01.05.2018 - 19:19 Uhr
Oberpfalz

Walperer mit politischen Botschaften im Kreis Amberg-Sulzbach Ein Sarg für Steiningloh

Die Walperer waren wieder unterwegs: Noch immer gilt die Nacht zum 1. Mai als "Freinacht", als Nacht, in der der eine oder andere öffentlichkeitswirksame Schabernack erlaubt ist. In Lintach und in Steiningloh (Kreis Amberg-Sulzbach) gab es am Dienstagmorgen Hinterlassenschaften dieses Brauchtums zu bestaunen. Kein Wunder - Lintach hat eine enge Verbindung zur "Walpurgisnacht".

Das Walperer-Kunstwerk am Ortseingang von Steiningloh (Stadt Hirschau).
von Uli Piehler Kontakt Profil

Dabei gehen katholische Heiligenverehrung und heidnischer Kult eine Verbindung ein. Gemeinhin ist die "Walpurigsnacht" in Deutschland ja mit Hexentreiben gleichgesetzt. In katholischen Gebieten ist dieser Hexenkult aber seit Jahrhunderten durch christliche Symbolik ersetzt. Dass "Walpurgis" gedacht wird, bedeutet eine Erinnerung an die heilige Walburga, die von 710 bis 779 gelebt hat. Die Pfarrkirche in Lintach ist nach der englischen Adelstochter benannt, die am 1. Mai 870 heilig gesprochen wurde. Deswegen feiern die Lintacher auch immer um den Maifeiertag herum ihre Kirchweih.

Kirwabaum im Kreisverkehr

Auch dieses Jahr war das so. Und auch in diesem Jahr waren in Lintach wieder Walperer am Werk. Am Kreisverkehr an der Staatsstraße 2239 platzierten sie einen Mini-Kirwabaum. Er erinnert die Autofahrer an die Kirwa-Tage, die das Dorf seit Wochen in Beschlag nehmen. In der Ortsmitte spukt seit einigen Jahren jemand mit kommunalpolitischen Botschaften: Auch heuer fand sich am Giebel eines Stadel eine Schmähschrift auf die Freudenberger Gemeindepolitik, deren Geschicke Bürgermeister Alwin Märkl (CSU) leitet.

"Steiningloh stirbt aus"

Politisch war auch der Walperer-Scherz im nur wenige Kilometer entfernten Steiningloh (Stadt Hirschau). Dort machten Unbekannte ihrer Sorge um die Zukunft der Ortschaft Luft. Offenbar fühlen sich die Steiningloher abgehängt: Kapelle, Internet, Bauland, Radweg, Hochwasserschutz - alles Themen, die der Dorfgemeinschaft seit Jahren unter den Nägeln brennen. "Steiningloh stirbt aus - Söder hilf!", richten die Urheber einen flehentlichen Appell an den neuen bayerischen Ministerpräsidenten und platzierten einen symbolischen Sarg am Ortseingang. Sogar ein Blumensträußchen lag darin. Fraglich, ob dieser davon erfährt. Zumindest im Hirschauer Rathaus dürfte man davon Notiz nehmen.

In der Region ist das Walpern offenbar noch weit verbreitet - wenn auch manchmal nicht ganz gesetzeskonfrom. Insgesamt musste die Polizei in der Oberpfalz 26 Mal wegen Vorfällen im Zusammenhang mit der Freinacht ausrücken. "Bei den 26 Einsätzen handelte es sich um acht Körperverletzungsdelikten mit acht leicht Verletzten, neun Ruhestörungen und sieben Sachbeschädigungen mit einem Gesamtschaden von 1255 Euro", teilte das Polizeipräsidium in Regensburg am Dienstag mit. 

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