Riesen haben im Regental ihre Spuren hinterlassen
Mit einem Sprung nach Regensburg

   

Friedlich liegt Drackenstein im Licht des Frühsommers. Nur eine Gedenktafel lässt hier noch erahnen, welch schlimmes Schicksal den einstigen Burgherren dort widerfuhr. Die Geschichtsschreibung, die hier auf einer nüchternen Tafel zwischen Bauerngärten und mit Pferdehalftern geschmückten Hausfassaden zusammengefasst wird, weiß nur Schauerliches zu berichten.

Schon mit dem Namen geht es los: Drackenstein sei ein typischer Burgenname und bedeute, „Fels auf dem ein Drache lebt“, heißt es da. Von der Burg, die sich seit spätestens dem 14. Jahrhundert in Drackenstein erhob, ist heute nichts mehr zu sehen. Die Besitzerin des herrschaftlichen Sitzes wurde 1552 von ihrer Dienerin erschlagen. 1573 fiel dann die Burg selbst einer Brandstiftung zum Opfer.
Seitdem ist aber Ruhe eingekehrt in das Dorf Drackenstein, das sich zwischen Karlstein und Kirchberg im Regental erhebt. Heute ist die Ansammlung schmucker Häuser auch eine Zwischenetappe auf einem Wanderweg, der im jüngst erschienenen „Wanderführer Regental“ beschrieben ist.

„Auf den Spuren der Riesen“ hat der Buchautor Gerhard Besenhard die Route benannt. Der Name rührt von einer Felsformation im Laufe des Weges her, die der Sage nach der Zehenabdruck eines Riesen ist. Hat der Wanderer Drackenstein erreicht, so liegt bereits gut ein Viertel der Wegstrecke hinter ihm. Und zwar auch das anstrengendste Stück der Route, der lang gezogene, mäßige Anstieg nach Drackenstein. Startpunkt der eigentlichen Tour ist nämlich Karlstein. Vom dortigen Parkplatz an der Schlossparkstraße geht es los.

Gedenkstein für Max Ulrich Graf von Drechsel

Gleich am Wegesrand wird auch hier an eine dunkle Zeit gemahnt: Ein Gedenkstein erinnert an Max Ulrich Graf von Drechsel, der 1911 in Karlstein geboren wurde und auf dem dortigen Schloss aufwuchs. Als Widerstandskämpfer wurde der junge Mann 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet. Das in schlicht-modernen Formen gehaltene Mahnmal errichtete man 2011 anlässlich des 100. Geburtstages Graf von Drechsels.

Von hier aus zieht sich ein Waldweg leicht bergauf. Orientierung liefert dabei die grüne Dreiecksmarkierung auf weißem Grund. Hat man das Ende des Waldes nach einiger Zeit erreicht erreicht, erstreckt sich linkerhand eine Wiese. Ein paar Schritte Abstecher auf das lichte Grün – und dem Laufenden bietet sich die erste Belohnung für seine Anstrengung: ein großartiger Ausblick auf das Regental und die in einiger Entfernung liegende Ortschaft Regenstauf.

Sonderlich anstrengend ist die Wanderung allerdings gar nicht. „Auf den Spuren der Riesen“ lässt es sich durchaus mit dem Kinderwagen oder auf kleinen Füßen wandern. Auf einem Feldweg geht es nun weiter in Richtung Drackenstein. „Der Horizont scheint nur aus Hügeln und Bergen zu bestehen“, beschreibt Gerhard Besenhard in seinem Wanderführer diesen Teil der Strecke. In Drackenstein angekommen, wartet schon die eingangs erwähnte Infotafel mit der Geschichte über die Burgherrin Sabina Kapfenberger und ihre mörderische Magd Anna. Um die Tafel zu erreichen, muss man sich in Drackenstein links halten und dann etwa 50 Meter weiter gehen.

Auf dem Weg zum "Riesensprung"

Da in Drackenstein auch von dem als Nachfolger der Burg erbauten Schloss nichts mehr übrig ist, geht es zügig weiter auf der Asphaltstraße bergab bis zu einer Gabelung. „Aufgepasst“, heißt es an dieser Stelle im Wanderführer, „hier nicht dem grünen Weg folgen sondern weiter geradeaus, zu den Häusern 6, 6a und 7.“ Geht die Straße dann in einen Schotterweg über und führt in Richtung Wald, so ist man richtig.

„Riesensprung 400 m“, heißt es alsbald auf einem hölzernen Hinweisschild. Folgt man den von Wurzeln überzogenen Waldweg weiter und geht bei der nächsten Kreuzung links, so hat man die Sehenswürdigkeit nach kurzer Zeit erreicht: eine Felsformation mit einer länglich-ovalen Mulde.

