26.05.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Neuer Trend: Naturnahe Ecken im Garten Wildnis wagen

Verwobenes Grün und verwunschene Stille. Wilde Ecken im Garten haben ihren besonderen Reiz. Sie machen nicht viel Arbeit und bringen die Natur zurück. In vielen Oberpfälzer Gärten hat ein Umdenken eingesetzt: Der peniblen Ordnung werden Grenzen gesetzt.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Der neue Trend heißt "Lazy Gardening" und bedeutet nichts anderes, als entspannt gärtnern. Ziel ist es, den Pflegeaufwand zu minimieren. Und das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern damit, alles ein bisschen "lässiger" zu sehen. Die Natur lehrt, wie das geht. Natürlich gehen die Vorstellungen von einem idealen Garten weit auseinander und jeder hat andere Schwerpunkte. Während es für den einen der Spielrasen oder das Staudenbeet ist, lieben andere ihren Obst- oder Gemüsegarten. Planen und konsequent verfolgen, das gilt auch, wenn man seinen Garten etwas "verwildern" lassen will.

Der Standort und die vorherrschenden Bedingungen des Grundstücks in Bezug auf Boden und Licht geben vor, welche Bepflanzung geeignet ist. Wer seinen Garten in mehrere Räume aufteilt, lässt mehr Spannung zu. Ein Wildnisgarten ist zwar nicht jedermanns Sache, aber von den optischen und praktischen Vorzügen kann der Hobbygärtner auch in einem kleinen Bereich profitieren. Das Motto dabei: Der Natur in einem begrenzten Gebiet freien Lauf lassen. Penible Beete mit starrer Trennung sind passé.

Die Pflanzen dürfen kuscheln und sich ineinander verschlingen. Sie dürfen über Mauern wuchern oder wie die Waldrebe (Clematis), die Bäume hinaufklettern. In den sogenannten "unordentlichen Gärten" geht es um verwobenes Grün. Ein Aspekt: Die Fläche benötigt sehr viel weniger Arbeit als ein gepflegter Garten. Mit "Verwahrlosung" hat das aber nichts zu tun. Der Hobbygärtner muss schon von Zeit zu Zeit eingreifen, doch die üppige Pflanzenvielfalt kommt mit wenig Strenge aus. Waldmeister darf sich ausbreiten und der Frauenmantel deckt unschöne Stellen zu. Wenn der Boden passt, wird der Storchschnabel für viel Nachwuchs sorgen und mit seinen lila Blüten den Betrachter sowie Bienen und die nützlichen Schwebfliegen erfreuen.

Das wilde Eck sollte klar vom übrigen Garten abgegrenzt sein. Dafür eignen sich Steine oder Wildblumen. Besondere Akzente setzt roter Mohn. Einmal ausgesät, kommt er im Frühjahr immer wieder zum Vorschein. Das gilt auch für die Ringelblume, die früher in keinem Bauerngarten fehlen durfte. Ebenfalls sehr schön: Ein Meer aus Akelei, das sich überall dort hintreiben lässt, wo die Bedingungen passen. "Nackte Erde" gibt es in der Natur nicht.

Deshalb müssen die Zwischenräume mit Bodendecker bepflanzt werden, die gleichzeitig auch die Basis bilden. Das Praktische dabei: Sie halten das Unkraut zurück. Sehr idyllisch und naturnah gestaltet ist es, wenn eine Wasserfläche angelegt wird. Sumpfpflanzen und Fische heben die Spannung und die Harmonie zur naturbelassenen Umwelt. Statt mit teuren Granitsteinen oder nichtssagenden Betonplatten können die Beete und Wege mit Findlingen gestaltet werden. Hier muss man auch nicht zur chemischen Keule greifen, wenn sich Moos ausdehnt.

Im Schattenbereich sind es meist Bäume, die das Gerüst geben. Die Unterpflanzung: Funkien und Farne, die sich im einfallenden Licht entfallen und für etwas Mystik sorgen. Mit Gerüsten an denen sich Efeu, Blauregen oder Wilder Wein klammern, ist das Dschungel-Feeling nicht mehr weit. Oft muss man sich erst daran gewöhnen, die Kontrolle abzugeben und den Pflanzen mehr Freiheit zu lassen. Auch Tiere lieben es, wenn sie im Garten geduldet werden. Hühner, Laufenten und Igel beteiligen sich dazu als Schneckenjäger.

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