TV 1861 will Nachbar-Fitness-Studio
Sportpark kaufen und wachsen

"Wir plaudern über Großes." Zitat: Thomas Bärthlein, Vorsitzender des TV 1861 Amberg
 
Ab 1986 ging die Post der Adresse Am Schanzl 11 an den Squash-Park, ab 2002 an das Balance, später an das Revital und ab 2014 an den Verein für Gesundheitssport. Ab Herbst soll der TV 1861 der Empfänger sein - wenn es nach dem Willen des Vorstands um Thomas Bärthlein geht. Bild: Kosarew

Als außerordentlich war die Mitgliederversammlung des TV 1861 Amberg eingestuft worden. Vorsitzender Thomas Bärthlein sprach am Freitagabend auch von der wichtigsten Sitzung des Jahres. Vor 43 Mitgliedern sagte der Vereinschef: "Wir plaudern über Großes."

Aus der Plauderei wurde dann doch eine zweieinhalbstündige, teilweise kontrovers geführte Diskussion mit dem von Bärthlein propagierten Ziel: "Wir wollen den Verein zukunftsfähig machen." Am Ende war sich der Vorstand um Bärthlein sowie seine Stellvertreter Wolfgang Wrosch und Birgit Binder sicher über das, was der Vorsitzende so verkündete: "Wir sind der festen Überzeugung, dass wir das schaffen. Es wird uns gelingen, den Verein für die Zukunft fit zu machen."

Wenn man so will, ein historischer Schritt. 31 Mitglieder glaubten das auch, 12 aber nicht. "Wollen wir einen kleinen, gesunden TV oder einen großen, kranken?", wollte ein besorgtes Mitglied wissen. Der Hintergrund: Der TV 1861, der laut Bärthlein aktuell 1850 Mitglieder hat, soll ab Oktober um rund 450 weitere Beitragszahler wachsen, weil er das benachbarte Fitness-Studio Sportpark (früher Balance und Revital-Balance) erwerben und in finanzieller Eigenregie führen will sowie mit dem dort beheimateten Verein für Gesundheitssport fusionieren möchte. Dessen 450 Beitragszahler seien ja schon praktisch im Sportpark zu Hause.

Konkret ging es um die am 22. Juni 1986 eröffnete einstige Squash-Halle, aus der 2002 das Balance und später das Revital wurden - Insolvenz des damaligen Betreibers inklusive. Ende September wird nun der Sportpark seinen Betrieb einstellen. Richard Sommer, der mit seiner Frau Silvia das Studio aufgebaut und nach dem Revital-Crash wieder übernommen hat, sagte: "Wir wollen einfach kürzertreten. Wir wollen das nur einem Verein verkaufen und nicht an ein kommerzielles Studio." Ab 1. Oktober könnte der TV nahtlos übernehmen. Mittelfristig soll der Sportpark dem TV gehören. Die Mitglieder des Vereins für Gesundheitssport würden automatisch zum TV wechseln. Wie auch die gesamte Immobilie, das Inventar und das Personal. Der Verein würde dann um eine neue Fitness-Abteilung wachsen. Die drei Trainer mit festen Arbeitsverträgen, Praktikant, Lehrling, Raumpflegerin und das gute Dutzend Honorartrainer würden komplett übernommen, ließ Bärthlein ergänzend wissen.

Auf Nachfrage teilte Birgit Binder mit, dass vom Bayerischen Landessportverband 48 000 Euro Zuschuss zu erwarten seien. Auch die Siemens AG, deren aufgelöste Sportgemeinschaft teilweise im TV aufgegangen ist, und die Stadt würden sich finanziell beteiligen. Zahlen wurden aber nicht genannt.

Bärthlein, der auch für die CSU im Stadtrat sitzt, erwähnte, dass die Stadt der Übernahme des Sportparks positiv gegenüberstehe und eine Bürgschaft übernehmen werde, deshalb gebe es günstige Kredite. Das Konzept jedenfalls stehe auf soliden Beinen, da waren sich die Verantwortlichen sicher. Und mit ihnen 31 Mitglieder - 12 blieben skeptisch.

Wir plaudern über Großes.Thomas Bärthlein, Vorsitzender des TV 1861 Amberg


"Fairer Preis" - doch es regt sich Widerstand"Ihr erwartet, dass wir hier abstimmen. Sagt uns erst mal, wie viel das kostet", forderte ein Mitglied. Ein anderes fügte hinzu: "Wenn Ihr nicht mit den Zahlen rauskommt, dann können wir alle aufstehen und gehen." Frank Mitschke, Chef der zum TV gehörenden Handballgemeinschaft, blieb sitzen, wurde aber deutlich: "Wir reden hier über ein Geschäft. Und nicht über Breitensport." Richard Sommer sagte, dass der TV Amberg komplett für die Anlage rund 525 000 Euro aufbieten müsste. Im Gegenzug könne der Verein mit festen jährlichen Gesamteinnahmen von rund 250 000 Euro rechnen, da die Mitglieder des Vereins für Gesundheitssport im Schnitt je 50 Euro zahlen. Dazu kämen Einnahmen aus dem Reha-Sektor. "Die Summe ist nicht unerheblich", sagte Frank Mitschke, aber: "Der Preis ist fair." Besitzerin Silvia Sommer werde dem TV so lange bei der Einarbeitung unter die Arme greifen, bis ein geeigneter Geschäftsführer gefunden wird. (e)
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