuchs vorher schon nicht mehr, so wird er den Zusammenhang zum Kind nicht herstellen. Ist der Hund vorher artgerecht behandelt worden, wird er kein Problem mit dem Nachwuchs haben. War er vorher Kinder-Ersatz und wird nun nicht mehr beachtet, wird der Hund mit Eifersucht reagieren.

Prinzipiell gilt aber: Nie Kinder und Hunde allein zusammen lassen. Ein Hund ist ein Tier und damit nicht zu 100% berechenbar. Da Kinder dies jedoch auch nicht sind, weiß man nie, was die anstellen. Deshalb gilt: Immer ein Auge auf die beiden haben. Je jünger das Kind, desto mehr.

Gibt es bestimmte Hunderassen, die sich für Familien mit Kindern besonders gut eignen?

Prinzipiell eignen sich alle Hunderassen für Familien, solange sie ausgelastet und entsprechend ihrer Anlage gehalten werden. Es kommt viel auf die Familie an. So kann für die eine Familie ein Herdenschutzhund ein idealer Familienhund sein, solange man weiß, wie man diese Hunderasse erzieht. Auch Hütehunde eignen sich als Familienhunde, solange sie ausgelastet und kopfmäßig beschäftigt werden.

Für andere Familien sind genau die oben genannten Hunderassen gar nicht geeignet, weil zu wenig klare Führung und Struktur für den Herdenschutzhund oder zu wenig Beschäftigung für die Hütehunde vorhanden sind. Es kommt viel darauf an, wie viel Zeit bin ich bereit bin, in die Hundeausbildung zu investieren und was will ich von meinem zukünftigen Familienmitglied.

Gut geeignet sind alle Gesellschaftshunde, also Hunde die auch früher schon rein zum Zeitvertreib gehalten wurden. Problematisch sind, wenn sie nicht richtig erzogen bzw. ausgelastet werden, Hütehunde, Herdenschutzhunde oder Jagdhunde. Das sind einfach Arbeitshunde, die eine Beschäftigung wollen und entsprechend ausgelastet gehören. Auch der beliebte Jack Russel Terrier, und sei er noch so putzig, gehört zu den Jagdhunden. Er geht ohne Furcht auf Ratten los.

Generell gilt: Vor der Anschaffung eines Welpen sollte man sich gut informieren, welchen Hund man sich gern holen würde. Dazu gehört, dass man sich den Hund anschaut. Früher wurden Hunde nicht zum Selbstzweck gehalten. Sie hatten Aufgaben - und dieses Erbe bringen die Hunde nach wie vor mit. Interessant für mich ist die Frage, wofür wurde der Hund früher gehalten, wie hat er gearbeitet, wofür wurde er gezüchtet? Diese Eigenschaften haben auch unsere heutigen Rassen noch.

Welche Vorteile kann ein Hund dem Nachwuchs und der Familie bringen?

Ein Hund unterscheidet auch nicht zwischen gesund oder ungesund, Stärken oder Schwächen. Gerade schwächere oder gehandicapte Kinder haben hier einen Freund, der sie so akzeptiert, wie sie sind. Einem Hund ist die Note in Latein oder Mathe egal und auch die pubertäre Akne stört ihn nicht. Kleine Geheimnisse bewahrt der Hund besser als jede noch so beste Freundin. Nur hier kann sich der Nachwuchs sicher sein, dass nichts ausgeplaudert wird.

Der Hund hat eine schier endlose Geduld, sich die Geschichte über den heimlichen Schwarm und wie toll der ist anzuhören. Generell ist der Hund einfach nur glücklich, dabei zu sein - einfach so, ohne Gegenleistung zu verlangen. Er möchte nur als Hund behandelt werden, ein vollständiges Mitglied der Familie sein, mehr nicht. Daher profitieren alle vom Hund. Auch der Mutter tut es gut, einfach jemand zu haben, der sie freudig begrüßt, bevor der tägliche Wahnsinn beginnt (Haushalt, Hausaufgaben, Wo ist meine Puppe, ich brauche dies, ich will jenes, Mama mach mal....)

Und wenn man kurz davor ist, auszuwandern, schnappt man sich am besten den Hund, trainiert ihn kurz, geht einfach Gassi oder streichelt ihn nur und entflieht so kurz dem Alltag. Zum Lachen bringen einen Hunde sowieso. Ob es die unmöglichsten Schlafstellungen sind oder der Bettelblick. Ohne Hund wäre es einfach unglaublich langweilig und einsam. Sogar Fernsehschauen ist viel schöner mit ein bis drei Hunden zusätzlich auf der Couch. Und niemand schnarcht so schön wie der Hund neben einem.

Die Kinder lernen auch, Verantwortung zu übernehmen, sich um andere zu kümmern. Das Kind kann halt nicht einfach den Hund niedertrampeln, der irgendwo schläft. Kleine Aufgaben fördern ebenfalls das Verantwortungsgefühl des Kindes. Und ganz ehrlich: Eine Kindheit ganz ohne Haustier ist unglaublich öde. Das Haus ist steril - toll, aber Leben in der Bude - Fehlanzeige. Mutter und Kinder können davon profitieren somit gleichermaßen vom Hund. Und die Kinder profitieren von einer Mutter, die beim Hund Kraft tanken konnte.

Spätestens ab Kleinkindalter, wenn die lieben Kleinen alles selber essen wollen, ist man über einen Hund dankbar. Das Problem mit heruntergefallenem Essen hat man nur noch, wenn man zu Besuch in Familien ohne Hunde ist. Mir ist rätselhaft, wie diese Familien das lösen... In meinem Haus gibt’s weder Essensreste noch Essen auf dem Boden. Drei Hunde zwischen derzeit 4 und 40 Kilo kümmern sich gern um solche Probleme. Aber Vorsicht: diese Zwischenportionen vom Hundefutter abziehen. Sonst hat man schnell einen dicken Hund.

Was können Hundebesitzer tun, um Hund und Kind unter einen Hut zu bringen?

Sich vorher klar machen, was für einen Hund will ich. Was bin ich bereit, an Zeit zu investieren, was möchte ich mit dem Hund machen. Die Rasse entsprechend wählen und dann den Hund fest in den Tagesablauf integrieren. Kurze Übungseinheiten (Grundgehorsam) kann ich auch nebenbei machen. Neben dem Kochen, während ich drauf warte, dass das Nudelwasser kocht, schnell ein paar Sitzübungen. So bekomme ich einen gut erzogenen Welpen. Der Hund wird mir es den Rest des Lebens damit danken, dass er gut erzogen ist.

Einfach den Hund in den Alltag einbinden. Der Hund lässt sich in so viele Dinge integrieren. Gartenarbeit mit dem Welpen ist nicht immer so effektiv wie ohne Hund, dafür um vieles lustiger. Die Zeit, die man für den Hund aufbringt, nicht als Belastung sehen, sondern als Bereicherung. Vielleicht geht einiges nicht mehr so einfach wie ohne Hund, dafür gibt’s Dinge, die man vorher nicht konnte.

Kompromisse sind nicht immer schlecht. Die Flugreise nach Amerika wird vielleicht schwierig, doch das ist sie mit kleinen Kindern genauso. Das Ferienhaus am Mittelmeer ist dagegen vielleicht perfekt für Kinder und Hund.

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