Out of the Box – Eine Show, die aus dem Rahmen fällt im Ring-Theater
Lebensfreude statt Medikament

Auch sie fallen aus dem Rahmen: Wegen ihrer unglaublichen Idee und dem Willen, das Vorhaben in die Tat umzusetzen: Chris Gnerlich, Florian Kallweit und Tim Hemzal (von links) sind Out of the Box. Bild: dwi

Die Hälfte von ihnen ist noch nicht erwachsen. Trotzdem wissen sie ganz genau, was sie wollen: Kindern helfen, die aus dem Rahmen fallen. Die Mitglieder der Initiative Out of the Box organisierten die perfekte Show im Ring-Theater. Breitgefächert von Mundart und Reggae bis hin zu bayerischer Zauberei.

Amberg. (dwi) ADHS - hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Mit dieser Diagnose werden deutschlandweit etwa fünf Prozent von Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren konfrontiert. Sie gelten als unkonzentriert und impulsiv, rebellisch und vor allem unbequem. "So ist das aber nicht. Wenn man weiß, wie man mit uns umgehen muss, kann man auch auf Medikamente verzichten", sagt Florian Kallweit. Bei dem 23-Jährigen wurde bereits in der 1. Klasse ADHS festgestellt. Ungewollt wurde er zu einem Grund für die Entstehung der Initiative Out of the Box.

Chris Gnerlich schrieb über ihn ein Lied. Tim Hemzal übernahm die Videoproduktion und so führte ein Gespräch zu einer Idee: Aufklärung über ADHS, aber im großen Stil. Ziel ist es, Vorträge für Pädagogen, Eltern und Kinder zu organisieren. 800 Zuhörer pro Seminar wünschen sich die Macher. Außerdem sollen bayernweit in Schulen Lösungen im Umgang mit erkrankten Kindern aufgezeigt werden. Nach Erhalt diverser Zertifikate, darf sich eine Lehranstalt zukünftig auch Out-of-the-Box-Schule nennen. "Es ist so frustrierend. Wie ein Tritt in den Hintern fühlt es sich an, nicht verstanden zu werden", erzählt Kallweit. Gut ein halbes Dutzend Bewerbungen hat er bereits geschrieben, um an einer neurologischen Therapie teilnehmen zu können. Jedes Mal wurde er abgelehnt. Der Grund: Es bestehe kein akutes ADHS.

Im Umgang mit Betroffenen empfiehlt er, viel zu unternehmen, vor allem in der Natur. Das bestätigt auch Philipp Mülleitner, der als Ergotherapeut fast täglich in Kontakt mit ADHS-Erkrankten steht. "Vor allem hilft ein motorisches Wahrnehmungstraining. Das kreative Potenzial muss gefördert werden." Letzteres ist auch Bestandteil des Planes von Chris Gnerlich und Tim Hemzal. Mit seinen 16 Jahren ist Hemzal, der bereits seine eigene GmbH gegründet hat, ein Tausendsassa auf dem Gebiet soziale Netzwerke und Marketing. Zusammen mit Gnerlich konnte er im März dieses Jahres innerhalb weniger Tage Freunde und Fremde für die Idee begeistern.

Mittlerweile sind es 50 Mitglieder, die alle Bezug zur Krankheit haben, als Betroffene, Familienmitglieder oder medizinische und pädagogische Experten. Um das Vorhaben auch umsetzen zu können, müssen die Gelder fließen. Aber auch dafür hatten die Verantwortlichen die passenden Lösungen: Crowdfunding und Entertainment. Sprich: Finanzierung über stille Beteiligungen und jede Menge Unterhaltung. Mit Headsets und Listen bewaffnet, bewiesen alle Mitwirkenden eine Glanzleistung ihres organisatorischen Talentes. "Out of the box - eine Show, die aus dem Rahmen fällt" begeisterte im Ring-Theater fast 200 Besucher. Mitwirkende waren Chris Gnerlich, Jack Lucas, Antonia Jary, Benny Singer, Emmaisdabei, Arti Immens, Manfred Winzel, Grimmy Timmy, Trillusion und die Gebrüder Mülleitner. Sie alle verzichteten auf eine Gage.

Demnächst stehen zwei Videoproduktionen an und Chris Gnerlich wird am Mittwoch, 4. Oktober, im Münchener Schlachthof auftreten. Mehr über Out of the Box gibt es unter facebook.com/outoftheadhsbox.
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