Die Sage berichtet über diesen „Riesensprung“: „Als die Erde noch nicht ganz ausgehärtet war, lebten in der Oberpfalz viele Riesen. Die sind auch dafür verantwortlich, dass es bei uns so hügelig ist. Einer davon sprang von hier nach Regensburg. Dabei hinterließ er einen Abdruck im Felsen. Wer meint, das sei ein Fußabdruck, der irrt sich gewaltig. Es ist ist nur eine seiner großen Zehen.“ Für Wanderer in Menschengröße geht es nach diesem Abstecher in kleineren Schritten zurück zur Kreuzung und dann geradeaus weiter. Mächtige Steinformationen liegen auch hier überall am Wegesrand.

Bei der Theresienkapelle führt der Weg aus dem Wald hinaus. Von hier aus folgt der Wanderer wieder der grün markierten Forststraße in Richtung Grafenwinn. Nach einem weiteren kleinen Waldstück heißt es erneut aufgepasst: „Sobald wir freie Sicht haben, rechts halten, in den Wald hinein, ein kleines Stück bergauf, dann gleich wieder links bergab.“ Durch Gerhard Besenhard auf solch detaillierte Weise geleitet, findet sich der Weg zur Asphaltstraße leichter als es klingen mag.

Paulus auf dem Sterbebett

Rechts abgebogen auf die Autostrecke, die das naturverbundene Idyll nur für kurze Zeit unterbricht, erreicht der Wanderer schließlich Kirchberg. Dort etwa 50 Meter den Berg hinauf – und man steht vor der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Ein Besuch des Gotteshauses lohnt sich. Die Ausstattung präsentiert sich größtenteils in barocken Formen. Bemerkenswert ist vor allem der nördliche Seitenaltar. Er ist dem Völkerapostel Paulus gewidmet, der in Indien und Japan missionarisch tätig war. Das Altarblatt zeigt Paulus auf dem Sterbebett in Begleitung eines chinesischen Dieners.

Lässt der Wanderer die Kirche hinter sich, so geht es weiter durch einen Hof (Kirchberg 1) und gleich danach auf einen zweispurigen Feldweg. Dieser führt wieder in Richtung Karlstein und wartet mit einem letzten Höhepunkt der Wanderung auf: Immer leicht bergab nähert sich der Laufende dem Karlsteiner Bächlein. Wer vorher noch Rast machen will auf einer Bank inmitten eines Hains alter Eichen, der sollte die Augen aufhalten: Dieses schattige Plätzchen liegt erquickend, aber etwas verborgen rechts des Weges.

Wanderung am Bachlauf

Bei der nächsten Möglichkeit heißt es dann links halten. Hier überquert der Weg erstmals den Bach. Ein Herrgott und eine in einen Baum eingelassene kleine Marienfigur zeugen hier von katholischer Volksfrömmigkeit. Von da an folgt die Wanderung dem Bachlauf und überquert diesen auf mehreren kleinen Stegen.
Bei der kommenden Weggabelung geht es rechts und dann sehr nahe an einem Wohnhaus vorbei. Dieses kündet schon vom bald erreichten Ziel des Rundweges: Nach dem Haus führt die Strecke rechts auf dem Schotterweg weiter, dann links auf der Straße bis zurück nach Karlstein.

Und hier liegt auch, mit Blick auf den Dorfweiher, der Landgasthof Lautenschlager. Wie passend. Die zünftige Brotzeit, die hier auf der Speisekarte steht, hat man sich redlich verdient.

Tipps zur Route


  • Die Wanderung „Auf den Spuren der Riesen“ ist als leicht eingestuft. Die Strecke führt über acht Kilometer von Karlstein aus über Drackenstein und Kirchberg zurück nach Karlstein.
  • Die Strecke ist mit Kinderwagen oder Fahrrad zu bewältigen.
  • Sehenswürdigkeiten sind der „Riesensprung“, die Theresienkapelle bei Drackenstein, die Kirche Mariä Himmelfahrt in Kirchberg sowie das Schloss Karlstein.
  • Einkehren kann man im Landgasthof Lautenschlager, Schlossparkstraße 3 in Karlstein. Öffnungszeiten sind Dienstag und Donnerstag von 10 bis 15 Uhr, Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag und feiertags von 10 bis 22 Uhr.
  • Die Route ist beschrieben im „Wanderführer Regental“ von Gerhard Besenhard, Battenberg Gietl Verlag (Buch- und Kunstverlag Oberpfalz), 14,90 Euro.


Die Tour als Download (gpx)



1 Kommentar
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Ingrid Meyer aus Sulzbach-Rosenberg | 11.06.2017 | 20:20  
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