Überfüllte Parkplätze, verstopfte Zu- und Abfahrten
Berg erstickt im Verkehrschaos

Ein alltägliches Bild vom Weg zum Berg: Das Taxi, für das die rechte Fahrbahnseite reserviert wäre, muss über den Fußgängerweg ausweichen. Bilder: tk (2)
Freizeit
Amberg in der Oberpfalz
07.07.2017
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Schnappschuss von der neuralgischen Stelle. Wer hier angekommen ist und erfährt, dass der Parkplatz geschlossen ist, muss den Weg nach links zurück in die Stadt antreten. Bild: brü

Gerhard Niebler mag den Berg. Seine Urgroßmutter Katharina Eckl war von 1901 bis 1934 Gaststätten-Wirtin. Da sein Sohn Markus seit elf Jahren den Sudhaus-Quelle-Getränkestand betreibt, ist der Aschacher auch oft am Bergfest. Doch das, was ihm diese Woche widerfahren ist, hat er so noch nicht erlebt: "Der Donnerstagabend war eine Katastrophe."

Neigen sich oben am Berg vor der Wallfahrtskirche die Kaffee-, Wein- und Limo-Vorräte dem Ende entgegen, setzt sich Gerhard Niebler in sein Auto und holt aus dem Laden an der Raigeringer Straße Nachschub. So auch am Donnerstag. Es gab aber trotz der Ausnahmegenehmigung ein Problem: Die Parkplätze hätten sich zusehends gefüllt, die Autofahrer seien nicht bereits unten an der Ecke Jahnstraße umgeleitet worden. Auch die aufgestellte Barke habe nichts gebracht. Viele Festbesucher hätten sie einfach ignoriert.

Verkehrspolizei relativiert

"Normal geht's schon", sagt Niebler, aber: "Ab 18 Uhr war's am Donnerstag extrem. Da sind die Autos ab der Baumann-Villa zweispurig gestanden." So lange wie noch nie habe er für seine Lieferung gebraucht. Bei Getränken sei das relativ egal, "wenn aber einer mit frischen Bratwürsten eine halbe Stunde in seinem heißen Auto in der vollen Sonne steht, ist das nicht gut." Joseph Decker, stellvertretender Leiter der Verkehrspolizeiinspektion, widerspricht dieser Aussage nicht. Nieblers Wahrnehmung, die Polizei stehe "zu weit oben" und müsse den Verkehr "viel früher" über Jahn- und Äußere Raigeringer Straße umleiten, dagegen schon: "Wir haben das gleiche Konzept wie die Jahre zuvor. Gleiches Konzept, gleiches Personal." Soll heißen: Sind beide Parkplätze voll, ließen die Kollegen keine Autos mehr auf den Berg. "Wir sperren dann." Das sei erst dann nicht mehr der Fall, wenn das Rote Kreuz per Funk meldet, dass wieder Kapazitäten frei sind: "Wir lassen dann die Autos wieder hoch."

Gerhard Niebler schüttelt nur den Kopf: "Die stehen da zweispurig. Da kann man nicht mal eine Rettungsgasse bilden. Da geht gar nichts." Wolfgang Potsch, Bereitschaftsleiter des Roten Kreuzes, sieht das nicht anders. Er bestätigt Nieblers Eindruck, dass das Verkehrschaos in diesem Jahr enorm sei: "Mittwoch und Donnerstag waren die beiden extremen Tage." Potsch kann das auch belegen. Zum für 18 Uhr vereinbarten Schichtwechsel seien die Kollegen erst um 18.20 Uhr gekommen. Obwohl sie die Wache am drei Kilometer entfernten Amselweg pünktlich um 17.45 Uhr verlassen hätten. Eine Route, die bei freier Fahrt keine zehn Minuten dauert. Potsch sieht in der zunehmenden Verkehrsbelastung am Berg ein Problem. Trotz der möglichen Erstversorgung vor Ort: "Wenn ein Patient wirklich ins Klinikum müsste, wird's schwierig." Denn: "Es gibt nur diesen einen Rettungsweg. Und das ist die Zu- und Abfahrt."

Problem bei Reservierung

Zum Glück hätten sich in diesem Jahr alle Notfälle außerhalb der Stoßzeiten ereignet. An den Extremfall will der Bereitschaftsleiter gar nicht denken: "Angenommen, es brennt. Bis die Feuerwehr da raufkommt." Potsch beendet diesen Satz gar nicht erst. Dass der Weg auf den Berg sehr lange dauern kann, musste auch Festwirt Maximilian Winkler erfahren. Gäste, die für 18 Uhr reserviert hatten, kamen wegen der Staus und des Umwegs über den Philosophenweg teilweise erst um 19 Uhr. "Normalerweise lösen wir die Reservierung nach einer halben Stunde auf. Das kannst du in so einem Fall aber nicht machen. Die können ja nichts dafür." Dann sei Flexibilität gefragt. Eine Entscheidung zuungunsten seiner Gäste musste Winkler am Donnerstagabend dennoch treffen. Als wegen der Hitze das Mineralwasser ausgegangen war, verzichtete er darauf, einen Fahrer loszuschicken, der die Bestände auffüllt: "Das hätte alles viel zu lange gedauert. Da kann man dann nicht mehr nachliefern. Da ist man zwei Stunden unterwegs."

Probleme auch für und mit TaxisWartezeiten in Kauf nehmen mussten auch die Taxis, die pro Tour 7,20 Euro kosten. "Die Kollegen aus der Nachtschicht sind teilweise eine halbe Stunde im Stau gestanden", berichtet Fahrerin Michaela Götz. Einer habe bei Schichtwechsel zu ihr gesagt: "Es war echt die Hölle heute Nacht." Schuld seien in erster Linie die Besucher, die die freizuhaltende Bus- und Taxi-Spur benutzen. Zudem werde bei Überfüllung der Parkplätze "unten erst relativ spät gesperrt". Ein Eindruck, den auch Festwirt und Brauerei-Juniorchef Maximilian Winkler gewonnen hat: "Früher war das besser organisiert." Bergfest-Besucher Andreas Brückmann aus Hohenkemnath geht sogar noch einen Schritt weiter und erzählt von seinem ganz persönlichen Donnerstagabend-Erlebnissen: "Um 19 Uhr weigerten sich sämtliche Amberger Taxi-Unternehmen, auf den Berg zu fahren. Weil sie nicht durchkommen. Nicht pauschal alle, aber die, die ich angerufen habe." (tk)


Wenn ein Patient wirklich ins Klinikum müsste, wird's schwierig. Es gibt nur diesen einen Rettungsweg. Und das ist die Zu- und Abfahrt.Wolfgang Potsch, Bereitschaftsleiter des Roten Kreuzes
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Andreas Brückmann (brü) aus Ursensollen | 07.07.2017 | 16:05  
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